Die beiden Künstler vor Beispielen ihres Schaffens Foto: Karl Hensler
Die beiden Künstler vor Beispielen ihres Schaffens Foto: Karl Hensler

Kunst & Design

Einfallsreiche Kunst im Chärnehus

Tot scheinende Materialien feiern unter kunstbegabten Händen Wiederauferstehung. Beispielsweise werden Textilien oder Garn und Seilstücke zu Kunstwerken umfunktioniert.

Diese ausdrucksstarken Figuren können im Chärnehus bis am 28. Oktober an der Ausstellung «Retrospektive zum 80igsten» im Chärnehus bewundert und erstanden werden.

Geschwister in der Kunst

Das 1932 geborene Zwillingspaar Daisy Meyer-Liebich und ihr Bruder Heinz Liebich zeigen Werke ihres Schaffens, die in ihrer Differenziertheit zu fesseln vermögen. Zur Vernissage fanden sich zahlreiche Gäste aus den verschiedensten Generationen von nah und fern ein. Daseinsfreudig erzählt Daisy Meyer Rosinen aus dem Zwillingsleben mit ihrem, mittlerweile ebenfalls künstlerisch tätigen, Bruder Heinz. Fast etwas metaphorisch schildert sie, dass ihr Bruder als ehemaliger Chirurg das Seziermesser mit dem Schnitzmesser ausgewechselt hätte. Resultate solchen Schaffens können in der Ausstellung begutachtet werden.

Mittels Bildern durch die Natur

Betrachtet man die Bilder der Künstlerin, so glaubt der interessierte Betrachter den Weg von der Entdeckung des Objektes, über die vertiefte Beobachtung, zum Einfall der Umsetzung, bis zur vollendenden Verwirklichung zu spüren. Erklärt uns Daisy Meyer den Ursprung ihrer Lust am Malen als von der Natur beeinflusst, so spiegelt sich solches in ihren Werken eindeutig wieder. Materialien aus der Natur lässt sie zu kunstvollen Bildern werden. Es sind Werke zu entdecken, bei denen scheint das Material das Thema und die Farbe zu bestimmen. Sie arbeitet mit Dingen, die uns oft nicht mehr zum Gebrauch nützlich scheinen, oder an denen wir achtlos vorbeigehen. Vielfältigkeit zeigt ihre offene Einstellung zur Kunst. Vielfältigkeit der Objekte lassen den Betrachter gerne verweilen. Ob im Kleinformat, ob im Grossbild, mehrheitlich strahlen uns kräftige Farben entgegen. Die Ausnahme bilden die Landschaftsbilder in Aquarell-Technik. Die Schulung im Kunstgewerbe, zum Beispiel unter der Anleitung von Walter Reinhardt und Franz Fischer, ist spürbar. Das eine Mal sind Licht und Schatten das Thema, ein anderes Mal bestimmt das Thema die Farben. Letzteres ist als Beispiel bei den Afrikabildern zu beobachten. Symbiotisch zeigt sich ein besonderes Werk im Saal. Hier vereint Daisy Meyer Blech, Nägel, Textil und Holz zu einem besonderen Bildnis. Im Foyer können neuere Versuche in ihrem breitgefächerten Kunstschaffen betrachtet werden. Hier fügte sie Texte in ihre Bilder ein. Texte, die das jeweilige Thema unterstreichen wollen. Diese reizvolle Idee lässt den Bildbetrachter verweilen.

Er weiss die Messer zu führen

Die fein gearbeiteten Skulpturen von Heinz Liebich haben den Menschen als Thema. Weiss der Betrachter, dass hier ein ehemaliger Chirurg am Werk war, dann überrascht diese Motivwahl wohl kaum mehr. Es wird der Eindruck wach, dass der Meissel vom Holz geführt wird. Wie das der Marmor bei Michel-angelo tat. Wie vielfältig und aussagestark unsere Gliedmassen eingesetzt werden, zeigt das standbildartige Werk «Fingerzeigbaum». Der Künstler nutzt an andern Objekten die verschiedene Maserung der Hölzer, ihnen damit einen tonal abgestuften Ausdruck gebend. Zu einem Objekt fehlt bis dato der Titel. Dazu liessen sich die Künstler etwas Besonderes einfallen. Bilderrätselgleich liegt ein Quiz auf, aus welchem ein Begriff zu diesem Bildnis geformt werden kann. Der Preisträger wird an der Finissage am 28. Oktober gezogen. Bis dann ist Gelegenheit geboten, diese ansprechende Ausstellung im Chärnehus zu besuchen.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

23.10.2012

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