Die erfrischende Laudatio hielt Kunsthistorikerin Marta von Gleichenstein; zu sehen sind auch die Skulpturen «Rex» und «Büste Rita», sowie das Bild «Ausgiessung des Heiligen Geistes über Jerusalem».  Bild Helge Thelen
Die erfrischende Laudatio hielt Kunsthistorikerin Marta von Gleichenstein; zu sehen sind auch die Skulpturen «Rex» und «Büste Rita», sowie das Bild «Ausgiessung des Heiligen Geistes über Jerusalem». Bild Helge Thelen

Kunst & Design

Das Lebenswerk eines Suchenden

Der Zürcher Maler und Bildhauer Karl Lukas Honegger (1902-2003) hinterliess ein umfassendes, vielgestaltiges Werk. Die Ausstellung im Chärnehus gibt einen kaleidoskopischen Einblick ins breite Schaffen des unermüdlichen Künstlers.

«Der Mensch ist das Ebenbild Gottes», war Karl Lukas Honegger überzeugt. Betrachtet man im Chärnehus seine Porträts und Büsten kommt man zum Schluss, dass diese Ebenbilder eine enorme Vielfalt darstellen. Der in Zürich geborene und aufgewachsene Honegger von Familie und Freunden liebevoll «Honi» genannt huldigte sein ganzes langes Künstlerleben lang der Schöpfung und versuchte, ihr durch seine Werke Gestalt zu geben. Sein Nachlass umfasst etwa 1500 Gemälde und Skulpturen, die von solidem Künstlerhandwerk und von der steten Suche nach Vollkommenheit zeugen.

Schlichte Werke

Er sei ein bescheidener und zufriedener Mensch gewesen, erklärt Kunsthistorikerin Marta von Glei chenstein in ihrer Laudatio. Am stimmigsten erscheinen denn auch die schlichten Werke Honeggers, die ohne pathetische Pinselstriche auskommen. Angefangen von seinem ersten Porträt im Stil Botticellis, dem «Mädchen mit rotem Kleid im Profil vor Fenster mit Landschaft» von 1926 bis zu «Trüber Tag an der Oder» aus dem Jahr 2000.

Kampf der Farben

Bei anderen Gemälden spürt man Honeggers «Kampf mit der Farbe», wie er seine Krise als Maler selber bezeichnet hat. Werke von grosser Intensität, beseelt vom Bestreben, ein guter Maler zu werden. Das pastos gestaltete, ergreifende Porträt Jesus' mit der Dornenkrone, das die Gottverlassenheit unmittelbar zum Ausdruck bringt. Oder die «Kanadische Landschaft», die einen von Weitem betrachtet magisch in ihren Bann zieht, aus der Nähe betrachtet aber Unsicherheiten im Pinselstrich, den «Kampf» subtil zu Tage bringt.

Auf der Suche

Karl Lukas Honegger war auch im Leben selbst ein Suchender. Sein jahrelanger Aufenthalt in Berlin vor dem Zweiten Weltkrieg erwies sich nach der Rückkehr in die Schweiz 1944 als folgenschwer: Einem, der so lange in Deutschland gelebt hatte, wollte man hierzulande nicht trauen. Seine Künstlerkarriere geriet ins Stocken und bekam erst wieder Auftrieb, als er 1947 - bereits 45-jährig - inZürich eine Bildhauerlehre begann und durch die Skulpturen sein inneres Gleichgewicht wieder fand. Auch die materielle Situation stabilisierte sich, da er seine Bronzefiguren als Grab- und Parkschmuck gut verkaufen konnte.

Bezug zu Einsiedeln

Tatsächlich strahlen die im Chärnehus gezeigten Skulpturen Harmonie und Zufriedenheit aus. Die ebenmässigen Frauenbüsten stehen in interessantem Kontrast zu den Porträtzeichnungen von knorrigen Charakteren wie dem Schweizer Älpler und dem Berliner Clochard. Die bronzenen Tierfiguren - Elefanten, Hund und Enten - offenbaren den heiteren Bezug des Künstlers zu Gottes Geschöpfen. Denn Honeggers Triebfeder war seine tiefe Religiosität, die ihn auch immer wieder nach Einsiedeln geführt hat. Bei der schwarzen Madonna, seinem «geliebten Gnadenbild», konnte er alle ihn bedrängenden Anliegen zurücklassen. Seit 1971 lebte und arbeitete der Künstler in Herrliberg, wo 2008 zu seinen Ehren der Karl-Lukas-Honegger-Platz eingeweiht wurde.

Die Ausstellung im Chärnehus dauert noch bis am Sonntag, 24. August. Etwa die Hälfte der Exponate ist verkäuflich.

Informationen

www.chaernehus.ch
www.karllukashonegger.ch

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

19.08.2014

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