Livia Huber und Ueli Stampfli nach ihrem gemeinsamen Auftritt. Bild Beat Suter
Livia Huber und Ueli Stampfli nach ihrem gemeinsamen Auftritt. Bild Beat Suter

Literatur

Lesung mit Livia Huber im Chärnehus Einsiedeln

Die Texte der Theaterautorin sind gesellschaftskritisch, fadengerade und manchmal bitterböse. Eine Kostprobe von ihrem bisherigen Schaffen gab die einheimische Schreibkünstlerin am vergangenen Freitag im Chärnehus zum Besten.

Man schreibe einige gesellschaftskritische Texte, würze diese mit einer Brise Sarkasmus, gebe einen grosszügigen Schuss Zweifel dazu und verfeinere das Ganze mit einem Esslöffel voll Humor. Mit diesem Rezept vermochte Jungautorin Livia Huber am vergangenen Freitagabend das Chärnehus nicht nur zu füllen, sondern die Besucher auch zu unterhalten und zum Nachdenken zu bringen.

Spiegel vorgehalten

Wer seinem Publikum schonungslos den Spiegel vor die Augen halten kann und dafür am Schluss auch noch Applaus kriegt, muss irgendetwas richtig gemacht haben. Genau dieses Kunststück schaffte Livia Huber bei ihrer freitäglichen Lesung vor vollen Zuhörerrängen im ehrwürdigen Chärnehus. Die 25-jährige Einsiedlerin, welche für ihr besonderes Schreibtalent mit einem kantonalen Werkbeitrag belohnt wurde, punktete bei den Besuchern vor allem mit ihrem philosophenhaften und zugleich ungeschminkten Schreibstil, der glücklicherweise auch immer wieder mal mit einem Augenzwinkern ausgestattet war. Dies erwies sich insofern als wichtig, da man höllisch aufpassen musste, ob gewisse Lesestellen nun als fiktiv oder real eingestuft werden mussten. Als Zuhörer tat man gut daran, nicht alles Gehörte auf die eigene Person zu projizieren. Livia Huber, die dem Publikum ein eigentliches Potpourri aus ihren bisherigen Werken präsentierte, ging mit der Gesellschaft in beiden Welten sehr kritisch ins Gericht. Die Schreibkünstlerin, die von sich behauptet, nur in wütendem, zweifelndem Zustand erfolgreich schreiben zu können, seziert dabei grundsätzlich positive Ausdrücke wie Glück, Weihnachten, Glaube oder Liebe so lange, bis nur noch ein tragisch trauriger Rest in der Sezierschale liegt. Es braucht dazu zweifelsohne eine spezielle Begabung, solche Momente und Gefühle des Lebens derart detailliert und perspektivenreich zu hinterfragen. Doch auch das Publikum war am Freitagabend gefordert. Die Sezierergebnisse erwiesen sich nicht selten als schwere Kost, welche jeder und jede einzelne für sich selber zu verdauen hatte. Denken schien in solchen Momenten tatsächlich traurig zu machen, wovon Livia Huber persönlich fest überzeugt ist. Wer derart global wie Huber denkt, kann vielleicht nachvollziehen, was sie damit meint. Die Welt geht zugrunde und keiner tut etwas dagegen.

Mit Gitarrenklängen

Ueli Stampflis Gitarrenklänge, welche Hubers vorgetragene Texte musikalisch umrahmten, wirkten da beinahe erleichternd und bildeten einen eigentlichen Kontrast zu den nachdenklich machenden Textausschnitten. Neben dem mitgebrachten roten Strick auf der Bühne zog sich auch ein gleichfarbiger, etwas dünnerer Faden namens Witz durch das Programm. Witzig waren die Dialoge zwischen Livia Huber und ihrem Laptop. Eine virtuelle Stimme lieferte sich mit der Autorin einige Wortgefechte, wobei meistens die junge Frau aus Fleisch und Blut die Oberhand behielt. Manchmal mutierte ein vorgelesener Dialog zwischen Stampfli und Huber beinahe zur Theatervorführung. Dieser Mix aus Lesen, Musik, Requisiten und Theaterspiel machte das als Lesung angepriesene Programm lebhaft und kurzweilig. Mit ihrer Theorie, welche glaubende und gläubige Menschen als naiv entlarvt, und mit ihren aufgelegten Formularen für einen Kirchenaustritt kehrte Livia Huber am Ende der Vorstellung zum eigentlichen roten Faden zurück. Mit dem Mittel der Provokation wollte sie das Publikum nochmals richtig aufrütteln und zum Nachdenken bewegen. Die überzeugte Atheistin legte nochmals ihre ganze innere Wut in die Waagschale. Erstaunlich, wie viel Kreativität die Wut hervorbringen kann. Noch erstaunlicher, dass eine solche Arbeitsweise positive Energien heraufbeschwören kann!

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

19.02.2013

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schwyzkultur.ch/NLYbJR