Irina Bilyavska (vorne mit Papier) eröffnet die Ausstellung mit den Künstlerinnen (an der Wand). Bild zvg
Irina Bilyavska (vorne mit Papier) eröffnet die Ausstellung mit den Künstlerinnen (an der Wand). Bild zvg

Kunst & Design

In Bildern eine neue Heimat finden

Letztes Wochenende fand im Chärnehus Einsiedeln die Ausstellung «im Dialog mit neuer Heimat» statt. Der mittel-osteuropäische Kulturverein Dialog brachte Künstlerinnen und Einheimische ins Gespräch über Kunst und Heimat.

Wer am letzten Samstag neben all den Veranstaltungen im Bezirk etwas Musse und kulturellen Austausch suchte, fand hoffentlich seinen Weg ins Chärnehus Einsiedeln. Dieses erwies sich als ausgezeichnete Wahl für die vom Kulturverein Dialog durchgeführte Bilderausstellung: Im Parterre stand ein Buffet mit Delikatessen aus Mittel- und Osteuropa bereit, und im oberen Stock hingen fein säuberlich an die 80 Bilder von acht Künstlerinnen, Amateuren und Profis, die aus Mittel- und Osteuropa zugewandert sind. Sogar an eine Kinderecke hatte man gedacht.

Spezielle Stoffe

Und was da alles hing: Marina Kortenbuschs Kirschblüten aus Kasachstan zeigten viel innere Sammlung und Kraft neben den schwungvollen Segelbooten in kräftigen, warmen Farben von Anett Läuchli, die Fähre bei Horgen im leichten, lichten Morgennebel von Svetlana Steiger, eine mächtige, in kräftigen Zügen gemalte Mutterkuh vor ihrem Kälbchen von Saniya Sagutdinova, Irina Hofmann zeigte einen fein ziselierten Lebensbaum, von Anastasija Roduner hingen Bilder von inniger Paarbeziehung. Julia Guschdschina holte Aufmerksamkeit mit dem Bild in Pink aus den Scherben einer zerbrochenen Flasche (war das Champagner?) und Viktoria Rechsteiner zeigte die Mythen von der Schwyzer Seite, hinter einem Alpabzug.

Integration fördern

Kurz nach 17 Uhr eröffnete Irina Bilyavska Camenzind als Präsidentin des Vereins die Ausstellung. Sie wies in ihrer Rede darauf hin, dass Migranten mit ihrer Ankunft hier in ein neues, sprachliches Umfeld gerieten und dadurch auch teilweise ihre Muttersprache verlören. Bis sie sich auf Deutsch ausdrücken könnten, nutzten viele Menschen das Malen, um mit ihrer Umwelt in Dialog zu treten. Diese Ausstellung sollte dazu eine Möglichkeit bieten und somit mithelfen, Integration zu fördern und Brücken unter den Menschen zu bauen. So waren alle acht Künstlerinnen immer vor Ort und bereit, über ihr Schaffen Auskunft zu geben. Kommerzielle Zwecke wurden keine verfolgt, dennoch konnten auch Bilder verkauft werden. Höhepunkt war sicher am Sonntag der Brunch mit musikalischer Begleitung. Zwei Vereinsmitglieder spielten auf Flöte und Gitarre Melodien aus dem Osten und luden damit ein, länger im Chärnehus zu verweilen. Eine Künstlerin setzte sich an die Staffelei und liess ein Bild vor den Augen der Besucher entstehen. In der Kinderecke zog die Geschichte vom Blümchen Siebenblatt die Kinder in den Bann, oder, wer hätte das gedacht, die Fotobänder zu biologischen und nichtbiologischen Molekularstrukturen. Die tolle Atmosphäre entschädigte das Ausstellungsteam aus Einheimischen und Zugezogenen für ihre gute Zusammenarbeit. Die zwei Tage waren sicher zu kurz für eine Bilderausstellung in diesem Rahmen. Da die finanziellen Möglichkeiten des Vereins beschränkt sind, wurden Hinweise aus der Bevölkerung für Sponsorenanfragen gerne entgegengenommen. Kulturvermittlung und Austausch hat hier stattgefunden. Man wünscht dem jungen Verein weiterhin so viel Elan für seine Projekte.

Einsiedler Anzeiger (pd)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

27.05.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/A89apC