Führerin Susanna Bingisser und die horchende Gruppe beim Meinrad Lienert Denkmal, dem «Hei wili, hei»-Brunnen. Bild Anna Oechslin
Führerin Susanna Bingisser und die horchende Gruppe beim Meinrad Lienert Denkmal, dem «Hei wili, hei»-Brunnen. Bild Anna Oechslin

Literatur

Der Poet Meinrad Lienert lebt

Ausstellung und Führungen rufen Leben und Werk des Einsiedler Dichters in Erinnerung. Spannend erläuterte Susanna Bingisser im Rahmen einer Führung des Museums Fram das Leben des Einsiedler Dichters und Schriftstellers.

Ungefähr 50 Interessierte, darunter auch einige Mitglieder der Einsiedler Zünfte, traffen sich am letzten Samstag um 15 Uhr vor dem Museum Fram, wo sie von Susanna Bingisser empfangen wurden. Die etwa eine Stunde dauernde Führung leitete die Besucher durch das Oberdorf an drei wichtige Schauplätze Meinrad Lienerts und schliesslich zurück in die Ausstellung selbst.

Das Geburtshaus Adam und Eva

Als erstes zeigte Susanna Bingisser den Zuhörern das Geburtshaus Meinrad Lienerts, welches Adam und Eva heisst und sich am Meinrad-Lienert-Platz befindet. Dort wurde Lienert am 21. Mai 1865 als drittes Kind des Landschreibers Konrad Lienert und seiner Frau Marianne Lienert-Ochsner geboren. Seine Grossmutter mütterlicherseits stammte aus dem Ybrig, wodurch Meinrad Lienert auch den Ybriger Dialekt erlernte. Meinrad Lienerts Vater besass ein Stück Land oberhalb der Teufelsbrücke in Egg, wo Meinrad Lienert als Kind häufig mithalf Kartoffeln zu pflanzen und ernten. Seine Kindheit hat Meinrad Lienert in zahlreichen Werken verarbeitet, wie etwa im Buch «Meiredli», «das war eine goldene Zeit» und im «Bergspieglein». In der Nähe des Geburtshauses steht auch heute noch das Haus Pfauen. Die Tochter des Pfauenwirtes Marie Gyr heiratete Meinrad 1893 und zwei Jahre später wurde der erste Sohn, Meinrad Gero geboren. Ein zweiter Sohn, Oskar, kam 1898 zur Welt, starb jedoch wenige Tage nach der Geburt.

Umzug nach Zürich

1899 zog die kleine Familie nach Zürich, wo Meinrad Lienert bei der Zeitung «Die Limmat» Redaktor wurde, bis diese ein Jahr später Konkurs ging. Danach war er hauptberuflich als Schriftsteller tätig. 1904 wurde seine Tochter Severina geboren. In Zürich war der Dichter und Schriftsteller im Lesezirkel Hottingen aktiv und Mitarbeiter des Schweizerdeutschen Wörterbuchs Idiotikon. 1909 verlieh ihm die Universität Zürich die Ehrendoktorwürde und 1920 erhielt er das Bürgerrecht in Zürich. Die schwierige wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg zwang die Familie zum Verkauf ihres Hauses am Zürichberg und so kehrten die Lienerts 1925 zurück nach Einsiedeln in das Haus Schwert, wo sie vier Jahre lebten, bis sie nach Küsnacht zogen. Dort verstarb Meinrad Lienert am 26. Dezember 1933 an einem Herzversagen. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof in Einsiedeln, auf dem noch heute sein Grabstein steht. Der Grabstein wurde von seinem Schwiegersohn Benno Röhrig gestaltet und zeigt drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge mit einer Flöte. Diese Kinderszene erinnert an sein Werk «Schwäbelpfyffli».

Der Klosterplatz

Der nächste Schauplatz der Führung war der Klosterplatz, auf dem der Frauenbrunnen steht. In Lienerts Werk «Schwäbelpfyffli» erschien das Gedicht «Dr Frauebrunne», in dem es darum geht, wie der Frauenbrunnen vor der Zerstörung durch die Franzosen gerettet werden konnte. Meinrad Lienert besuchte zudem die Klosterschule, wo er gute Noten in Deutsch und Geschichte hatte. Er schloss die Schule jedoch nicht ab. Nach einem Sprachaufenthalt in Lausanne besuchte er die Universitäten in Heidelberg, Zürich und München und studierte Rechtswissenschaft. 1887 erschien im Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung» sein erstes Werk «Dr Juzlieni am Quaifäscht». Ab 1891 half Meinrad Lienert seinem Vater bei der Arbeit und wurde wenig später Notar in Ein siedeln. 1893 kaufte er zusammen mit seinem Bruder Konrad und seinem Schwager Karl Eberle die Zeitung Einsiedler Anzeiger und wurde Redaktor. Als Liberaler tat er sich schwer mit der überwiegend konservativen Bevölkerung Einsiedelns, was ihn wahrscheinlich dazu bewog, nach Zürich zu ziehen. Das Meinrad Lienert Denkmal

Am letzten Schauplatz, beim Meinrad Lienert Denkmal auf dem Pausenplatz des Brüelschulhauses, dem «Hei wili, hei»-Brunnen, erzählte Susanna Bingisser, wie es zu dem Denkmal kam. Das Denkmal zeigt eine Figur aus Meinrad Lienerts Versdichtung «S'Heiwili», welche 1908 veröffentlicht wurde. Entwerfer der Figur waren Severin und Benno Röhrig-Lienert. Der Brunnen wurde schon zu Ehren des 60. Geburtstag

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

21.07.2015

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schwyzkultur.ch/vHh35m