Der Verlag in der Einzimmerwohnung: Daniel Keel 1968 in seiner Wohnung an der Merkurstrasse in Zürich. Hier wurde gewohnt, gearbeitet, hier wurden mögliche Autoren empfangen. Bild Keystone
Der Verlag in der Einzimmerwohnung: Daniel Keel 1968 in seiner Wohnung an der Merkurstrasse in Zürich. Hier wurde gewohnt, gearbeitet, hier wurden mögliche Autoren empfangen. Bild Keystone

Literatur

Ein Einsiedler von Weltruf

Am Dienstag ist Daniel Keel, Gründer des Diogenes-Verlages, gestorben. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Einsiedeln und baute aus dem Nichts den einflussreichsten Buchverlag im deutschsprachigen Raum auf. Ein Freund aus alten Pfadi-Zeiten erinnert sich.

Die deutschen Grossverlage, vom «Spiegel» über «Die Welt» bis zur «FAZ», überschlagen sich in Superlativen, selbst «Le Monde» und dem «Corriere della Sera» ist seinTod eine grössere Retrospektive wert. Daniel Keel, am 10. Oktober 1930 im «Birchli» in Einsiedeln geboren, hinterlässt das grösste, rein belletristische Verlagsunternehmen der deutschsprachigen Welt. Diogenes verkaufte über 200 Millionen Bücher, verlegte 6000 Titel. «Die Amerikaner haben den Mythos von der Garagenfirma, aus der ein Weltkonzern wird», schreibt «Die Welt». Im Falle Keel sei die Garage «eine möblierte Einzimmerwohnung an der Merkurstrasse in Zürich» gewesen. «Hier wurde gewohnt, gearbeitet, wurden mögliche Autoren empfangen. Die Buchhaltung hatte in einer Kartonschachtel Platz.»

Er wollte anders als sein Vater

Hinter der Erfolgsgeschichte steckt ein bescheiden gebliebener Mensch. Sein Lebensweg begann im «Birchli» in Einsiedeln, auf halbem Weg zwischen dem Kloster und der Staumauer. Sein Vater war Leiter Vertrieb des Benziger-Verlages, seine Mutter stammte aus Frankreich. «Seine Eltern gaben ihm geistig viel mit, und natürlich strahlte das Kloster auf ihn aus», erzählte Hans-Walter Lüthi, ein Weggefährte zu Pfadizeiten und auch darüber hinaus, gestern dem «Boten». «Daniel war ein Querschläger, der nicht so wollte, wie sein Vater ihn haben wollte.» Deshalb brach er das Gymnasium in der Klosterschule ab und machte bei Plüss in Zürich eine Buchhändlerlehre.

Prägende Pfadizeit

Ein anderer Einsiedler, auf den Tag gleich alt wie Keel, war ebenfalls mitentscheidend für den Erfolg des Diogenes-Verlages. «Ruedi Bettschart, Sohn von alt Landammann August Bettschart, und Daniel Keel waren viel zusammen. Seit der gemeinsamen Pfadizeit waren sie unzertrennlich», erinnert sich Lüthi, der drei Jahre jünger ist als Keel. «Wir hatten damals die Pfadi in Einsiedeln aufgebaut. Diese Gründungszeit schmolz uns zu einem Klüngel zusammen, der bis heute anhält.»

Am Anfang stand ein kleines Werk

Nach der Lehre übersetzte Daniel Keel, nun an der Merkurstrasse in Zürich wohnhaft, das Zeichen-Bändchen des Engländers Ronald Searle ins Deutsche. «Das kleine Werk mit dem Titel ‹Weil noch das Lämpchen glüht› verkaufte sich so gut, dass er sich entschloss, selber Verleger zu werden», weiss Hans-Werner Lüthi. So gründete Daniel Keel 1952 den Diogenes- Verlag – einen Ein-Mann-Betrieb, der schwierige Jahre durchzustehen hatte», sagt Lüthi. Er holte 1961 seinen Freund Rudolf Bettschart, der Ordnung in die Buchhaltung brachte. Noch heute ist Bettschart zu 49 Prozent am Diogenes-Verlag beteiligt. Keel konnte, unbehelligt von hässlichen Zahlen, seinen literarischen Neigungen folgen.

Mit der Nase zum Erfolg

Den Durchbruch schaffte Diogenes mit den Romanen von Donna Leon und Süskinds «Parfum» 1985. «Da haben sie richtig gut Geld verdient, damit konnte sich ihr Verlag wirtschaftlich absichern», erzählt Lüthi. Was war das Erfolgsgeheimnis von Daniel Keel? «Er hatte die Nase, die ihn spüren liess, ob das Manuskript, das er in der Hand hielt, ein durchschlagender und haltbarer Titel werden könnte», schreibt der «Tages-Anzeiger». Er umwarb Autoren, von denen er überzeugt war, und umgab die, die er hatte, mit Professionalität und Familiarität», schreibt «Die Welt». Menschlich eben, bis zum Tod.

Dürrenmatt: «Wottsch du mi?»

Daniel Keel hat etwas geschaffen, wovon die meisten Verleger nur träumen können: eine unverwechselbare Marke, einen «Brand». «Diogenes-Titel sind die, nach denen auch der eilige Buchkäufer im Laden oder am Bahnhof unbesehen greift, weil er der Marke vertraut», schreibt Martin Ebel im «Tages- Anzeiger». «Diogenes-Titel werden gekauft und gelesen allein deshalb, weil es Diogenes-Titel sind.» Keel entdeckte Autoren, er «machte» sie, er blieb ihnen treu. Aus dem Sammelsurium aus Cartoon, Humor, Krimis und Zufallstreffern wuchs ein grosser Autorenstamm heran: John Irving, Donna Leon, Ingrid Noll, Urs Widmer, Hugo Lötscher. Legendär ist der nächtliche Anruf des Dramatikers Fr

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

15.09.2011

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schwyzkultur.ch/bjS9TQ