Reto Kälin (links) und Marco Steinauer vor einer Endlosschlaufe, ihrem Lieblingsmotiv. Foto: zvg
Reto Kälin (links) und Marco Steinauer vor einer Endlosschlaufe, ihrem Lieblingsmotiv. Foto: zvg

Kunst & Design

«Wir wollen Trends lancieren»

Aus einem Hobby wurde ein Vollzeitjob: Marco Steinauer und Reto Kälin feilen in ihrer Edelstahlmanufaktur gerne einmal 200 Stunden an einer Skulptur.

«Ein Sportler braucht auch nach seiner Karriere noch die Herausforderung», sagt Reto Kälin lachend über seinen Arbeitskollegen und ehemaligen Skispringer Marco Steinauer. Die beiden gründeten 2002 das Label «tig-design», welches in Unterägeri in die Haustechnikfirma Werner Iten integriert ist. Ihr Metier: Metalldesigner und Brunnenbauer. Für Kunden aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland entwerfen und konstruieren die gelernten Bauspengler Skulpturen, Brunnenanlagen, Gartenmöbel, Grabschmuck, aber auch Kerzenständer und Vasen – meist aus enorm widerstandsfähigem Chromstahl. «Wir versuchen, immer extremere Formen zu konstruieren und das Unmögliche zu probieren», sagt Steinauer. Vor zu wenig Aufträgen müssen sie sich nicht fürchten: Chromstahl liegt im Trend.

Bekanntheit durch Giardina

Allein am Trend kann es nicht liegen, dass ihre Designs so gefragt sind. Die Chromstahlspezialisten werden nicht selten bei fast nicht lösbaren Problemen hinzugezogen, Architekten und Gartenplaner gehören zu ihren Kunden. Kälin und Steinauer erlangten vor allem durch einen eigenen Stand an der Gartenausstellung Giardina in den Jahren 2008 und 2009 schlagartig mehr Bekanntheit. Als sie zum zweiten Mal an der Giardina dabei waren, fiel ihnen auf, dass andere bereits ihre Formen kopiert haben: «Das sehen wir als eine Bestätigung. Wir wollen Trends lancieren.» War die Skulpturkonstruktion anfänglich ein Hobby mit Kreationen für den Eigengebrauch oder Bekannte, hat die Arbeit vermehrt an Eigendynamik gewonnen und entwickelte sich schliesslich zu einem Vollzeitjob. Während der 39-jährige Reto Kälin Ideen ausarbeitet, Entwürfe plant und zeichnet, übernimmt der 34-jährige Marco Steinauer die Schweissarbeiten an den verschiedenen Materialien und damit einen Grossteil des eigentlichen Handwerks. «Ich bin sozusagen Retos helfende Hand», meint er schmunzelnd. Für ihn war die Arbeit schon zu Skisprungzeiten ein willkommener Ausgleich.

200 Stunden Arbeit

Warum bevorzugen die beiden gerade Chromstahl? «Das Material ist enorm zäh und widerstandsfähig, hat eine einzigartige Farbe und Eleganz», berichtet Kälin fasziniert. Die Arbeit verlangt daher viel Fingerspitzengefühl und fordert einiges an Erfahrung. Es kann vorkommen, dass nach 150 Stunden Arbeit an einer Form ein Fehlgriff reicht und man sie daraufhin nur noch wegwerfen kann. «Dann heisst es: Feierabend machen und am nächsten Morgen mit frischem Elan neu anfangen», erklärt Kälin. Sein Lieblingsmotiv ist definitiv die Endlosschlaufe: «Sie hat etwas faszinierendes, keinen Anfang und kein wirkliches Ende.» Eine solche Konstruktion benötigt rund 200 Stunden Arbeit, wobei ausser Plasmaschneider und Schleifmaschine kaum maschinelle Hilfsmittel zum Einsatz kommen.

Designer anstatt Künstler

Eigentlich produzieren und verkaufen Kälin und Steinauer ihre eigenen Ideen, erfüllen aber gerne ausgefallene Kundenwünsche im Bereich Innen- und Aussenarchitektur. So kreierten sie etwa einen Fischreiher mit einem goldenen Egli im Schnabel als Geburtstagsgeschenk für einen leidenschaftlichen Fischer oder verzierten ein Grab mit einer vergoldeten Edelstahluhr. Für das Kloster Einsiedeln stellten sie gar die kupfrigen Drachenköpfe an den Dachrinnen her. K älin und Steinauer sehen sich nicht als Künstler: «Kunst ist ein weiter Begriff. Die Bezeichnung Künstler höre ich eigentlich nicht so gern», gibt Kälin zu. Bei ihnen stehe nicht nur die Formgebung, sondern auch die Qualität im Vordergrund. Ihre Motive haben daher durchaus funktionalen Wert, was bei Brunnenanlagen sowieso zwingend sei. «Wir sehen uns daher als Designer und Konstrukteure.»

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

03.08.2010

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schwyzkultur.ch/gKKUhN