Die Protagonisten der Buchpräsentation (von links): Lektor Rudolf Walter, Hildegard Aepli, Mitglied «Für eine Kirche mit den Frauen», Pater Martin Werlen und Comedian Fabian Unteregger.
Die Protagonisten der Buchpräsentation (von links): Lektor Rudolf Walter, Hildegard Aepli, Mitglied «Für eine Kirche mit den Frauen», Pater Martin Werlen und Comedian Fabian Unteregger.

Literatur

Buchpräsentation von Pater Martin «Wo kämen wir hin?»

In einer Pizzeria im Hauptbahnhof Zürich präsentiert der 54-jährige Pater Martin Werlen, von 2001 bis 2013 Abt der Klöster Einsiedeln und Fahr und dann in die Reihe der Mönche zurückgetreten, am Dienstag in einer kleinen Runde sein neues Buch «Wo kämen wir hin?» mit dem Untertitel «Für eine Kirche, die Umkehr nicht nur predigt, sondern selber lebt».

Der rund einstündigen Veranstaltung drücken neben Pater Martin noch Lektor Rudolf Walter, Pastoralassistentin Hildegard Aepli und Comedian Fabian Unteregger den Stempel auf.

Hauptbahnhof bewusst gewählt

Rudolf Walter, Lektor im Verlag Herder, in dem auch dieses Buch von Pater Martin erschienen ist, zitiert den deutschen Künstler Joseph Beuys (19211986), der einmal gesagt hat: «Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt.» Und dass man im Zug die Welt treffe, das wisse man spätestens seit ein twitternder Mönch in Buchform davon erzählt habe, sagt Rudolf Walter. Dass man im Zürcher Hauptbahnhof ein Buch über die Lage des Christentums und der Kirche und gleichzeitig einen richtungsweisenden Fahrplan, ein Kursbuch des Glaubens, vorstelle, sei also nicht mysteriös, sondern logisch.

Treffpunkt für alle

Der Bahnhof sei ein Ort des Transits und der Zielstrebigkeit, ein zentraler Ort, wo Menschen sich begegneten oder aneinander vorbeirennten die Fröhlichen und Trauernden, Mönche und Atheisten, Reformierte und Katholiken, Homos und Heteros, sehr Arme und ziemlich Reiche, Gute und weniger Gute, Männer und Frauen, Kinder, Schweizer und Ausländer: ein Platz für alle, sagt Rudolf Walter.

Richtige Fragen gestellt

Er attestiert Pater Martin, die richtigen Fragen zu stellen. Wohin soll es eigentlich gehen? Stimmt die Richtung noch? Und er erwähnt das Beispiel der Ökumene. Angesichts des Terrors verlange Papst Franziskus die Ökumene der Religionen. Rudolf Walter fragt sich, wie weit es mit der Ökumene in der Schweiz und anderswo sei, wenn es konkret werde. Sprechen die Christen mit einer Stimme? Die religiöse Feier zur Eröffnung des Tunnels durch den Gotthard sei ein spannendes Lehrstück für diese Frage gewesen, sagt er und schaut Pater Martin an, der selber involviert war.

Konsequente Fortsetzung

Rudolf Walter nennt mit der Reform ein weiteres Beispiel. Wie steht es um die Bereitschaft, den Reformkurs von Papst Franziskus zu tragen? Ist die Kirche als bürokratische Organisation oder als Dienstleistungsunternehmen zureichend definiert? Dieses Buch sei die konsequente Fortsetzung von «Heute im Blick», ja die Konkretion, sagt Rudolf Walter. Es habe nicht nur das Heute, sondern auch die Zukunft im Blick.

Miteinander

Das Buch von Pater Martin, die Art und Weise, wie er darin über das Miteinander von Männern und Frauen nachdenke, sei für sie eine Wertschätzung des Projektes «Für eine Kirche mit den Frauen», sagt Hildegard Aepli, Pastoralassistentin und im Kernteam «Für eine Kirche mit den Frauen». Aber nicht nur das, sie höre aus den Kapiteln, in denen Pater Martin über dieses Thema schreibe, sein eigenständiges theologisches Weiterdenken in Fragen, die «als beantwortet gelten und deshalb nicht angetastet werden sollten».

Frauen und Männer

Es brauche in der Frage der Frauen in der Kirche aber nicht nur den Papst, sagt sie. Es brauche nicht nur einen Mann, «sondern sehr viele Kirchenmänner, die nicht aufhören, theologisch und geistlich über das Miteinander, die Bereicherung des Miteinanders von Männern und Frauen für die Zukunft der katholischen Kirche nachzudenken und einzustehen». Es gehe mit der Frage der Frau um eine grosse Konversion, die nicht allein von oben und nicht allein von unten kommen könne. Das Miteinander trage Menschen, die Kirche, die Welt, sagt Hildegard Aepli.

Offenheit

Er habe Offenheit demonstriert und sei auf die Leute zugegangen, sagt Comedian Fabian Unteregger, Lebensmittelwissenschaftler und Arzt. Offenheit bringe das Buch auf den Punkt. Er überdenke die Kirche als dogmatische Institution, die auf dem Holzweg gewesen oder teils noch sei. Und er nennt die Umkehr. Kein Moralin, auf keiner Zeile, das sei unter anderem ein verbindendes Element von Pater Martin und ihm, sagt Fabian Unteregger. Sie hätten tatsächlich mächtig viele Gemeinsamkeiten. Kirche sei Komik und umgekehrt. Die Technik, Leute abzuholen, sei omnipotent.

Heisse Eisen

Pater Martin lange heisse Eisen an, sagt Fabian Unteregger und nennt die Homose

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

30.09.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/nyUDNh