Cyrill Greter spielte das Bratschensolo in der «Rhapsody-Concerto for Viola and Orchestra» Fotos: René Steiner
Cyrill Greter spielte das Bratschensolo in der «Rhapsody-Concerto for Viola and Orchestra» Fotos: René Steiner
Neue Töne auf der E-Viola dank Elektronik lässt der Schwyzer Künstler Cyrill Greter ertönen
Neue Töne auf der E-Viola dank Elektronik lässt der Schwyzer Künstler Cyrill Greter ertönen

Musik

Bratsche als Solo- und Rockinstrument

Cyrill Greter und «Wood and Metal Connection» rückten mit «Viola Rocks!» das Potenzial eines verkannten Instruments ins rechte Licht. Die Aufführung unter der musikalischen Leitung von Susanne Theiler begeisterte das Publikum.

«Wood and Metal»-Konzertauftritte bringen meist etwas Spezielles. Auch diesmal. Im Mittelpunkt standen am Freitagabend ein Instrument und mit Cyrill Greter ein junger Schwyzer Musiker. Der Bratschist und Komponist setzt die Viola nicht nur im klassischen Sinne, sondern auch als rockendes Instrument ein. Vor allem zeigte er mit seiner E-Viola, «dass eine Bratsche auch so richtig abrocken kann». Ansagerin Nora Gassner, selbst Violaspielerin, erzählte ein wenig von diesem oft abschätzig behandelten Instrument etwa im Stile von «Wer nicht gut Geige spielen kann, spielt halt Bratsche». Ob es an der Altlage liegt? Denn dieses Denken gibt es nicht nur bei den Streichern …


Sinfonieorchester


Das Programm brachte vorerst zwei Kompositionen, wie sie auch ein Sinfonieorchester spielen könnte. Man hatte nie das Gefühl, dass die 1935 und 1952 geschriebenen Werke von einem Rockorchester gespielt würden. Trotzdem verstand es das Orchester gekonnt, die modernen, ja neuzeitlichen Akzente der beiden Komponisten wirkungsvoll aufzuzeigen. So ist ja Sergej Prokofjew bekannt für gewagte Harmonik und Dissonanzen. Im «Tanz der Ritter» hört man eher düstere Klänge und viele Gegensätze. Die gut 60 Musikanten spielten gekonnt einfühlsam. Einmal mehr glänzte die Dirigentin, Susanne Theiler, mit Ruhe und Übersicht und sehr präziser Leitung des Orchesters. In «Rhapsody-Concerto for Viola and Orchestra» von Bohuslav Martinů konnte Cyrill Greter erstmals sein Können als Solist präsentieren. Auch hier wirkte das Orchester als dezenter Begleiter. Mit «Fantastic Beasts and Where to Find Them» wechselte das musikalische Geschehen in die Neuzeit und zur Filmmusik. Der Fantasyfilm von David Yates enthält Elemente aus dem gleichnamigen Buch von Joanne K. Rowling, der Autorin der Harry-Potter-Romane. Für die Musik zeichnete James Newton Howard verantwortlich. Die am Freitagabend präsentierte Suite offenbarte ein gefälliges, klangvolles Gemälde.


Eine überzeugende Präsentation


Nach der Pause der grosse Moment: Uraufführung von «The Dark Tower – A Musical Quest». Im April 2017 wurde Cyrill Greter mit einem Werkbeitrag des Kantons Schwyz ausgezeichnet. Während seines mehrmonatigen Auslandaufenthaltes komponierte der Schwyzer dieses Auftragswerk im Filmmusikstil für «Wood and Metal». Nach einer guten Einführung des Komponisten konnte man diesen «dunklen Turm» und Greters musikalische Gedankenwelt besser verstehen. Und da das Orchester die wichtigsten Leitmotive gleich vorstellte, hatte man die Aufgabe, diese beim Vortrag herauszuhören. «The Dark Tower» zeigt einen guten Aufbau über die fünf Sätze, wirkt oft durchsichtig und bringt zahlreiche düstere, unheimliche Stimmungen. Vor allem das Turmmotiv wirkt beängstigend und geisterhaft und endet im – gut wirkenden – Chaos. Im Gegensatz dazu offenbart eine schöne Melodie die Traumwelt. Ein wild wirkender Schluss rundet dieses Fantasyabenteuer ab.


Rockorchester


Led Zeppelin kam mit «Stairway to Heaven» 1971 gross heraus. Mit der Rockballade begeisterte auch «Wood and Metal» sein Publikum. Und Cyrill Greter zeigte nun, wie eine E-Viola rockt. Noch wilder ging es in seiner Eigenkomposition «IGNIS» ab! «Feuer» ist der richtige Name für dieses Werk! Ein schönes Wechselspiel zwischen wildem Solodrive und weichem Orchesterklang. Das Publikum zeigte sich begeistert! Den Abschluss dieses stimmungsvollen Konzertes machte als Zugabe John Miles’ «Music» mit einem herrlichen Eingangssolo der Oboe und der E-Bratsche im schnellen 7/8-Takt sowie im grossartigen Finale. Wirklich Symphonic Rock vom Feinsten!


Einsiedler Anzeiger / rst

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.06.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/yqAmX8