Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler Sabina Zschaeck Korner, Verena Aeberhard, Marsilio Polini, Monika Blank und Dominique Gwerder (von links). Fotos: Gina Graber
Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler Sabina Zschaeck Korner, Verena Aeberhard, Marsilio Polini, Monika Blank und Dominique Gwerder (von links). Fotos: Gina Graber

Kunst & Design

Kunst ist ein bisschen wie Frieden

Vernissage «MedicoPlus art» im Ärztezentrum an der Spitalstrasse Einsiedeln: Im Ärztezentrum an der Spitalstrasse sind seit 2017 jährlich wechselnde Kunstwerke zu sehen. Am Samstagabend fand die Vernissage zur sechsten Ausstellung «MedicoPlus art» statt

Der gut besuchte Anlass bot die einmalige Gelegenheit, sämtliche Bilder im Haus uneingeschränkt zu betrachten und mit den Kunstschaffenden über ihre Werke zu sprechen.

Gerade in einer von Krieg und Angst geprägten Zeit sei Kunst ein probates Mittel gegen die Unsicherheit, unterstrich Arzt und Geschäftsleiter Simon Stäuble in seiner Eröffnungsrede. «Kunst ist wahr, sicher und beständig, sie verbindet Menschen, ist konstruktiv und begreifbar, sie schafft Identität und gibt Orientierung», betonte er und setzte ihre Werte somit auf die gleiche Ebene wie jene des Friedens. Die Sehnsucht nach sicheren Werten ist nicht zuletzt in Arztpraxen spürbar. Die ausgestellten Bilder im MedicoPlus ermöglichen den Patientinnen und Patienten, für einen kurzen Augenblick in eine andere Gefühlswelt abzutauchen, sich abzulenken und Erbauung in der Kunstbetrachtung zu finden.

Wie bei den vergangenen Ausstellungen lag auch dieses Jahr die Auswahl der Künstlerinnen und Künstlern in den Händen von Kurator Zeno Schneider. Der Aktuar der Künstlervereinigung des Kantons Schwyz zeigte sich erfreut, dass von den fünf Ausstellenden drei in der Region Einsiedeln leben und davon zwei noch gar nie ausgestellt haben. Seit 2017 sind im MedicoPlus schätzungsweise siebenhundert Kunstwerke zu sehen gewesen, die von einer lebendigen Kunstszene im Alltag eines medizinischen Praxiszentrums zeugen.

Vielfältige Technik und Bildsprache


Die sechste Werkauswahl von «MedicoPlus art» vereint wiederum verschiedenste Stilrichtungen der Malerei auf fünf Stockwerken. Im Untergeschoss zeigt Monika Blank (Goldau) kleinformatige Bilder, zu denen sie sich von Motiven des Alltags und der Natur inspirieren lässt. Was abstrakt erscheint, erweist sich bei näherer Betrachtung als Details von Vogelgefieder. Man erkennt die markanten Merkmale von Kleiber, Stieglitz und Buchfink, interpretiert als kräftige, bunte Muster. Abstrahierte Landschaften teilt und gruppiert die Künstlerin zu Triptychen. Verena Aeberhard (Wetzikon) ist stetig auf der Suche nach neuen künstlerischen Gestaltungsmitteln. Sie experimentiert malerisch mit Farben und Materialien, zu denen auch Sand, Asche oder Kaffeesatz gehören. Ihre in sinnlichen Naturtönen gehaltenen Bilder verleiten durch ihre reliefartigen Oberflächen gar zum (unerlaubten) Berühren.

Künstlerinnen und Künstler aus der Region


Eine andere künstlerische Sprache findet sich in den Werken von Marsilio Polini (Gross), die er im MedicoPlus zum ersten Mal öffentlich ausstellt. Beim Malen seiner konstruktiven Bilder findet er selbst Meditation und schafft dadurch eine gute Basis für sein eigenes Wohlbefinden. Auf den ers-ten Blick sieht man geometrische Muster, auf den zweiten Blick schweift der Blick in die perspektivische Tiefe, die dreidimensionale Gebilde offenbart und im Wartezimmer die Zeit vergessen lässt.

Dominique Gwerders (Einsiedeln) verspielte Bilder entstehen oft in mehreren Schritten und Schichten; sie arbeitet daran, bis sie ihren ästhetischen Ansprüchen genügen. Die Künstlerin lässt sich von der Natur und von allem, was sie beglückt, inspirieren. Ihre filigrane Collage- und Mischtechnik vereint verschiedene Materialien. Das grossformatige Bild eines blühenden Obstbaumes im Treppenhaus des zweiten Stocks wird sich dem Jahreslauf anpassen: Dominique Gwerder wird es mit einer Sommer-, Herbst und Wintervariante jeweils saisongerecht austauschen.

Sabina Zschaeck Korner (Einsiedeln) ist bereits seit zwanzig Jahren künstlerisch tätig, stellt im MedicoPlus jedoch auch zum ersten Mal überhaupt aus. Die Architektin fühlt sich den Themen Abstraktion und Ornament verpflichtet. Ihre geometrische Formensprache gepaart mit kräftigen und glänzenden Farben ergeben eine orientalische Bildsprache, Wandteppichen gleich. Daneben spielt sie dreidimensional mit farbigen Formen, die ein Bild im Vorbeigehen lebendig machen.

Viele der ausgestellten Werke in den Praxisräumen entziehen sich nun nach der Vernissage einem breiten Publikum. Umso mehr lohnt sich ein Rund-gang durch die öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten auf den fünf Stockwerken des MedicoPlus.


Einsiedler Anzeiger / Gina Graber

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Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

22.03.2022

Webcode

www.schwyzkultur.ch/RtnZiG