Das Publikum war begeistert und selbst die Zugabe «Love me tender» wurde zur Shownummer, inklusiv bestem Gesang und attraktiver Darbietung.
Das Publikum war begeistert und selbst die Zugabe «Love me tender» wurde zur Shownummer, inklusiv bestem Gesang und attraktiver Darbietung.
Philipp Schulze entschuldige, dass der Frauen Aufmerksamkeit nur dem Instrument gilt, «… denn nur ein Alphorn klingt so schön»! Bilder René Steiner
Philipp Schulze entschuldige, dass der Frauen Aufmerksamkeit nur dem Instrument gilt, «… denn nur ein Alphorn klingt so schön»! Bilder René Steiner

Musik

Ein durch und durch gelungener Auftritt

Unter der musikalischen Leitung von Adeline Marty bot der Frauenchor Einsiedeln eine eindrückliche, ja grossartige Show.

Die Werbung im Vorfeld versprach einiges: die coolsten Frauen, professionellen Gesang, witziges Theater, rassige Tanzeinlagen. Zweiflern sei verraten: Der Frauenchor gestaltete nicht zum ersten Mal eine Revue. Der Andrang im Theatersaal des Klosters war am letzten Freitagabend gross, der Beginn verzögerte sich. Dann aber lief diese Revue, bot Musik für das Ohr sowie Action und etwas Klamauk. Für letzteren sorgten Stefan Hensler und Josef Walker. Sie erzählten von den Sorgen eines Ehepaars am Fernsehabend. Zappstationen waren der Eurovision Song Contest zu einer Zeit, als er noch hörenswert war, die deutsche Tagesschau und Aktenzeichen XY.

Popmusik und Oldies

Nach dem Einmarsch zur legendären Eurovisionsmelodie, hier stellte sich erstmals Philipp Schulze als Hornist gekonnt vor, folgten drei Ohrwürmer der legendären ABBA. Das Zappen erlaubte das nahtlose Wechseln in die Welt der Operetten und des Berlins der 1920er-Jahre. Herrlich die zwei Gassenhauer der Comedian Harmonists! Die Nadeln stupfen noch jetzt … Der Cancan leitete zu etwas Moulin-Rouge-Stimmung und zu Chansons der unvergesslichen Edith Piaf. Mehrere Schweizer Titel und vor allem Peter Rebers «Swiss Lady» offenbarten, dass auch einheimische Kost nicht einfach schlecht sein muss. Oder lag es am gekonnten Vortragen? Beides!

Power und Können

Zentrale Station dieser Revue war Adeline Marty-Manikam, Chorleiterin und Begleiterin am Flügel. Ein profunder Kenner beschrieb diese Powerfrau kürzlich im Einsiedler Anzeiger: «Adeline Marty dirigiert und begleitet am Flügel in fantastischer Personalunion.» Bestens formuliert! Auch an diesem Abend spielte sie die Begleitmusik unglaublich gekonnt und steuerte nebenbei das gesamte Musikgeschehen mit präzisen Dirigiereinsätzen. Zudem trugen mehrere Arrangements und Chorsätze ihre Handschrift. Einerseits integrierten sie die beiden Solisten, andererseits liessen sie den Chor wirkungsvoll in Erscheinung treten. Als besondere Perlen erwiesen sich die beiden Chansons von Marquerite Monnot und Rebers «Swiss Lady».

Ein Chor mit Freude und Können

Die beste One-Woman-Show nützt nichts, wenn das «Fussvolk» nicht mitmacht. Die 35 Frauen bewiesen, dass sie «Feuer und Flamme fürs Singen» sind. Stets spürte man diese Freude, sie präsentierten sich locker und natürlich, konzentriert und engagiert. Herrlich, wie sie beispielsweise dem Gigolo den Hof machten! Elegantes Auftreten, so mit dem berühmten Cancan von Offenbach, und schöne Augenaufschläge sind das eine, Gesang das andere. Zuerst die erstaunte Feststellung: Die singen alles auswendig. 20 Nummern. Hut ab! Folge davon: viel mehr Ausdruck in Gesang und Choreografie. Der Funke sprang ins Publikum, das gutgelaunt mitmachte und –lachte. So sang der Chor «La Vie en Rose» mit französischem Charme, gut artikuliert, mit ausgeglichenem Klang. Chiquitita, die ABBA-Nummer, wirkte sehr fein und gefühlvoll. Musik zum Geniessen! Stark zeigte sich der Chor zudem beim Begleiten der Tenorsoli. Tenor Reto Hofstetter durfte einige Gesangsperlen aus Operette und vergangenen Zeiten vortragen, vom Bettelstudenten bis zum Gigolo. Was kann es für einen Sänger Schöneres geben? Starke Auftritte waren besonders die erwähnte «Swiss Lady» als Schlusspunkt und die Zugabe «Love me tender». Alle Beteiligten zogen nochmals alle Register und sorgten für einen eindrücklichen Abgang, sinnigerweise eingeleitet von Charpentiers Eurovisionsmelodie. Riesenapplaus verdankte die grossartige Leistung.

Einsiedler Anzeiger (rst)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.06.2017

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schwyzkultur.ch/kQ8RPx