Am 30. Dezember schliessen Kurt und Lisbeth Birchler die Türen ihres Kinos Etzel. Bild Victor Kälin
Am 30. Dezember schliessen Kurt und Lisbeth Birchler die Türen ihres Kinos Etzel. Bild Victor Kälin

Film

Zum letzten Mal «Film ab» im Kino Etzel

Auf fast 25 Jahre Kino Etzel können Kurt und Lisbeth Birchler Ende Jahr zurückblicken. Dann heisst es für sie letztmals «Film ab».

Es war ein bewegter Beginn des Jahres 1986: Erst machte sich der gelernte Elektriker Kurt Birchler als Kaffeemaschinenspezialist selbständig, um dann einige Wochen später gleich noch das Kino Etzel zu kaufen. Zwei berufliche Aufbrüche ins Ungewisse. Kein Wunder, schrieb der EA damals – natürlich auf das Kino bezogen – von «Wagemut» und «Risikofreude». «Wenn es auf meine Frau Lisbeth angekommen wäre, hätte ich das Kino tatsächlich nicht übernommen», erinnert sich Kurt Birchler heute mit einem Lächeln.

Das Herz ans Kino verloren

Er jedoch, der schon 14 Jahre lang für den damaligen Besitzer Albin Kälin Film-Operateur gewesen war, hatte sein Herz schon längst an das Kino verloren. Und als der Handänderung zu Hugo Mächler wegen in Einsiedeln laut spekuliert wurde, ob das Kino überhaupt weitergeführt wird, erkannte Birchler die Chance: Am 11. April 1986 eröffnete er das Kino Etzel als neuer Eigentümer – zusammen mit seiner Frau Lisbeth!

Eine Einsiedler Kulturinstitution

25 Jahre wären es im nächsten April geworden. So lange haben Kurt als Operateur im 1. Stock und Lisbeth Birchler als Verkäuferin im Parterre einen Einsiedler Kulturbetrieb garantiert, der damals weit und breit seinesgleichen suchte. Eine Leistung, die nicht hoch genug zu würdigen ist. «Die Frequenzen stiegen laufend. Wir haben eine gute Zeit getroffen», weiss Kurt Birchler zu erzählen. Mit der Zeit erwies sich der Modus von Freitag bis Montag als geeignet; die Zusatzaufführungen von Dienstag und Mittwoch wurden der fehlenden Nachfrage wegen verworfen; das Doppelprogramm mit zwei Filmen pro Abend verschwand jedoch erst im Jahr 2002 – nach 15 Jahren notabene.

Weit über 10'000 Filme gezeigt

38 Jahre lang hat Kurt Birchler Filme gezeigt. Zuerst 14 Jahre für Albin Kälin, dann 24 auf eigene Rechnung. Und wie viele Filme hat er in dieser Zeit eingespannt? Wie kann man nur eine solche Frage stellen, scheint der Gesichtsausdruck von Kurt Birchler zu sagen. Mit vereinten Kräften einigt man sich auf «weit über 10'000». Und seine Frau Lisbeth? «Ja, sie hat dann halt müssen.» Um sie fragend anzuschauen: «Hat es dich gereut?» Viel erlebt hätten sie im Kino, meint Lisbeth Birchler darauf, aber auch viel gearbeitet. «Von Nichts kommt Nichts», fasst sich der Ehemann kurz.

Viele freiwillige Helfer

Mit den Jahren hätte es über das Kino «eine grosse familiäre Verbundenheit» gegeben, sagt Lisbeth Birchler: «Wir sind hier zu Hause.» Wir – das sind Kurt und Lisbeth Birchler sowie ihre beiden Söhne Frank (geboren 1974) und Andi (1978). Aber auch die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen sowie die Gönner, die den Betrieb und Erhalt des Einsiedler Kinos erst ermöglicht hätten. Ihnen allen wollen die Birchlers für die teils langjährige Treue danken. Und einen besonderen Dank sprechen sie den beiden Söhnen Frank und Andi sowie deren Partnerinnen aus, die lange tatkräftig mitgeholfen haben – wodurch diesen das Kino Etzel prompt zum Kollegentreff geworden ist. Diese Faszination hat sich auch auf die nächste Generation übertragen, weiss Lisbeth Birchler zu berichten: «Jupii! Wir gehen ins Kino» hätten die drei Grosskinder jeweils freudig gerufen. Und die Älteste des Trios – mittlerweile fünfeinhalb – spielte im Kassahäuschen bereits «Verkäuferlis» oder wies die Plätze an.

Viel mehr als nur ein Kino

Was blieb besonders in Erinnerung? «Titanic» als einer der auch in Einsiedeln erfolgreichsten Filme, aber auch die beiden lokalen Dokumentarfilme über den Sihlseebau oder das Turpnen. Den Kontakt mit den Kinobesuchern hat Lisbeth Birchler besonders geschätzt. Und auch die vielen schönen Momente ausserhalb der Spielzeit: Geburtstage, Hochzeitsfeiern, Tagungen, CD-Taufen, Buch-Vernissagen oder die Tamilen, die das Kino sporadisch mieteten und für einen weiteren Farbtupfer sorgten. Und Kurt Birchler erzählt Geschichten von zwei verschiedenen Filmhälften, von falsch oder zu spät gelieferten Filmen, von falschen oder gar unterlassenen Ankündigungen im Lokalblatt Einsiedler Anzeiger: «Da musst

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

21.12.2010

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schwyzkultur.ch/56Kr6h