Musik
«Musik, die erzählt» – mit einer spielfreudigen Konkordia
Eine knappe Stunde dauerte am Samstagabend der gut gelungene Konzertauftritt der Musikgesellschaft Konkordia. Unter der Leitung von Markus Bolt konnte das Publikum spüren, wie die gut 30 Musikantinnen und Musikanten mit Freude aufspielten.
Zurzeit ist ja alles ein wenig anders beim Besuch der Jugendkirche. Der noch ungewohnte Zugang, der gepflasterte Boden zum gegenüber liegenden Pfarreiheim, das im Anschluss an das knapp eine Stunde dauernde Konzert als Kaffeestube diente. Trotzdem fand sich das Publikum in der zur Concert-Hall umfunktionierten Jugendkirche recht zahlreich ein.
Musik soll erzählen
Das Eröffnungsstück «Counterbalance» will musikalische Gegensätze bringen. Es wirkte kräftig und den Raum füllend. Nachteilig der Hall, der die «… balance » ein wenig durcheinanderbringen wollte. Doch nach dem eher feinen Zwischenteil, das Holz leitend, führte eine schöne Steigerung zum wieder kräftigen Schlussteil und zum gewaltigen Fortissimo-Schluss. Präsident Adrian Zehnder hielt es mit seiner Ansprache kurz und übergab das Mikrofon an Franz Camenzind, der die Ansage besorgte.
Jacob de Haan beschrieb in «Sa Música» die Insel Mallorca und «ihre Musik» nicht aus der Sicht Ballermann sondern ihre Vielfalt, ihre Geschichte mit traditionellen Prozessionen und Lebensfreude – spanisches Flair. Natürlich hatte auch diese Komposition ihre «gewissen Schwierigkeiten », die einfach in ein de-Haan-Werk gehören. Die mächtige Einleitung wirkte zu Beginn wie ein Tanz, hier präzise Achtel, schön das Xylofonspiel. Es folgten das sehr schön ausgestaltete Andante, wohl der Prozessionsteil, und ein ebenso schöner Tanz von Flöte, Klarinette und Bassklarinette. Es entwickelte sich immer mehr Lebensfreude, aber auch Wildheit und ein packender Schluss. Könnte da so-gar die Rede von Piraterie sein?
(Musik-)Diamant und Drachen
«Palladio» – ein Blasmusikwerk von Karl Jenkins? Auf dieses ihm nicht bekannte Werk war der Schreibende sehr gespannt! Beim faszinierenden «Stabat Mater» könnte er mitreden, doch diese Hommage an Architektur – sie war ihm unbekannt. Für einen Fernsehwerbespot verfasste Jenkins 1996 die Streichersuite «Palladio», inspiriert von Bauten des Renaissance- Architekten Andrea Palladio in Venedig. Sie klingt wie aus der Zeit des Barocks, doch merkt man bestens die Feder des bekannten englischen Komponisten. Aus dem ersten Satz hatte Robert Longfield einen gelungenen Ausschnitt arrangiert. Der pulsierende Rhythmus und das wirkungsvolle Motiv machen dieses Werk wirklich ideal für eine Bläserbesetzung. «How to train your dragon» aus der Filmtrilogie «Drachenzähmen leicht gemacht» erzähle, so Camenzind, von Hicks, einem Wikingerbub, der die Drachen zähmt, die Filmmusik sei ein Highlight und ein wenig keltisch angehaucht. Ja, und wenn wir uns jetzt vorstellen, Drachen flatter-ten durch die Jugendkirche? Das Werk von John Powell, das Sean O’Loughlin zu einem gelungenen Arrangement verarbeitete, beinhaltete wunderschöne Themen und, vor allem im Schlussteil, keltische Einflüsse.
Ein Highlight!
«Moment for Morricone» darf man wohl zu den bekanntesten Medleys der hiesigen Blasmusikwelt zählen. Was der Holländer Johan de Meij aus diesen verschiedenen Filmmelodien von Ennio Morricone gemacht habe, dürfe man als «Denkmal de Meij» bezeichnen, so Camenzind. Morricone trug mit seiner Musik wesentlich zum Welterfolg der Western von Regisseur Sergio Leone bei, die heute Kultfilme sind, wie zum Beispiel «Spiel mir das Lied vom Tod». «Leone bekannte einmal, dass Morricone für ihn mehr ein Drehbuchautor sei als ein Komponist, denn durch die Musik könne er etwas mitteilen, was er sonst hätte zeigen müssen.» So weit Wikipedia. Wirkungsvoll die wuchtige Einleitung zum feinen Übergang, schön, wie das Blech das Thema gefühlvoll einbringt, schön wiederum das Xylofon. Dann das Piccolosolo, Silvia spielt es nicht nur schön, sie wird von ihren Mitmusikanten ebenso schön begleitet. Eher beruhigende Klänge Nach so viel zeitgemässer Musik sei es nun Zeit, gemäss Camenzind, zur Kernkompetenz Marsch zurückzukehren. Die Wahl fiel auf «Arsenal» von Jan Van der Roost. Auch dies keine verstaubte Ausgabe, der würdevoll klingende Konzertmarsch wurde 1995 komponiert und brachte nach einer wiederum mächtigen Einleitung einen melodiösen «ersten» Teil, der, vom Holz getragen, in ein ebenso gefühlvolles Trio mündete, und einen Schlussteil, der nicht allzu wuchtig vorgetragen wurde.
Bekannte Melodie
Die erste Zugabe «Bright Eyes», bekannt durch Simon & Garfunkel, irrte durch den Kopf und suchte nach: Wo habe ich diese Melodie schon gehört? 1976 schrieb Mike Batt «Bright Eyes» als Titelsong für den Zeichentrickfilm «Unten am Fluss». Roland Kernen machte aus dem Song eine gefühlvolle, beinahe etwas verhalten arrangierte Bearbeitung. «Chorale for Winds», die zweite Zugabe, überzeugte mit grossem, aber nicht überbordendem Klang und sorgte für einen würdigen, schlichten Konzertabschluss. Erfreulich, wie Musikanten und Dirigent konzentriert zu Werke gingen und mit ihrer Sicht von «Musik, die erzählt» einen musikalisch bunten Frühlingsstrauss in die Jugendkirche brachten. Der intensiv und überzeugend dirigierende Markus Bolt gab dazu sicheren Halt und garantierte damit das gute Gelingen.
Einsiedler Anzeiger / René Steiner
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Einsiedler Anzeiger
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