42 Jahre lang Kapellmeister des Klosters Einsiedeln: Pater Lukas Helg. Foto: zvg
42 Jahre lang Kapellmeister des Klosters Einsiedeln: Pater Lukas Helg. Foto: zvg

Musik

Ein Bauernbub als Stiftskapellmeister

Pater Lukas Helg – 42 Jahre im Dienst der klösterlichen Kirchenmusik.

Bauernbub zu sein bedeutet für mich: bodenständig, gesund. Tatsächlich wurde für das musikalische Wirken von Pater Lukas in seiner Familie im Toggenburg und später im Kloster ein guter Boden gelegt. Natürlich stimmt es: Pater Lukas ist ein Bauernbub. Das heisst aber in keiner Weise, er hätte damit nicht gute Voraussetzungen gehabt, um die Musik zu einem seiner Lebensinhalte zu machen. Viel wurde in seiner Kindheit zu Hause gesungen und musiziert. So ist Pater Lukas nicht der einzige unter seinen Geschwistern, die ihre musikalischen Talente ausgelebt haben und es noch tun. Bezeichnend für ihn ist einzig sein Weg zur Kirchenmusik. Dazu verholfen hat ihm unsere klösterliche Liturgie. Und die Stadt Salzburg.


Vom Schul- zum Kirchenchor


Viele wissen um die Liebe des Toggenburgers zu Salzburg. In den Jahren 1971 bis 1975 saugte er dort die Kirchenmusik gleichsam auf. Schliesslich wurde er 1976 Kapellmeister unseres Klosters und konnte seitdem Generationen von Schülerinnen, Schülern, Mitbrüdern, Chormitgliedern und Orchesterbegeisterten diese seine Liebe weitergeben. Mit einer Amtszeit von 42 Jahren hat er in der Ausdauer alle seine Vorgänger in unserer langen Tradition übertroffen und so dem musikalischen Leben in Einsiedeln seinen Stempel aufgedrückt. Seine Herkunft als Bauernbub mag manche seiner gefühlvollen Reaktionen geprägt haben. Ansonsten hat Pater Lukas aber längerfristig angelegte Änderungen in der Einsiedler Kirchenmusik vorgenommen, die nachhaltig sind. Erinnern möchte ich dabei nur an die Veränderung des Stiftschors von einem Schulchor zu einem Kirchenchor der gesangsbegeisterten Frauen und Männer aus der Region.


Persönliche Förderung


Als Pater Lukas seine Aufgabe als Stiftskapellmeister des Klosters übernahm, war ich acht Jahre alt. Meine Stimme war noch ungebrochen und so hoch, dass ich höher als die anderen in meiner Klasse singen konnte. Nach dem Stimmbruch allerdings sang ich zuerst gar nicht mehr. Als ich später in die Stiftsschule eintrat, begegnete ich Pater Lukas. Er nahm mich und mein Cello ins Orchester auf. Pater Lukas wusste mich zu fördern: Mit einem Kollegen zusammen sass ich im Theatersaal der Schule vor einem Publikum mässig interessierter Schülerinnen und Schüler und spielte die 1. Stimme des Cello-Doppelkonzertes in G-Moll von Antonio Vivaldi und machte die wichtige Erfahrung, vor einer grossen Menge bestehen zu können. Später durfte ich auch im Chor mitsingen und lernte, meine Stimme neu zu entdecken und einzusetzen. Pater Lukas konnte nicht ahnen, worauf er mich damit vorbereitet hatte.


Es bleibt bei Lukas


Pater Lukas hat es nicht nur verdient, würdig verdankt, sondern noch mehr gut ersetzt zu werden. Auch der neue Kapellmeister heisst Lukas: Lukas Meister. Er ist der Wunschkandidat von Pater Lukas als dessen Nachfolger. Der andere Lukas ist zwar nicht Toggenburger, dafür Meister des Opern- und Konzertdirigates, Musiker und Musikpädagoge. Auch war er Generalmusikdirektor in Deutschland. Und Lukas Meister soll nicht nur verwalten, sondern darf auch entfalten: In Kirche, Hof und Stiftsschule wird er unsere reiche Musiktradition weiterentwickeln und in die Zukunft führen. Gerade an der Stiftsschule, wo Lukas Meister die musikalischen Formationen leitet, soll er das musikalische Leben weiter fördern. Projekte sind willkommen, die Nähe zum Kloster ist eine grosse Chance.


Ein Dank


Damit knüpft der neue Lukas beim älteren an: Auch Pater Lukas Helg war lange Jahre Förderer der Kirchenmusik und gleichzeitig der musikalischen Talente junger Generationen. Ich habe darum allen Grund, wenn ich mit diesen Zeilen das Wirken von Pater Lukas – auch im Namen meiner Klostergemeinschaft – verdanke: sein Engagement während 42 Jahren für den Stiftschor, für das Kloster – und für mich ganz persönlich. Pater Lukas setzt sich nun aber nicht einfach zur Ruhe. Er dirigiert weiter den klösterlichen Männerchor und betreut unsere international einzigartige Musikbibliothek. Für diese ist Pater Lukas nicht nur ein wandelndes Lexikon, sondern auch als begeisternder Führer bekannt. Wer dies erleben möchte, warte gespannt auf eine für 2019 in den Monaten Mai bis Oktober im Museum Fram geplante Ausstellung. Unsere Musikbibliothek wird dann lebendig erzählt werden durch den allerorts bekannten und talentierten Toggenburger Bauernbub.


Einsiedler Anzeiger / Abt Urban Federer

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

11.09.2018

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schwyzkultur.ch/QXN3w6