Moderator Walter Kälin (rechts) und die beiden Einsiedler Patres Lukas Helg (links) und Alois Kurmann im Museum Fram.  Foto: Karl Hensler
Moderator Walter Kälin (rechts) und die beiden Einsiedler Patres Lukas Helg (links) und Alois Kurmann im Museum Fram. Foto: Karl Hensler

Musik

Ein himmlisch Werk – das Salve Regina

Museum Fram: Aufschlussreiche Diskussion über einen besonderen musikalischen Schatz Weit über das Salve Regina hinaus reichte die Diskussion, welche Walter Kälin mit dem ehemaligen Kapellmeister Lukas Helg und dem Altphilologen Alois Kurmann führte.

Noch bis am 29. September kann der Besucher in der Fram «Musikalische Schätze aus dem Kloster Einsiedeln» anschauen und viel Neues entdecken. Dokumente, Noten aus musikalischen Werken, Tonbeispiele von klösterlichen Komponisten und dergleichen mehr können bewundert und gehört werden. In der Klosterzeitschrift «Salve» übertitelt Erich Liebi die Ausstellung bezeichnenderweise mit «Schau- und Hörspiel ». Auf den 27. Juni konnte Stiftungs- und Club-Präsident Walter Kälin die beiden Patres Lukas Helg und Alois Kurmann zu einer Diskussion in die Fram einladen. Der eine äusserte sich als ehemaliger Kapellmeister über die Geschichte und Vertonung des täglich im Kloster gesungenen Salve Regina. Der andere beleuchtete als Altphilologe die Marienverehrung in Geschichte und heute.


Gebet liegt dem Gesang zugrunde


Den lateinischen Anfang des Salve, gemäss Codex 250, Pater Lukas intonierte ihn kurz, haben viele Einsiedler im Ohr: Salve Regina, mater misericordiae. Eigentlich liegt diesem Vespergesang ein Gebet an die Muttergottes zugrunde. Pater Alois übersetzte für die Zuhörer den ganzen Text, der mit «Sei gegrüsst Königin der Barmherzigkeit» beginnt. In seinem Buch «Das Einsiedler Salve Regina» datiert Pater Lukas als ältestes Zeugnis einer Salve Regina- Tradition im Kloster das späte 12. Jahrhundert. Es war zu vernehmen, dass verschiedene Variationen existieren, einstimmig, vierstimmig und fünfstimmig (in der Ausstellung zu besichtigen). Moderator Walter Kälin gestaltete das Gespräch in einer Mischung von Sachfragen und begleitenden Informationen zur Ausstellung sowie mit persönlichen Fragen an die zwei geistlichen Herren. Es würde aber den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wollte man über alle Bezugspunkte, welche im Zusammenhang zu «unserem Salve» angesprochen wurden, berichten. So fragte er, was eigentlich ein Choral sei. Die überraschende Antwort vom ehemaligen Kapellmeister: In der katholischen Kirche ist es ein einstimmiger Gesang. Demgegenüber bezeichnen die Reformierten einen Choral als vierstimmig. Zur Frage, was eine Antifon sei, war die Antwort: Kurzgesang vor dem Choral. Dieser würde oft erst im Nachhinein beigefügt, so als Beispiel auch beim Salve Regina.


Durch Maria zu Christus


Zur oft gehörten Bezeichnung, Maria wird überhöht, schaffte Pater Alois etwas Klarheit, indem er erklärte: Zu Beginn wurde Maria als Mutter von Jesus gewürdigt. Erst in späterer Zeit wurde sie als Königin verherrlicht, um sie der herrschenden Schicht gleichzustellen. Eine interessante Beobachtung gibt der Altphilologe weiter: Das heutige Bild Marias nähert sich wieder vermehrt den Bibelbildern an. Er illustriert solches mit einem Zitat von Pater Othmar Lustenberger selig, der einmal schrieb: Man geht durch Maria (Gnadenkapelle) zu Christus (dem Hochaltar). Der emeritierte Kapellmeister erinnerte daran, dass der tägliche Gesang des Salve auf eine Stiftung von Abt Johannes von Lentsingen (Maulbronn D) aus dem Jahre 1547 zurückgeht. Die Stiftung, mit 1000 Dukaten dotiert, besagt: «… durch all tag durch das ganze Jahr mit Dreyen Jungeren old Schuleren und einem Priester schuldig seyen und sollen in unsere Frauen Capell ein Salve singen». In späteren Jahren wurde dieser Gesang auf den ganzen jeweils anwesenden Konvent ausgeweitet. Als die Mönchsgemeinschaft noch eine gute Mischung der Stimmen präsentierte, hätte dies sehr gut geklungen. Mit deren Überalterung und dem Rückgang der Mönchszahl leide mittlerweile der Gesang. Im Archiv lassen sich Salve-Variationen von mehreren Mönchs-Komponisten finden (siehe Ausstellung). Mit diesem Anlass zeigte es sich erneut, dass der Fram-Club eine interessante Plattform innerhalb der Kultur Einsiedelns zu bieten vermag.


Infos


Das Buch «das Einsiedler Salve Regina» von Pater Lukas Helg ist in der Fram-Ausstellung und im Klosterladen erhältlich. – Für die Ausstellung wird während des Monats Juli jeden Samstag um 15 Uhr eine Gratis-Führung (Kollekte) mit Pater Lukas Helg angeboten – info@fram-einsiedeln.ch oder 055/412’91’30.


Einsiedler Anzeiger / heka

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

02.07.2019

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schwyzkultur.ch/Jhn2hS