«Für einen Mönch genügen zwei Tuniken und zwei Kukullen»: Buchautor und «Garderobier» Bruder Gerold Zenoni. Bild Gina Graber
«Für einen Mönch genügen zwei Tuniken und zwei Kukullen»: Buchautor und «Garderobier» Bruder Gerold Zenoni. Bild Gina Graber

Literatur

Spirituelle Modeschau in Buchform

Begegnung mit Bruder Gerold Zenoni OSB, Sakristan der Gnadenkapelle und Autor des neuen Buches «Madonnas Fashion»: Am 5. Dezember erscheint das sein neues Buch . Der Einsiedler Mönch, der auch schon als «Garderobier der Muttergottes» bezeichnet wurde, präsentiert darin die Gewänder der Schwarzen Madonna sowie literarische Geschichten zahlreicher bekannter Autoren über den Wallfahrtsort.

Keiner kommt der Schwarzen Madonna physisch näher als Bruder Gerold Zenoni, denn er hat seit Jahren die Aufgabe und das Privileg, das berühmte Gnadenbild etwa alle zwei Wochen umzukleiden. die Garderobe der Madonna umfasst 33 Gewänder, dazu drei Kronen-Garnituren und verschiedene Schmuckstücke. kostbar sind die Kleider, und schön: Abwechselnd lassen mit Silber durchwirkte Brokatstoffe, St. Galler Spitzen und reich mit Pailletten bestickte Gewebe die schlichte, schwarze Holzfigur als prächtige Himmelskönigin erscheinen.

Dem Druck nachgegeben

Bruder Gerold wird oft auf die Kleider angesprochen, er weiss, welches gerade am besten gefällt. Und er wusste auch schon lange um das Bedürfnis nach einem Buch über die Gewänder. «die Leute lagen mir in den Ohren», berichtet er, und tönt dabei so, als ob ihm das ständige «Gstürm» mit der Zeit ein bisschen verleidet sei. Er erzählt denn auch vom sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, indem ihm eine Einsiedlerin vor gut einem Jahr durch ihre Beharrlichkeit den entscheidenden Anstoss gab, sich endlich an die Arbeit zu machen. Ein Buch schreiben  leichter gesagt als getan, zumal es darin um die Präsentation von Kleidern gehen sollte, die professionell fotografiert werden mussten. ohne Sponsoren wäre das Buchprojekt zum Scheitern verurteilt gewesen, aber zum Glück war die «Vereinigung der Freunde des Klosters Einsiedeln» rasch von der Idee überzeugt. Sie ermöglichte das Vorhaben nicht nur finanziell, sondern stellte Bruder Gerold mit Michaela K. E. von Prondzynski auch eine künstlerische Beraterin zur Seite. Sie entwickelte unter anderem zusammen mit Bruder Gerold den Buchtitel, der so gar nicht zum klösterlichen leben passen will, und den besonderen Einband.

Was steckt dahinter?

«Ich kann nicht Englisch», sagt Bruder Gerold, und Anglizismen, wie sie in der heutigen Umgangssprache zuhauf vorkommen, mag er, der Liebhaber gepflegter Literatur, nicht. der Begriff «Fashion» (Mode) ging ihm deshalb zuerst etwas gegen den Strich. die «Madonna» im Titel ist ebenfalls doppeldeutig zu verstehen, denn die Pop-ikone Madonna ist bekannt für ihre extravaganten, oft freizügigen Outfits und ihre Leidenschaft für die Haute Couture. im Hinblick auf ein Erfolg versprechendes Marketing sprang Bruder Gerold schliesslich über seinen Schatten und akzeptierte den verkäuferisch reizvollen Titel in der Hoffnung, er möge viele Menschen neugierig auf das Buch machen. 33 Gewänder stehen der Muttergottes von Einsiedeln zurzeit zur Auswahl. Das letzte Kleid wurde dem Kloster nach Redaktionsschluss des Buches geschenkt. Die Kleider des Einsiedler Gnadenbildes sind im klassischen Sinn gar keine, sondern flache Umhänge, die von vorne um die Statue drapiert werden. Das Jesuskind trägt ein separates Kleidchen aus dem gleichen Stoff mit den gleichen Verzierungen; Marias langer Schleier macht das Gewand komplett. Mutter und Kind sind aus einem Holz geschnitzt, beide strecken den rechten Arm etwas aus. Die Kleider weisen deshalb seltsame Ausbuchtungen und Einschnitte auf, damit sie um die Holzfigur herum drapiert werden können.

Liturgisches Farbenspiel

Die Kleider sind in den liturgischen Farben gehalten: im bevorstehenden Advent wird Maria vorwiegend violette Gewänder tragen, an Weihnachten präsentiert sie sich dann in Weiss. rot wird an den Festtagen der Märtyrer, zum Beispiel am Meinradstag, gewählt; in Grün erscheint sie in der festlosen Zeit. Zu Maria gehört aber auch die Farbe Blau für die Marienfeste: Es wird wohl kaum ein Krippenspiel aufgeführt, in welchem die junge Maria-Darstellerin nicht in blaue Tücher gehüllt ist. Ein leuchtend türkisblaues, mit goldenen und silbernen Pailletten besticktes Kleid ist im Moment der Favorit unter den Gewändern der Muttergottes. Es ist besonders schön  und besonders in seiner Entstehung: Eine Muslimin, die vor über zwanzig Jahren als Flüchtling aus dem Iran nach Zürich kam, hat es genäht. Bruder Gerold nennt dies «spirituelle Globalisierung». das ältest

Autor

SchwyzKulturPlus

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

27.11.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/W6UXvM