Unter der Direktion von Gianpaolo Mazzoli überzeugte der «Coro Polifonico della Toscana» mit einer berührenden Wiedergabe von Sergej Rachmaninows «Chrysostomus Liturgie». Bild Franz Käli
Unter der Direktion von Gianpaolo Mazzoli überzeugte der «Coro Polifonico della Toscana» mit einer berührenden Wiedergabe von Sergej Rachmaninows «Chrysostomus Liturgie». Bild Franz Käli

Musik

Ein beeindruckender Hörgenuss

Abt Urban Federer und der aramäische Erzbischof Mor Dionysios Isa luden am Bettag in die Klosterkirche zu einem beeindruckenden ökumenischen Konzert ein.

Wurde der ökumenische Gedanke am Bettag-Morgen in der Jugendkirche sichtbar gemacht, so geschah Gleiches in beeindruckender Weise am Abend in der Klosterkirche. Abt Urban und der aramäische Erzbischof Mor Dionysios Isa luden zu einem «Ökumenischen Konzert». Es war eine erinnerungswürdige Aufführung. Der barocke Kirchenraum und die Musik von Rachmaninow wuchsen zu einem Ganzen zusammen. Kurt Pahlen schrieb über den Komponisten in seiner «Neuen Musikgeschichte der Welt»: Ein überströmend gefühlvoller Melodiker, träumerisch manchmal und wie von fernen Ufern, ein bis zu asiatischer Wildheit temperamentvoller Rhythmiker. Und solches war am Sonntag facettenreich zu erleben. Es ist wohlbekannt, dass die Toscana voller vielfältiger Kultur ist. In der Stifts- kirche durften die Zuhörer ein Muster davon in klangvoller Art erleben.

Die Aufführung

Es wurde ein besonderes Bouquet dargeboten. Der «Coro Polifonica della Toscana» und Pater Theo Flury boten Musik, die beeindruckte. Im Programm waren fünf Einsätze mit «Orgelimprovisation (Intrada, thematisch bezogen)» ver-merkt. Der Berichterstatter kann nicht herausfiltern, ob es sich bei den Improvisationen um solche den Stücken entsprechend, oder zu Rachmaninow handelte. Eines ist gewiss. Die Orgel durfte ihre imponierende Qualität und Vielfalt zeigen. Von leichter Besinnlichkeit bis zum jubelnden Fortissimo wusste Pater Theo sie erklingen zu lassen. Die als Improvisationen angemeldete Musik ermöglichte dem hervorragenden Organisten, sein Können in die Tasten, oder soll man sagen in die Orgelpfeifen, zu legen. Die Musikliebhaber bekamen hie und da den Eindruck, als ob er die eben gehörten Gebete und Bitten über die Orgel nachklingen lassen wollte. Einmal klang es, als ob die Klänge gegen erlebtes Unrecht ankämpften, das andere Mal schienen sie an die unterdrückten Minderheiten erinnern zu wollen. Mit Musik lässt sich solches wunderbar ausdrücken. Unter der Leitung von Gianpaolo Mazzoli wies der oben erwähnte toscanische Chor ein beeindruckendes Stimmenmaterial aus. Der Dirigent führte sicher und äus- serst präzise durch die «Chrysostomus Liturgie» von Sergej Rachmaninow. Übrigens lebte der Komponist (1873–1943) nach der russischen Revolution im luzernischen Hertenstein und in Beverly Hills, wo er auch starb.

Themen gut aufgenommen

Der Gesangsvortrag war eine meisterhafte Vertonung einer orthodoxen Liturgie. Die Melodik wurde, ob in zartem Piano oder mit einem wuchtigen Fortissimo, ohne Tonverstärker leicht in die Zuhörerreihen getragen. Ein in allen Stimmregistern gut ausgerüsteter Chor machte dies möglich. Gut geführt klangen die Stimmen in einer Einheit, welche die Komposition zum Erlebnis werden liess. Der Zuhörer konnte die Themen gut aufnehmen, ob das nun ein Gebet war, oder eine empörte Auflehnung. Ein wirklich beeindruckender Hörgenuss! Eine Besonderheit für ein Konzert bedeuteten die Worte der Kirchenoberen. Abt Urban erinnerte passend an die Worte von Johannes Paul II.: Europa habe mit der West- und der Ostkirche zwei Lungen. Am Beispiel von Rachmaninows Musikwerk lasse sich solches gut aufzeigen. Er wies auf etwas Ausserordentliches hin, indem er anmerkte, dass am Schluss des Konzertes nicht applaudiert werden sollte, da während des abschliessenden Glockengeläutes Erzbischof Mor Dionysios Isa das Vater Unser in aramäischer Sprache singen würde. Der ostkirchliche Kirchenobere erinnerte an die Einsiedler Wall-fahrt, aber auch an die Leiden und stete Unterdrückungen seines Vol-kes bis heute. Der Völkermord von 1914/1915 bleibe unvergessen. Dass durch politische Wirrnisse die Schar der Gläubigen enorm abnehme, betrachtet er als ein widermenschliches Tun. Um solche Widerwärtigkeiten überstehen zu können, helfe der Glaube an Jesus Christus. Ein Konzert, das in manchem Zuhörer noch lange nachzuklingen vermag.

Einsiedler Anzeiger (heka)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.09.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/PVsQ1b