Im Anschluss an seine Ausführungen gab Pater Theo Flury am vergangenen Samstag im kleinen Rahmen ein Konzert in der Klosterkirche. Fotos: Felicia Bettschart Schmitt
Im Anschluss an seine Ausführungen gab Pater Theo Flury am vergangenen Samstag im kleinen Rahmen ein Konzert in der Klosterkirche. Fotos: Felicia Bettschart Schmitt

Musik

Die Nuss meisterhaft geknackt

Pater Theo Flury erzählt über die Entstehung seiner Pilgermesse.

Unter dem Titel: Die neue «Einsiedler Pilgermesse» als Knacknuss, führte Pater Theo Flury am Samstag, 8. September, im Oratorium der Stiftsschule eine Gruppe von Alumni und Alumnae in die Geheimnisse der Entstehung seiner Komposition ein. fhb. Die Messe schuf Pater Theo Flury für das Jubiläum der Engelweihe im vergangenen Jahr, an der auch die Welturaufführung unter der Leitung von Pater Lukas Helg stattgefunden hat. Im kleinen Rahmen gab Theo im Anschluss an seine Ausführungen ein Konzert in der Klosterkirche. Pater Mauritius begrüsste die Gruppe der Alumni und die Oblatengemeinschaft des Klosters, die sich der Veranstaltung anschloss. Für Pater Theo war der Tag ein ganz besonderer. Nicht nur hat er mit Freuden der Anfrage der Alumni, über seine Pilgermesse zu berichten, zugesagt, er feierte an diesem Tag auch sein 40-Jahr-Professjubiläum. Herzliche Gratulation! «Als der Stiftschor vor einiger Zeit eine sehr gefällige Messe für Chor, Orgel und Gemeinde von Christopher Tambling (1964 bis 2015) aufführte, wurde die Idee, eine Pilgermesse für Einsiedeln zu komponieren, geboren.» So begann Pater Theo seine packende Rede.


Warum Knacknuss?


Für Pater Theo war es eine Herausforderung, ganz verschiedenen Gegebenheiten Rechenschaft zu leisten. Welche Möglichkeiten hat der Chor? Was kann er an musikalischem Schwierigkeitsgrad der Gemeinde zumuten? Dann galt es, den Anforderungen der geltenden liturgischen Bestimmungen Rechnung zu tragen und natürlich sollte die Musik gehörfällig sein, ohne banal zu wirken. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil änderte sich die Kirchenmusik fundamental. Die Gemeinde wurde mehr in den Gottesdienst eingebunden und die Messe sollte in der Muttersprache abgehalten werden. Ein Postulat der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium ist die tätige Teilnahme aller, die den Gottesdienst mitfeiern. Oft wurde dieses Postulat einseitig ausgelegt; Chöre und Scholen wurden abgeschafft, nur der Gemeindegesang sollte florieren. Pater Theo setzte das Postulat in seiner Komposition im eigentlichen Sinn um. Chor, Vorsänger am Ambo, Gemeinde und Organist erfüllen darin ihren auf sie zugeschnittenen Part. Dadurch wird der Gottesdienst farbig, vielfältig und lebendig. Die Einsiedler Pilgermesse ist ein erweitertes Messordinarium in deutscher Sprache, das den traditionellen Teilen von Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei einige kleine aber wirkungsvolle Element beifügt: Die Akklamation im Hochgebet, die auskomponierte Doxologie und das Pilgerlied «Der Engel brachte Maria die Botschaft» als Abschluss.


Leitmotive


Damit die unbekannte und auch nicht ganz einfache Musik für die Gemeinde mit nur kurzer Vorprobe singbar ist, arbeitete Pater Theo mit Leitmotiven. Diese dienen aber auch der Überlistung der Zeit. Das Schrecklichste in der Musik ist für Pater Theo die Addition. Eine Musik müsse ein Produkt sein, keine Summe, was für ihn auch für eine gelungene Predigt Geltung habe. Pater Theo kommt bei diesem Thema in philosophisches Schwärmen. Eine gute Musik – und dies treffe auch für das ganze Leben zu – sei dann gelungen, wenn man die Zeit vergessen könne, wenn sie inexistent werde.


Ein Drama


Pater Theos Vorstellung eines Gottesdienstes ist diejenige eines sakralen Dramas in einem besonderen Sinn: Fernes wird in die Nähe geholt, im Sakrament werden Kreuz und Auferstehung berührbare Gegenwart und nicht nur fromme Erinnerung an vergangene Ereignisse. Eine dramaturgisch durchkomponierte Messfeier hilft mit, diese vitale Dimension des Gottesdienstes freizulegen und transformierend wirksam werden zu lassen.


Anspruchsvoll


Die Messe wirkt festlich, übersichtlich und auch einfach, wobei Pater Theo klar betont, dass einfach nicht gleichbedeutend sei mit leicht. Der Stiftschor unter der Leitung von Pater Lukas Helg musste viel üben. Dies kann die Schreibende bestätigen. Auch für den Chor war die Messe stellenweise eine Knacknuss, wobei die Schwierigkeit viel mehr im ungewohnt komplizierten Notenbild lag. Pater Theo hat die Befürchtung, dass die Uraufführung seines Werkes auch deren Beerdigung sei. Komponieren sei nicht rentabel und man solle es nur dann tun, wenn man nicht anders könne. Es müsse ein inneres Bedürfnis sein. Die letzten zwölf Jahre hat er intensiv an einem Oratorium gearbeitet, das am 17. Oktober 2020 in der Klosterkirche uraufgeführt werden soll. Er betonte auch, dass diese Arbeit für ihn nur möglich war, da er neben seinem Vollzeitpensum als Musiker in Rom in der Stille des Klosterlebens die nötige Ruhe für diesen Kraftakt gefunden habe.


Improvisation auf drei Orgeln


Sicher freuten sich auch die dazu gestossenen Pilger über die wunderbare Klangvielfalt der drei Klosterorgeln. Pater Theo improvisierte nacheinander je zehn Minuten auf der Marien-, der Chor und der Mauritiusorgel. Genial wie immer spielte er, teils die Tasten zärtlich streichelnd und zog im wahrsten Sinne des Wortes alle Register. Eine Freude! Der Nachmittag wurde mit einem Apéro und unterhaltsamen Gesprächen im Gartensaal abgerundet.


Einsiedler Anzeiger / fhb

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

11.09.2018

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schwyzkultur.ch/h1GPdX