Zusammen mit dem Streichorchester «Camerata Helvetica» stellte Erwin Füchslin mit Trompete und Flügelhorn Brücken zwischen Klassik und Jazz dar.  Bild Franz Kälin
Zusammen mit dem Streichorchester «Camerata Helvetica» stellte Erwin Füchslin mit Trompete und Flügelhorn Brücken zwischen Klassik und Jazz dar. Bild Franz Kälin

Musik

Brücke zwischen Jazz und Klassik gelungen

Im Grossen Saal des Klosters durften die Zuhörer Zeugen werden, wie den zwei grossen Musikern, Erwin Füchslin und Urs Schneider, eine Brücke zwischen den Musikstilen Klassik und Jazz gelang.

Mia. Auf Anfrage von Erwin Füchslin stellte sich das Orchester «Camerata Helvetica» unter der Leitung von Urs Schneider bereit, dieses etwas andere Konzert in Angriff zu nehmen. Mit der Unterstützung von Pianist Roger Näf und Schlagzeuger Hug Knobel wurde in nur einem Probenachmittag das Projekt Jazz vermischt mit klassischen Instrumenten angegangen. Das Ergebnis der talentierten Musiker konnte nun am späten Samstagnachmittag um 17.15 Uhr im Grossen Saal des Klosters angehört werden.

Auftakt mit Klassischem Stück

Obwohl dieser nur knapp bis zur Hälfte gefüllt war, wurden die eintretenden Streicher mit grossem Applaus begrüsst. Nachdem sie ihre Instrumente gestimmt hatten, folgte der aus St. Gallen stammende, international tätige Dirigent Urs Schneider und schon wurde der dritte Satz des Sommers aus Vivaldis «Vier Jahreszeiten» angestimmt. Die Urnerin Maria Gehrig spielte dabei die Solistin an der Geige.

Musik fühlen statt verstehen

Anschliessend begrüsste Urs Schneider die anwesenden Zuhörer und erklärte, dass sich die bei den Stilrichtungen Jazz und Klassik ähnlicher seien, als man glaube. Wie die Klassik unterliegt der Jazz trotz seiner eher unstrukturiert wirkenden Melodien ebenso einem klaren Aufbau der Sätze und rhythmischen Vorgaben. Er wird auf Hinblick seiner künstlerischen Bedeutung sogar häufig als amerikanisches Pendant zur klassischen europäischen Musik verstanden. Doch Urs Schneider wollte nicht mehr lange Worte verlieren, sondern das Publikum gleich selber fühlen lassen, wovon er da spricht. Denn Musik fühlen, sei viel wichtiger, als sie zu verstehen.

Jazz mit klassischen Instrumenten

Somit war die «Bühne» frei für den Jazzmusiker Erwin Füchslin. Die insgesamt neun Lieder aus verschiedenen Jazzrichtungen, darunter die weltberühmten Hits «Tico Tico» und «The Girl from Ipanema» aus Brasilien oder «Embraceable You» von George Gershwin, moderierte er jeweils an und spielte im Wechsel mit dem Streichorchester, welches dazwischen auch noch ganz klassisch den «Herbst» und den «Winter» aus Vivaldis Vier Jahreszeiten vortrug.

Auch wenn Füchslins Trompete und Flügelhorn im Vergleich zu den 21 Instrumenten der Streicher irgendwie verloren aussahen, nahm man diese ganz ohne Verstärker als Soloinstrumente wahr. Als Zuschauer merkte man überhaupt nicht, dass die Jazzmusik, statt wie sonst vorwiegend durch Blasinstrumente, fast ausschliesslich durch Streichinstrumente begleitet wurde. Die Brücke zwischen Jazz und Klassik ist somit gelungen. Sowohl Jazz- wie auch Klassiklieb haber kamen an diesem Abend in den Genuss ihrer Lieblingsmusik. Unter grossem Applaus wurden Erwin Füchslin und das Orchester in die Pause entlassen.

Rein klassisch zum Schluss

Nach der Pause durfte Erwin Füchslin zusammen mit den anderen Zuhörern im Publikum sitzen und sich gänzlich an der Musik des Streichorchesters freuen. Orchesterleiter Urs Schneider dirigierte gekonnt seine Musiker ohne Noten durch die fünf Sätze von Antonin Dvoraks Streicherserenade. Das Orchester konnte unter dieser professionellen Leitung und mit der Solistin Maria Gehrig erneut beweisen, welch hohe Spielkultur es besitzt. Ob moderate, dynamische oder melancholische Parte, der Zuhörer konnte förmlich mitfühlen, was die Musik sagen will. Somit war es selbstverständlich, dass zum Schluss der Applaus nicht ausklingen wollte und so gab es eine Zugabe. Mit Franz Schuberts «Der Lindenbaum» durften die Zuhörer nach rund zwei musikalischen Stunden in den schönen Herbstabend entlassen werden.

Einsiedler Anzeiger (mia)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

03.11.2015

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schwyzkultur.ch/JQNpvg