Detta Kälin (Zweite von links) begrüsst am letzten Donnerstag im Museum-Fram die Besucher und natürlich ihre Gäste (von links): Walter Kälin, Klara Obermüller und Oscar Sales Bingisser. Foto: René Steiner
Detta Kälin (Zweite von links) begrüsst am letzten Donnerstag im Museum-Fram die Besucher und natürlich ihre Gäste (von links): Walter Kälin, Klara Obermüller und Oscar Sales Bingisser. Foto: René Steiner

Literatur

Mit dem Fram-Club im Benziger Archiv

Ein Gespräch über Gott, Literatur und Autoren, tiefsinnige Gedanken über das Altern und schwierige Beziehungen. Und immer wieder: Benziger-Verlag.

Der Fram-Club, die Gönnervereinigung des Museums Fram, lud am Donnerstagabend zum ersten Mal zur Veranstaltungsreihe «Bei Benziger begonnen» ein. Walter Kälin, der bekannte Radiomoderator und Präsident des Clubs, begrüsste Klara Obermüller als Gast im Museum Fram. Die bekannte Journalistin, Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin publizierte in den Achtzigerjahren mehrere Jugendbücher bei Benziger und war mit Walter Matthias Diggelmann verheiratet. Der engagierte, aber umstrittene Schweizer Autor, gestorben 1979, war an diesem Abend stets gegenwärtig.

Treffend und einfühlsam

Geboren in St. Gallen, aufgewachsen in Zürich, studierte sie Germanistik, Romanistik und Geschichte und promovierte zur Dr. phil. Als Journalistin und Redaktorin arbeitete sie bei NZZ, Weltwoche, FAZ sowie bei der Kunst- und Kulturzeitschrift «du». Als Mitglied des «Literarischen Quartetts» und Moderatorin der Sendung «Sternstunde Philosophie» wurde Klara Obermüller zu einem bekannten Gesicht des öffentlichen Lebens. Heute ist sie als freie Publizistin, Moderatorin und Referentin tätig und lebt in Zürich. Ihre Texte spiegeln den neugierigen und zugleich einfühlsamen Blick der Reporterin wieder, sie macht auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam und analysiert die Ursachen von Konflikten und Krisen. Wie treffend sie Situationen beschreibt, dazu gab sie am Donnerstag ein Müsterchen zum «brutalen, unrühmlichen Ende» des Benziger-Verlags. Der Wechsel 1994 von Benziger zu Patmos sei damals so gewesen, wie es heute noch ist: Die neuen Manager «fahren auf, räumen auf – und dann sind sie wieder weg».

«Diggelmann über Diggelmann»

Mit diesem und weiteren Texten stellte Oscar Sales Bingisser den unbequemen Walter Matthias Diggelmann literarisch vor. Die Textepräsentation mit dem einheimischen Schauspieler und Regisseur erwies sich als gute Idee! Bingisser brachte überzeugend die Gedanken- und Sprachwelt des Schweizer Autors zum Publikum, das in erfreulich grosser Zahl diesem Talk beiwohnte. Texte und Diskussion zeigten einen Aussenseiter mit einem schwierigen Start ins Leben, der auch in späteren Jahren – laut Klara Obermüller – in jedes Fettnäpfchen tappte. Das Schreiben war gleichsam seine Therapie, mit dem er auch Erfolg hatte. 1979 starb Diggelmann im Alter von 52 Jahren an Krebs. Dieser schwierige Lebensabschnitt wird in «Schatten. Tagebuch einer Krankheit.» beschrieben.

Über das Alter

Aber Klara Obermüller erzählte auch viel von sich selbst. Zum Beispiel begann sie ihre schriftstellerische Tätigkeit mit einem Jugendbuch, weil sie sich nicht getraute, eines für Erwachsene zu schreiben. Veröffentlichungen der letzten Jahre wie «Ruhestand – nein danke!» oder «Weder Tag noch Stunde» beschäftigen sich mit dem dritten Lebensabschnitt. Aus ihrem Buch «Schwarz auf weiss» – es kann als Rückblick verstanden werden – rezitierte die 71-jährige Frau einen Abschnitt zum Älterwerden. Treffend beschrieb sie am Abend, wie sich das gefühlte vom tatsächlichen Alter unterscheide. Nun heisst es, sich definitiv auf die inneren Werte zu konzentrieren…

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

04.10.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/hq16je