«Ich habe sofort zugesagt»: Martin Linsi zur Aufgabe, die Bilder für Jürg Conzett und damit den Schweizer Beitrag für die Architektur-Biennale in Venedig zu machen. Foto: Victor Kälin
«Ich habe sofort zugesagt»: Martin Linsi zur Aufgabe, die Bilder für Jürg Conzett und damit den Schweizer Beitrag für die Architektur-Biennale in Venedig zu machen. Foto: Victor Kälin

Kunst & Design

Eines Einsiedlers Beitrag zur Biennale

Als offizieller Vertreter der Schweiz wird der Bündner Ingenieur Jürg Conzett an der Biennale in Venedig teilnehmen. Der Einsiedler Martin Linsi liefert ihm die Fotos.

Erst zum siebten Mal wird die Schweiz für die Internationale Architekturausstellung in Venedig einen offiziellen Ausstellungsbeitrag realisieren. Mit dieser Aufgabe hat das Bundesamt für Kultur (BAK) den in Chur lebenden und arbeitenden Ingenieur Jürg Conzett betraut. Ihm fällt die Ehre zu, den Schweizer Pavillon auf dem Gelände der Biennale zu gestalten. Conzett, geboren 1956, war von 1980 an Mitarbeiter von Architekt Peter Zumthor, bis er 1988 sein eigenes Ingenieurbüro gründete. Dieses entwirft und projektiert Brückenbauten und Tragkonstruktionen von Gebäuden.

«Landschaft und Kunstbauten»

Brücken und Tragkonstruktionen haben auch Conzetts Ausstellungs-Idee beeinflusst. Unter dem Titel «Landschaft und Kunstbauten» unternimmt er zahlreiche Streifzüge durch die Schweiz. Auf diesen beschäftigt sich Jürg Conzett mit den Eingriffen, die Baumeister und Ingenieure in der Landschaft vorgenommen haben. Er geht den Bedingungen nach, unter denen diese Eingriffe erfolgt sind: Technische, ökonomische, architektonische und touristische Anforderungen. Ausserdem erforscht er, was diese Eingriffe für die Menschen heute bedeuten. Conzett sucht dabei eine Antwort auf die Frage, wie mit dem Erbe an Kunstbauten zurzeit umgegangen wird und wie dieses Erbe das zeitgenössische Schaffen beeinflusst. I m Rahmen der Ausstellung in Venedig stellt Jürg Conzett mittels Fotografien, Texten, Plänen und Gegenständen sein persönliches Inventar zu diesem Themenkreis vor. Das BAK veröffentlicht dazu eine Publikation.

Gemeinsame Mittelschulzeit

Conzett realisiert seine Idee nicht alleine, sondern mit einem von ihm zusammengestellten Viererteam. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Fotografien zu. Und diese macht der Einsiedler Fotograf Martin Linsi. «Eine extrem spannende Sache», schwärmt dieser. Der Kontakt zu Martin Linsi ergab sich zufällig – und doch auch wieder nicht. Vor Jahrzehnten besuchten Conzett und Linsi die Mittelschule in Zürich. Dennoch verloren sich die beiden aus den Augen, ehe eine gemeinsame Bekannte sie vor rund drei Jahren zusammenbrachte. Conzett schenkte ihm damals ein Buch über seine Werke. Linsi revanchierte sich später mit einer Fotografie des Sihlsees; eine bewusste Wahl, hatte sich Conzett doch auch am Wettbewerb für den neuen Sihlseeviadukt beteiligt. «Das war wohl die erste neuere Fotografie von mir, die Jürg Conzett gesehen hat», mutmasst Martin Linsi. Wie die Geschichte zeigt, hat er sie nicht vergessen, denn Anfang dieses Jahres fragte Conzett Linsi für die Mitarbeit an seinem Biennale-Projekt an. «Die Anfrage ist ein grosses Glück für mich. Ich habe sofort zugesagt.»

Information und Stimmung

Nicht weniger als 49 Tage haben sie vereinbart, während denen sie durch die Schweiz streifen und sich mit den von Conzett ausgesuchten Bauwerken beschäftigen. Linsis Aufgabe ist das Fotografieren dieser Werke. Eine anspruchsvolle Aufgabe, haben die Schwarz-Weiss-Aufnahmen doch zweierlei Zwecke zu erfüllen: Einerseits steht die Foto im Dienste der Information. Und dennoch, so Linsi, «soll sie auch ein Bild des Ortes sein und eine Stimmung vermitteln». Seine Herausforderung besteht nun darin, den Informationsauftrag mit einer ästhetischen Aussage zu verbinden. «Jürg Conzett hat sehr viel Geduld», weiss Linsi inzwischen, «denn teilweise benötige ich sehr viel Zeit, bis die Aufnahme gemacht ist.»

Starke Teamarbeit

Conzett stütze sich stark auf die Teamarbeit, meint Linsi, und er ziehe bei Bedarf auch weitere Fachleute zu – wie zum Beispiel Arthur Baschnagel, den Steinmetz des Klosters Einsiedeln, an dessen Kommentar für eine bestimmte Steinbrücke Conzett interessiert ist. R und ein Drittel der Aufnahmen sei gemacht, schätzt Linsi. Doch die Frist sei knapp; auf Ende Juni ist bereits der letzte Fototermin vereinbart. Am 25. August muss der offizielle Schweizer Beitrag fertig sein. Die 12. Ausgabe der Internationalen Architekturausstellung in Venedig dauert vom 29. August bis 21. November. Sie findet im Rahmen der Biennale statt.

Ein

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

26.03.2010

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schwyzkultur.ch/RH1GNN