Olivera Kälin widmet sich der Kunst seit ihrer Kindheit.
Olivera Kälin widmet sich der Kunst seit ihrer Kindheit.

Kunst & Design

Christian Marty trifft Olivera Kälin, Künstlerin

Besucht man das Atelier von Olivera Kälin, so trifft man auf eine Welt, welche fernab jeder Hektik existiert: Einige Kerzen sind angezündet worden, im Eingangsbereich duftet es nach Kaffee, im Hintergrund läuft klassische Musik.

Gibt es einen besseren Platz, um in Ruhe über die Kunst zu sprechen? Der Besucher verneint diese Frage sofort. Hier fühlt man sich wohl, hier kann man der Neugierde freien Lauf lassen.

Olivera, wie bist Du zur Kunst gekommen?

Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen  meine Eltern haben mir die Kunst also sozusagen in die Wiege gelegt. Anders formuliert: Nicht ich bin zur Kunst gekommen, sondern sie ist zu mir gekommen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie meine Mutter mir immer dann, wenn sie viel zu tun hatte, einen Pinsel in die Hand drückte

Mit dem Laufen kam das Malen?

So in etwa, ja! Allerdings musst Du jetzt nicht denken, dass ich immer genau gleich gemalt habe. Zu Beginn, als ich ein junges Mädchen gewesen bin, habe ich natürlich ganz andere Bilder angefertigt als heute. Damals malte ich sehr gegenständlich, insbesondere widmete ich mich Porträts, dies tat ich im Bereich des Fotorealismus.

Und heute?

Schau, dort an der Wand siehst Du eine typische Arbeit von mir: Mittlerweile mache ich moderne ziemlich abstrakte Kunst. Im Unterschied zur gegenständlichen Kunst geht es dabei weniger um das äusserlich Gegebene als vielmehr um das Innere, als vielmehr um das Seelische. Ich konzentriere mich, so könnte man sagen, weder auf einen Gegenstand noch auf eine Person  im Mittelpunkt stehen Gefühle und Gedanken. Zum Ausdruck gebracht werden soll, so könnte man auch sagen, bloss ein einziger Teil der Welt, nämlich das Seelenleben des Menschen. Weisst Du, wie ich meine?Mir gefällt an dieser Weise der Malerei, dass sie intuitiv und spontan entsteht, dass man sich bei ihr nicht auf vorgegebene Formen bezieht.

Das gelingt Dir, wie ich finde, sehr gut, liebe Olivera. Was ist Kunst eigentlich?

Das ist eine schwere, ganz und gar philosophische Frage! Ich glaube, im Allgemeinen kann man das überhaupt nicht beantworten; allein für mich weiss ich eine Antwort: Kunst ist Freiheit. Setzt man sich als Künstler das Ziel, das Innenleben des Menschen abzubilden, so ist man an nichts Äusseres gebunden und so kann man tun und lassen, was man will. Und ist nicht genau das Freiheit  tun und lassen können, was man will? Auch mit Blick auf meinen künstlerischen Werdegang erkenne ich, dass Kunst für mich nichts anderes bedeutet als Freiheit, habe ich doch beim Wechsel von der gegenständlichen auf die abstrakte Kunst bemerkt, wie befreiend sich die Loslösung von den äusseren Dingen anfühlt.

Dass sich die Loslösung von den äusseren Dingen befreiend anfühle, sagen auch Mystiker.Bist Du also eine Mystikerin?

Vielleicht  wer weiss?Das kann in der Tat sein. Während des Malens bin ich in einem Zustand, welcher dem mystischen Erleben sehr ähnlich ist: Ich bin ganz bei mir selbst, ich fühle eine Urkraft und ich vergesse alles andere. Womöglich ist es ja so, dass jeder Maler ein Mystiker ist! Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich ein Künstler, der gerade an seinem Werk arbeitet, gleichzeitig noch mit anderen Dingen beschäftigt  Doch wer weiss? Vielleicht irre ich mich und ein Genie wie Picasso hat sich parallel Vielem gewidmet

Was tust Du, wenn Du nicht malst?

Zum einen arbeite ich als Fitnessinstruktorin, und zwar gleich vis à vis meines Ateliers, namentlich beim «Physio Care Center De Leur». Zum anderen macht es mir grosse Freude, Kunst zu vermitteln: Manchmal kommen Schulklassen zu mir, gelegentlich gebe ich Malkurse, zuweilen bin ich zwecks Kunstvermittlung auch auswärts unterwegs. Letzteres wird etwa im Juli der Fall sein: Ich werde mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Sprachvermögen verloren haben. Die Kunst ist doch auch eine Sprache, nicht? Im Weiteren freue ich mich natürlich riesig auf die kommenden Kulturtage, während denen auch ich vertreten sein werde.Welcher Kanton hat schon etwas so Grossartiges?

Das stimmt. Ich verstehe: Sogar wenn Du nicht malst, lebst Du in der Hauptsache für die Kunst. Ja, so ist es. Und was machst Du?

Es ist für mich spannend, herauszufinden, was andere Menschen tun, was andere Menschen fühlen

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

12.04.2016

Webcode

www.schwyzkultur.ch/cawTJs