Der Autor des neuesten Schwyzer Hefts, Pius Ruhstaller, hat sich der Volksmusik aus der Region Einsiedeln angenommen. Später will er sich auch der Volksmusik von March und Höfen annehmen.  Foto Marcel Schuler
Der Autor des neuesten Schwyzer Hefts, Pius Ruhstaller, hat sich der Volksmusik aus der Region Einsiedeln angenommen. Später will er sich auch der Volksmusik von March und Höfen annehmen. Foto Marcel Schuler

Literatur

Musik

Alte Musik ans Licht geholt

Im Gasthaus «St. Meinrad» auf dem Etzelpass fand die Vernissage des neuesten Bandes der Schwyzer Hefte statt. Es wurde von Pius Ruhstaller verfasst und ist der Volksmusik aus Einsiedeln, Alpthal und dem Ybrig gewidmet.

Der Ort der Vernissage des jüngsten Schwyzer Hefts war nicht zufällig gewählt. Einsiedeln gilt mit der «Hudeli-Musig» (Ländlerkapelle Fuchs) als Geburtsort der Innerschweizer Ländlermusik und der traditionelle «Zischtigs-Musighöck » findet jeweils im Gasthaus «St. Meinrad» statt – so auch im Anschluss an die Vernissage.


«Ruhstaller ist ein Glücksfall»


Die Schwyzer Hefte gibt es seit 1973 und mittlerweile ist die Reihe bei Band 108 angelangt.Das erste Heft war den Chlefeli gewidmet und umfasste 32 Seiten mit einigen Schwarz-Weiss-Abbildungen.Heft 108 umfasst 160 Seiten, erscheint in einem luftigen Layout und ist sehr reich und farbig illustriert.


Autor Pius Ruhstaller ist der ideale Mann für die Thematik des neuen Heftes. Ein Glücksfall, wie Regierungsrat Michael Stähli sagte. Ruhstaller ist Sachbearbeiter bei der Geschäftsstelle der Kulturkommission des Kantons Schwyz, aktiver Ländlermusikant und dadurch mit der Materie vertraut und bestens vernetzt.Er war bereits als Redaktor des Bandes 104 der Schwyzer Hefte zum Thema «Innerschwyzer Volksmusik» verantwortlich, hatte aber noch sieben Mit-Autoren. Für das neueste Heft ist er alleiniger Autor.


Erstmals veröffentlichte Fotos


Ruhstaller holt die alten Musiker wieder ans Licht und stellt die jungen vor, zeigt den bedeutenden Stellenwert der Volksmusik, erklärt die alten Tanzbräuche und stellt auch Schwyzer Volksmusiker im Ausland vor. Erwähnenswert ist auch die reiche Illustration des Heftes. Viele Aufnahmen aus privaten Fotoalben sind erstmals veröffentlicht.


Pius Ruhstaller erklärte packend und informativ den Werdegang und Hintergrund seines Werkes. Vor zwei Jahren erhielt er den Auftrag zum Erfassen der Volksmusik in Einsiedeln, Alpthal und dem Ybrig. Als Quellen dienten ihm unter anderem diverse Zeitungs- und Zeitschriftenarchive und vor allem die persönlichen Kontakte zu aktiven und den Nachfahren früherer Ländlermusiker.


Anhand alter Tondokumente aus Einsiedeln und dem Ybrig zeigte Pius Ruhstaller in seinem Vortrag die Entwicklung der letzten 100 Jahre. Das erste Beispiel wurde 1914 aufgenommen. Es spielte die «Hudeli-Musig» mit dem damals 20-jährigen Martin Beeler senior an der Klarinette. Es gab noch keine Mikrofone; die Musiker spielten in einen grossen Trichter, der die Schwingungen auf eine Wachswalze übertrug, aus der dann die Schellackplatten produziert wurden.


In einer nächsten Aufnahme aus dem Jahr 1942 war die «Bauernkapelle Füchslin» zu hören. Die Entwicklung der Musik war sehr deutlich. Nicht nur in der Aufnahmetechnik. Die Melodie wird nicht mehr von der Violine, sondern vom Schwyzerörgeli gespielt. Die dritte Aufnahme aus dem Jahr 1966 stammte von der Kapelle Martin Beeler.


Auf dem ältesten Tondokument, das Ruhstaller präsentierte, spielte der 1866 geborene Josef Holdener aus dem Ybrig 1906 solo auf dem Schwyzerörgeli. Die beiden Franz Holdener mit ihren Schwyzerörgeli, begleitet von Albert Fässler am Bass, waren in einer Aufnahme von 1937 zu hören. Nicht fehlen durfte natürlich eine Aufnahme der Druosbärg Büeblä von 1969, die es sogar in die Hitparade schaffte.


Und viele Anekdoten


In diesem Schwyzer Heft sind auch viele Anekdoten zu finden oder auch der Hinweis, woher der Begriff «Hudigäggeler » stammt. So schreibt Pius Ruhstaller über die Entstehung der Bezeichnung «Hudeli-Musig»: Der Name gehe gemäss Überlieferung auf Johann Fuchs’ Urgrossmutter zurück. Diese habe ihre Hühner und Enten abends jeweils mit dem Ruf «Chum Hudeli, Hudeli, chum, chum» in den Stall gelockt. So soll der Übername für diesen Fuchs-Stamm und dementsprechend auch für die Kapelle entstanden sein.Daraus sei auch der Begriff «Hudigäggeler » abgeleitet worden. Die Musikanten selber seien über diese Bezeichnung gar nicht erfreut gewesen.


Für March und Höfe in Planung


Übrigens: Pius Ruhstaller plant auch die Erfassung der Volksmusik in den Bezirken March und Höfe – allerdings werde das noch eine gewisse Zeit dauern.


Erhältlich ist das Schwyzer Heft bei der kantonalen Kulturkommission Schwyz unter Telefon 041 819 20 88 oder per E-Mail kulturfoerderung. afk@sz.ch sowie in Buchhandlungen.


 


Höfner Volksblatt & March Anzeiger / Marcel Schuler



Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur
  • Musik

Publiziert am

02.07.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/4i573R