Der 74-jährige Niklaus Kuster freut sich, dass sein Fantasie-Blumenstock Bewunderung endlich fertig ist. Bild Urs Gusset
Der 74-jährige Niklaus Kuster freut sich, dass sein Fantasie-Blumenstock Bewunderung endlich fertig ist. Bild Urs Gusset

Kunst & Design

Ein gefälliger Fantasie-Blumenstock

Niklaus Kuster vom Schnabelsberg fertigte während elf Jahren ein Kunstwerk aus Lindenholz Der Künstler investierte in den aus einem Stück gefertigten Fantasie-Blumenstock hunderte von Stunden.

Beim Betreten des Hauses des Ehepaars Rita und Niklaus Kuster-Diethelm auf dem Schnabelsberg fällt einem der in einen Kirschbaumstamm eingelassene Briefkasten besonders auf. Das ist ein untrügerisches Zeichen, dass hier ein Künstler mit einer Affinität zu Holz wohnt. Dabei handelt es sich um den 74-jährigen Niklaus Kuster, einen gebürtigen Engelberger und gelernten Landwirt und Forstwart, der seit 1969 in unserer Region wohnt. Nicht ohne Stolz präsentiert er in seinem Freiluftatelier sein jüngstes Kunstwerk, einen aus einem Stück gefertigten Fantasie-Blumenstock aus Lindenholz vom Uetliberg, der in den letzten elf Jahren entstanden ist.

Fünf Kelche und zehn Blätter

Der gefällige Blumenstock weist fünf Kelche und zehn Blätter auf und wiegt rund 200 Kilogramm, wobei das Zwischenstück Stamm-Kronenansatz ursprünglich das Doppelte gewogen hat. Zudem stechen die Farben schwarz für den Humus und blau für das Wasser ins Auge. Er betont, für sein Kunstwerk ausser der Ölfarben keine Chemikalien verwendet zu haben. Das Holz ist naturbelassen. Es sei ihm nicht leicht gefallen, den Humus und das Wasser farblich hervorzuheben. «Ich habe es wegen der Verständlichkeit des Kunstwerks gemacht.» Wie viel Zeit er in diesen Blumenstock investiert hat, weiss er nicht genau. «Zwischen fünfhundert und tausend Stunden», schätzt Niklaus Kuster, der seit seiner Pensionierung im Jahr 2004 fast täglich am Blumenstock gearbeitet und schon als Knabe geschnitzt hat.

Vielseitiger Künstler

Und er verweist auf die künstlerische Ader in seiner Familie. Eine seiner Schwestern ist Steinbildhauerin. Von der Handschnitzerei wechselte er später zur Motorsägen-Kunst. Aus Baumstämmen fertigt er Tische, Stühle sowie Blumen- und Brunnentröge. Dabei verwendet er vor allem Fichte, Tanne, Pappel und Eiche. Er ist jedoch nicht nur ein Künstler fürs Grobe, sondern auch fürs Filigrane und verweist auf seine Spahnvögel aus Fichtenholz. «Da braucht es fast Uhrmacherhände.» Seine Kunstwerke dienen dem Eigengebrauch oder zum Verschenken. Nur wenige werden verkauft. Doch den Blumenstock möchte er zu Geld machen. Er sieht sein Kunstwerk im Foyer einer Bank. Derzeit kann es in seinem Atelier besichtigt werden.

Gutes Auge

Bei der Wahl des Lindenbaums bewies Niklaus Kuster ein gutes Auge, obwohl er seit einem Feuerwehrunfall vor 52 Jahren auf dem rechten Auge blind ist. Wenn er im Wald ein geeignetes Stück Holz am Boden findet, sieht er dank viel Phantasie vor seinem geistigen Auge bereist das fertige Kunstobjekt. Das war beim Lindenbaum, den er im Jahr 2000 im Sihlwald entdeckte, nicht anders. Und was machte er vor 13 Jahren dort? Nachdem er von 1969 bis 1978 im Kloster Einsiedeln als Bannwart gearbeitet hatte, war er anschliessend bis zu seiner Pensionierung bei der Genossame Euthal in dieser Funktion tätig. Im Winter jedoch arbeitete er als selbständig Erwerbender im Sihlwald. Aus jener Baumleiche, die er vor 13 Jahren aufgeräumt hatte, fertigte er einen Fantasie-Blumenstock, der sich sehen lassen kann. Er ist stolz, «aus Zweitklassholz etwas Grosses» gemacht zu haben.

Wer den Fantasie-Blumenstock besichtigen will, kann sich bei Niklaus Kuster unter Telefonnummer 055/412'42'94 anmelden.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

01.06.2013

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schwyzkultur.ch/L5NBja