Das Trio mit (von links) Marann Schneider, Moritz (Möri) Kälin und Zeno Schneider erzählte im Museum Fram gekonnt die Geschichten hinter den Geschichten des Benziger Verlags. Foto: Karl Hensler
Das Trio mit (von links) Marann Schneider, Moritz (Möri) Kälin und Zeno Schneider erzählte im Museum Fram gekonnt die Geschichten hinter den Geschichten des Benziger Verlags. Foto: Karl Hensler

Literatur

Bekanntes und weniger Bekanntes

Meist unbekannte, spannende Geschichten über die Bücher des Benziger Verlages durften die Besucher der Veranstaltung des Fram-Clubs am vergangenen Donnerstag erfahren.

Wie schon so oft wurde der Abend im Kreise des Fram-Clubs ein Erlebnis. Unter dem Titel «Bekannte Benziger Bücher – Geschichten hinter den Geschichten» hatte der versierte Präsident Walter Kälin erneut ein Konzept fachgerecht aufs Papier gebracht, das durch das Trio Moritz (Möri) Kälin, Marann und Zeno Schneider, von Bildern ab der Leinwand unterstützt, vortrefflich gelesen wurde. Die etwa vier Dutzend Mitglieder und Gäste vernahmen, dass ein Roman nicht «nur» geschrieben und gedruckt wird, sondern dass damit im Vorfeld ab und zu ein Feilschen um die Art des Textes stattfindet. Anhand von illustrativen Beispielen vernahmen die aufmerksamen Zuhörer diesbezüglich aussergewöhnliche Begebenheiten über verschiedene Autoren und ihre Verlage.


Hier ein paar Beispiele


Es dürfte bekannt sein, dass der Benziger Verlag in seiner Hochblüte eine Unzahl von Kinder- und Jugendbüchern herausgegeben hatte, unter anderen von Federica de Cesco und Eveline Hasler. Als an diesem Abend der Titel «Rösslein Hü» fiel, ging ein wissendes Schmunzeln durch die Reihen. Wenige wussten aber, dass diese Geschichte eigentlich in englischer Sprache durch Ursula Williams niedergeschrieben worden war. Es war ein Zufall, dass diese, schon manches Kind unterhaltende Geschichte ein damals gut zwanzigjähriger Lehrling bei Benziger 1938 ins Deutsche übertragen hatte. Walter Matthias Diggelmann dürfte manchem Leser bekannt sein. Dass er aber Meinungsdifferenzen betreffs seiner Texte mit dem seinerzeitigen Lektor des Benziger Verlags ausgefochten hat, wird wohl weniger publik sein. Zitat aus einem Brief: «Lieber Herr Dr. Keckeis, am liebsten hätte ich mich nach der Lektüre ihres Briefes und ihrer Korrekturen erschossen.» Diggelmann musste erleben, was im Kreise der Schriftsteller hie und da zu hören war: «Sie verändern mir Situationen und Charaktere, sodass ich nicht mehr dazu stehen kann und will.» Wer sich mit der Geschichte der Heimkinder befasst, dem ist der Name Arthur Honegger wohlbekannt. Sein bei Benziger 1974 erschienener Roman «Die Fertigmacher » wurde ein Bestseller. Dies aber erst, nachdem das 1000-seitige Schreibmaschinen-Manuskript auf 224 Druckseiten zusammengestrichen wurde. Die ersten Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt durften an diesem Abend in der Aufzählung der Benziger Bücher nicht fehlen. Dass aber «Der Richter und sein Henker» und «Der Verdacht» zuerst im Beobachter als Fortsetzungs-Roman erschienen sind, ist wenig bekannt. Erst Anfang der fünfziger Jahre brachte Benziger diese Werke in Buchform heraus und sie schlugen bei den Lesern gleich gewaltig ein. Über die Jahre und mittels verschiedener Ausgaben erreichten diese Bücher weltweit mehrere Millionen. Einem Wechsel zu Diogenes ging ein besonderes Telefongespräch voraus. In der Diogenes-Verlagschronik vom Jahr 1979 hat Daniel Keel notiert: «… meine Frau und ich waren auf dem Land und wollten gerade nach Zürich fahren, da klingelte das Telefon und Friedrich Dürrenmatt fragte mich: ‹Wotsch du mi!?›.» Dieses Telefonat ähnelt einer Ehe-Verkupplung zwischen Autor und Verleger. Es wurde eine fruchtbare «Ehe». Dass auch Hans Küng von Benziger verlegt wurde, ist wie die Vielfalt von Blumen in einem Strauss. Mit seinem Buch «Unfehlbar? – Eine Anfrage » setzt er sich mit dem Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes auseinander. Was der Papst Pius IX. im Konzil von 1871 deklariert hatte, darf nicht überraschen, dass sich hochstehende Theologen wie Hans Küng damit beschäftigten. Der kleine Ausschnitt aus einem höchst spannenden Abend zeigt, dass die Geschichte des Benziger- Verlags äusserst interessante Facetten aufzuweisen vermag. Einmal mehr wurde an diesem Beispiel bewiesen, dass das in der Fram beheimatete Museum «Kulturerbe Einsiedeln» Beachtung verdient.


Einsiedler Anzeiger / heka

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

17.04.2018

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schwyzkultur.ch/7ExLwg