Da wünscht man sich mehr: Die Sängerin Nicole Durrer bei ihrem ersten «Heimspiel». Bild Franz Kälin
Da wünscht man sich mehr: Die Sängerin Nicole Durrer bei ihrem ersten «Heimspiel». Bild Franz Kälin

Musik

Das war Jazzmusik der feinen Art

Eigenkompositionen und Standards: Nicole Durrer gab im Jugend- und Bildungszentrum Einsiedeln eine gelungene Kostprobe als Sängerin und Musikerin.

Wer eine Ausbildung macht, hat meist auch eine Abschlussarbeit vorzulegen. So auch die junge Nicole Durrer, die kurz vor dem Abschluss der Jazzschule St. Gallen steht. Dort wird sie morgen Mittwoch ihr selbst erarbeitetes Programm als Diplomkonzert an der Jazzschule halten. Zur Vorbereitung dieses wichtigen Auftritts gab sie dieses dreiviertelstündige Programm am letzten Donnerstagabend im Schweizer Jugend- und Bildungszentrum als Kostprobe. Ein Besuch, der sich lohnte! Das in zwei Sets gebotene Programm brachte Jazz der feinen Art und gefühlvolle Töne und die Begegnung mit einer Sängerin, die das weiche Timbre ihrer Stimme gekonnt und wirkungsvoll einsetzt.

Zauberhaft und packend

Schon das zur Eröffnung aufspielende «Adrian Emanuel Egli Quintett» wartete mit äusserst gepflegten Vorträgen auf. Die Formation hatte lauter Eigenkompositionen ihres Bandleaders im Programm. «Es wird Sie verzaubern!», versprach die Ansagerin. Und es war so! Bemerkenswert, wie die fünf Musiker aufeinander eingingen und als Einheit musizierten. Selbst die Soli – sie gehören zum Jazz wie das Amen in die Kirche – waren Teil des Ganzen und wirkten nie plakativ.

Vielfältig und ergreifend

Nach kurzer Pause kam der gespannt erwartete Auftritt von Nicole Durrer mit ihrem «Endee Quintett». Es darf gleich vorweg geschrieben werden: Fortsetzung der gehaltvollen Musik! Die Sängerin und Programmgestalterin überraschte mit einem vielfältigen Programm, das Eigenkompositionen, aber auch Standards und sogar ein altbekanntes «Einsiedlerlied» enthielt: «s’Heiwehland». Man spürte ihre Identifikation mit dem Inhalt. Mit Einsiedeln verwurzelt lernte sie bei ihrem Wegzug Richtung Ostschweiz dieses seltsame, unbeschreibbare Gefühl kennen. Meinrad Lienert fasste es seinerzeit in Gedichtform, Hans Lavater setzte es in Musik um, Nicole Durrer entwickelte es weiter zur ergreifenden Jazznummer. Interessant zudem der Einbau von Büchelklängen, eine gelungene Symbiose von Volks-, Chormusik und Jazz. So sollte Musik sein: offen und stets verbindend.

Standards – Eigenkompositionen

Diesen eher sentimentalen Klangcharakter ergänzten auch die gewählten Standards. Vor allem Cole Porters «So in Love» zeigte, wie schön diese Art Musik sein kann, wenn sie gekonnt vorgetragen wird. Auch die Eigenkompositionen von Nicole Durrer wurden dem gerecht, etwa die eher sentimentalen Balladen «if it makes me happy» oder «Yellow after blue». Und im Gegensatz dazu «Dä Steigade change your rhythm», ein frischer und lockerer Song mit rassigen, sogar wilden Phrasen angereichert. Die Band unterstützte ihre Leadsängerin wirkungsvoll, aufmerksam und einfühlsam. Die durchwegs jungen Musiker zeigten an diesem Abend gekonnt verschiedene Facetten des Jazz, sie demonstrierten auch, dass Jazz ein gutes Ausdrucksmittel für persönliche Gefühle sein kann. Und so stimmte an diesem familiär wirkenden Anlass einfach alles. Es ist zu hoffen, dass Nicole Durrer mit diesen Formationen schon bald wieder in unserer Region zu hören ist. Das «Müsterchen» überzeugte!

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

05.07.2011

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