Markus Lienert im Gespräch während des Signierens seines Buches.
Markus Lienert im Gespräch während des Signierens seines Buches.
Voll besetzter Theatersaal der Stiftsschule. Ganz zuvorderst Markus Lienert (links) und Iwan Rickenbacher, die dem «Müsigli» Beifall bekunden. Fotos: Daniel Koch
Voll besetzter Theatersaal der Stiftsschule. Ganz zuvorderst Markus Lienert (links) und Iwan Rickenbacher, die dem «Müsigli» Beifall bekunden. Fotos: Daniel Koch

Literatur

Ein Stück Dorfgeschichte

Präsentation des neuen Buchs von Markus Lienert im Theatersaal der Stiftsschule.

«Das Buch von Markus Lienert ist im Wortsinn ein Buch des Jahrhunderts », sagte Zeno Schneider während der Begrüssung. Im Buch mit dem Titel «Einsiedler Zaupfä, Trullei, Mölli, Moha, Dejlä und andri Lüt» sind alle Geburten zwischen 1901 und 2000 aufgelistet. Weiter sind mehrere Hundert Klassenfotos abgebildet und Geschichten und Anekdoten lassen das Einsiedeln vergangener Zeiten neu aufleben. Was ihn denn zu dieser Riesenarbeit verleitet habe, lautete eine Frage. «Um jemandem eine Freude zu machen, wenn er sieht, dass man ihn noch nicht vergessen hat», so Lienerts Antwort. Während seiner Recherche-Arbeit, um die Gesichter auf den Klassenfotos zu identifizieren, kam es zu unzähligen Begegnungen mit älteren Einsiedlerinnen und Einsiedlern. Es ist auch diese soziale Komponente, die Lienert stets Antrieb war.


Tief ins Herz gegangen


Gerhard Kälin blendete ganz zum Anfang zurück, als Markus Lienert in seiner Druckerei erschien. «Was meinst du, machen wir etwas», soll er gesagt haben. Kurz darauf war das Projekt lanciert. «Ich bin stolz, das Entstehen des Buchs von Anfang an begleitet zu haben», sagt Kälin heute. Es sei eine Lebenserfahrung gewesen, die tief ins Herz gegangen sei – auch für alle Mitarbeiter. Der Schwyzer Kommunikationsexperte Iwan Rickenbacher meinte während der Vorstellung des Buchs, dass das Vorhaben ohne die ausserordentlich gute Vernetzung von Markus Lienert gescheitert wäre. Er habe das Buch «mit zunehmendem Vergnügen» gelesen. Und die Fotos zeigten bei genauerem Betrachten eine Vielfalt von Entwicklungen und Veränderungen. Lehrpersonen seien zunächst fast ausschliesslich Klosterfrauen aus Menzingen gewesen. Während sich die Lehrer früher mit würdigem Anzug präsentierten, müsse man diese bei den neueren Fotos mitunter in der munteren Schar suchen. Die Bilder zeigen laut Rickenbacher auch etwas vom Umgang von Erwachsenen mit Kindern, von der Bedeutung der Schule und von der Vernetzung Einsiedelns mit einer weiten Welt. Die Gesichter auf den Fotos neueren Datums verrieten, dass Schule auch Spass machen könne, dass Schule nicht lediglich Staatspflicht sei.


In Erinnerungswelt mitgenommen


Besonders angetan zeigte sich Rickenbacher auch von den Geschichten Lienerts: «Wie ich las, wie Markus Lienert seinen Lehrmeister mit seinen Stärken und Schwächen erfasste und sich diese Einsicht zu Nutze machte, dachte ich gelegentlich, dass ich als sein späterer militärischer Vorgesetzter eigentlich glimpflich davon kam, sein Meister allerdings auch.» Als Kompaniekommandant habe er Lienert «als Füsilier und freischaffenden Denker» kennengelernt. Erinnerungen und Alltagsereignisse Lienerts blieben aber nicht einfach nur lustige Erzählungen, sondern zeigten auch, wie sich Frauen- und Männerwelten unterschieden hätten. Oder wie sich Einheimische mit den zugezogenen Wochenendbewohnern zurechtgefunden hätten. «Lieber Markus, du nimmst uns einmal mehr in eine Erinnerungswelt mit, die viele von uns ähnlich erlebt haben», so Rickenbacher. «Und du erzählst sie so, dass auch jüngere Menschen Gefallen finden werden, das Leben ihrer Eltern zu entdecken.» Zum Schluss wies Rickenbacher auf die Bescheidenheit des Autors hin. «Dass du am Schluss deines Buches Jürg Eberle erzählen lässt, wie er auf seinen Wegen durch Einsiedeln mit dem Hund Zottel deine Erfahrungen ergänzt und bestätigt, zeigt, wie du dich zurücknehmen kannst.» Jürg Eberle bestätigte denn auch, dass sein Hund Zottel – ein schwarzer, grosser Königspudel – als Dorfhund tatsächlich überall präsent gewesen sei. «Zottel ist jemand, den man kennen muss.» Zottel sei mit 16 Jahren auch sehr alt geworden. «Er ist halt der Hund des Doktors gewesen», so Eberle schmunzelnd.


Einsiedler Anzeiger / dko

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

12.06.2018

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schwyzkultur.ch/bGmBa1