Ein grosses Werk – und eine grosse Anzahl Aufführender. Bild Franz Kälin
Ein grosses Werk – und eine grosse Anzahl Aufführender. Bild Franz Kälin

Musik

Der Dombaumeister in seiner Klangkathedrale

Am vergangenen Sonntagmorgen fand während des Pontifikalamtes die Einsiedler «Uraufführung» von Pater Theo Flurys «Missa Lucernensis » statt. Ein Klangspektakel sondergleichen, das wunderbar zum vierten Ostersonntag passte.

Nach der Uraufführung in der Luzerner Jesuitenkirche an Ostern, war nun also die Heimat des Komponisten an der Reihe: Für Pater Theo Flurys neuestes Werk, eine Auftragskomposition des Collegium Musicum Luzern, fanden sich Orchester und Chor ebendieses Collegium Musicum, der Luzerner Mädchenchor und das Herrenensemble der Luzerner Sängerknaben zusammen. Als Solisten glänzten Barbara Locher (Sopran), Caroline Vitale (Alt), Hans-Jürg Rickenbacher (Tenor) und Peter Brechbühler (Bass). Begleitet wurden sie von Elisabeth Zawadke an der Marienorgel. Die musikalische Leitung dieses eindrucksvollen und fordernden Werks oblag Pascal Mayer, dem es vorzüglich gelang, rund 100 Sängerinnern und Sänger und über 30 Musikerinnen und Musiker zu einer Einheit zu formen.

In die Liturgie eingebettet

Einsiedeln erlebte am vergangenen Sonntagmorgen wohl etwas vom kulturell bedeutsamsten, was in diesem Jahr im Klosterdorf, nebst dem Welttheater, zur Aufführung gelangt. Das Interesse an diesem faszinierenden und bedeutungsvollen Werk war gross und die kalte Klosterkirche mit vielen erwartungsfrohen Gottesdienstbesuchern entsprechend gefüllt. Die Aufführung dieser reich besetzten lateinischen Festmesse, die auch rein konzertant aufgeführt werden könnte, wurde ins Pontifikalamt, dem Abt Martin Werlen persönlich vorstand, eingebettet. Vorweggenommen sei, dass sich die «Missa Lucernensis», wie von einer traditionellen Messe mit ihren Ordinariumssätzen – Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei – erwartet, bestens in den liturgischen Ablauf einbetten liess. Die sehr feierliche Eucharistiefeier zum vierten Ostersonntag erlebte durch das enorme Klangspektrum dieser Komposition einen Mehrwert. Dabei wurde der eigentliche Gottesdienst nicht im Geringsten von den musikalischen Darbietungen übertrumpft oder gar in den Hintergrund gedrängt. Dies lag wohl auch daran, dass Abt Martin Werlen in seiner Predigt einerseits die Worte aus dem Johannesevangelium nochmals eindrücklich aufnahm und passend dazu persönliche Erinnerungen aus seiner Kindheit erzählte. Bereichert wurde der Gottesdienst aber auch mit den wunderbaren Gesängen der Choralschola. Dass sich die beiden Elemente Musik und Liturgie die Waage halten, war für den Schöpfer der «Missa Lucernensis» besonders wichtig.

Zwischen tonal und atonal

Bereits im festlichen Kyrie erlebten die Zuhörer das von Pater Theo Flury im letzten Einsiedler Anzeiger betonte, breite und immer wieder neu zu erschliessende Feld an harmonischen Gestaltungsmöglichkeiten zwischen Tonalität und Atonalität. Der Altistin Caroline Vitale kam die besondere Rolle zu, die Hauptmelodie vorzustellen. Im anschliessenden Gloria traten die Solisten erstmals als harmonisches Quartett in Erscheinung, auch wenn sie später ab und zu im massigen Chorklang etwas untergingen. Daneben wurde die Sopranistin Barbara Locher in den höchsten Tönen gefordert. Ein wunderbares musikalisches Farbenspiel, vom Komponisten als neomodal bezeichnet, und von der Schreiberin als nahe an der heutigen Zeit und eingängig wahrgenommen. Einem Gloria gerecht werdend und Gott in der Höhe die Ehre erweisend. Das Glaubensbekenntnis, das entsprechend dem vielen Text etwas länger als andere Werksteile ausfällt, war ebenso dreiteilig gestaltet wie das Kyrie und das Gloria. Das Credo, in dem der Bass Peter Brechbühler eine tragende Rolle erhält, erfuhr dank dem Einsatz des Blechs und der Orgel eine imposante Klangsteigerung hin zum Schluss und mündete in einem ergreifenden und ausdrucksstarken Amen.

Ein wahrer Freudengesang

Zur Gabenbereitung erklang ein Offertorium mit dem wohlklingenden Titel «Haec dicit Dominus», das a cappella zur Aufführung gelangte und von der Vielschichtigkeit und der Verflechtung der verschiedenen Melodiebögen lebt. Dieses Offertorium schloss mit einem «Alleluja», einem wahren Freudengesang, der nicht besser in die Osterzeit hätte passen können. Zum Sanctus, dem auch das Benedictus angegliedert ist, wurde das einfache, dreitönige Thema erstmals vom

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

23.04.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/UPvj6Q