Pater Lukas dirigiert, Adeline Marty begleitet am Klavier. Der Cum Anima Chor und der Plauschchor bilden ein eindrückliches Ganzes.
Pater Lukas dirigiert, Adeline Marty begleitet am Klavier. Der Cum Anima Chor und der Plauschchor bilden ein eindrückliches Ganzes.
Pater Lukas Helg und Adeline Marty: Ein Abschied mit Blumen und mit Wehmut. Fotos: Franz Kälin
Pater Lukas Helg und Adeline Marty: Ein Abschied mit Blumen und mit Wehmut. Fotos: Franz Kälin

Musik

Es war ein emotionaler Abend

Das Jubiläumskonzert des Schulchors der Stiftsschule Einsiedlen stand im Zeichen ganz des Abschieds.

Termin und Programm für dieses Jubiläumskonzert waren längst bekannt. Vor 30 Jahren hatte Pater Lukas Helg den Schulchor an der Klosterschule ins Leben gerufen. Dass es, aufgrund der neuen Musikstrategie in der Stiftsschule, nun aber auch gleich zu einem Abschiedskonzert der Chorleiterin Adeline Marty wurde, wusste zu dem Zeitpunkt noch niemand.


Mit dem Lied «Heaven is a wonderful place» betraten die über achtzig Sängerinnen und Sänger die Bühne des Theatersaals der Stiftsschule Einsiedeln. Mit grossem Applaus wurde der aussergewöhnliche Chor, zusammen mit seiner Chorleiterin Adeline Marty, willkommen geheissen. Dass der Himmel durchaus schon hier auf Erden spürbar werden kann, erlebten die vielen Besucherinnen und Besucher dieses Jubiläumskonzertes am Sonntagabend. Ein aussergewöhnlicher Chor, weil er aus ehemaligen Stiftsschülerinnen und Stiftsschülern und aktiven «Cum Anima»-Sängerinnen und -Sängern bestand.


Es begann am Donnerstagmittag


Im Jahre 1987/88 hatte Pater Lukas Helg an der Klosterschule einen Schulchor gegründet, der anfänglich Donnerstagschor und ab dem zweiten Jahr Plauschchor hiess. Über zwei Jahrzehnte lang leitete Pater Lukas selbst diesen Chor, der viele Sängerinnen und auch Sänger immer donnerstags über den Mittag zum Singen zusammenführte. Zu gerne wollte der ehemalige Chorleiter alle seine ehemaligen Mitglieder für dieses Jubiläumskonzert einladen, aber dafür hätte man wohl der grossen Anzahl wegen eine andere Örtlichkeit buchen müssen – etwas das KKL oder die Tonhalle. So beschränkte er sich und verschickte Einladungen bis zur Matura 2004 zurück. Viele reisten an, um aus Dankbarkeit ihrem «grossen Meister» gegenüber dabei zu sein. Zwei Stunden vor dem Konzert wurden die Lieder geprobt – was man ja auch nur mit geübten Sängerinnen und Sängern wagen kann.


«Cum Anima» – mit ganzer Seele


Der Plauschchor von damals fügte sich an diesem Konzert den Mitgliedern des jetzigen Schulchores an. Nicht nur das Dirigat, auch der Name hatte sich 2012/13 unter der Leitung von Adeline Marty geändert. Seit sechs Jahren nennt sich der Plauschchor nämlich «Cum Anima» Chor, was «mit ganzer Seele» bedeutet. Und nach genau diesem Programm tönte es: Musik, die aus der Seele kam und die Seelen der vielen Zuhörenden berührte. Pater Lukas hätte die folgenden vier Lieder dirigieren sollen, begleitet von der wie immer begeisternden Adeline Marty am Flügel, wie sie es anfänglich vor zehn Jahren zusammen gehandhabt hatten. Doch hätte dadurch der tiefe Bass bei der sonst schon unübersehbaren Unterzahl der Männer gefehlt und Pater Lukas stieg kurzerhand wieder mit auf die Bühne und reihte sich unter sein Register. Genauso, wie er es nach 24 Jahren als Dirigent damals schon gemacht hatte, als er seinen Taktstock übergab. Treu war Pater Lukas dem Chor über all die Jahre aber immer geblieben. Den Schulchor ohne Pater Lukas kann man sich nicht vorstellen. Er und auch Abt Urban unterstützen die Männer weiterhin.


Breite musikalische Palette


Aus einem der bekanntesten und beliebtesten Musicals weltweit von Andrew Lloyd Webber sangen die beiden Chöre «Phantom of the opera». Aus dem Broadway Musical «My fair lady» folgte «Ascot Gavotte» des Komponisten Frederick Loewe, anschliessend «Happy Charleston» und Lorenz Maierhofers Lied mit dem sinnreichen Titel «Happy and free». Darin wird besungen, dass jemand eines Nachts einen Traum hatte, worin die ganze Welt sang, sich glücklich und frei fühlte. Vielleicht würde sich die Welt verändern, sollten die Menschen tatsächlich mehr singen? Der Plauschchor gab anschlies- send wiederum aus Phantom der Oper ohne Klavierbegleitung «All I ask of you» zum Besten, das darum bat, nicht mehr über das Dunkle zu reden. Ein verheissungsvoller Text und doch musste der Abschied an diesem Abend angesprochen werden. Die Chorleiterin selbst, Adeline Marty, erzählte über ihre Trauer und die Enttäuschung, welche sie seit der Kündigung der Stiftsschule empfunden hatte. Wohl keiner im Saal wollte es richtig glauben, dass diese leidenschaftliche Dirigentin, die mit grossem Engagement und viel Herzblut den Chor geführt hatte, infolge der neuen Musikstrategie an der Stiftsschule den Taktstock an ihren Nachfolger Lukas Meister abgeben sollte.


Abschied nehmen


Von Abba sang ein kleines Ensemble des «Cum Anima» Chores das berühmte «Money money, money» aus dem Jahre 1976. Die aktuellen Maturandinnen hatten alle ihr eigenes Solo und überzeugten durch eine tolle Choreografie. Der Text des Songs hat wohl bis heute nichts an Aktualität eingebüsst. Der gesamte «Cum Anima» Chor sang «Lascia ch’io pianga», eine der berühmtesten Arien aus der Oper Rinaldo von Georg Friedrich Händel, die heute zu den populärsten Melodien der klassischen Musik gehört, «Ombra mai fu», ebenfalls aus der Feder Händels, das «Barcarolle» des Komponisten Offenbach und «Nessun dorma» von Puccini, was so viel bedeutet wie: «Kleiner, schlafe». Daran war aber durch den lang anhaltenden Applaus zwischen den Stücken nicht zu denken. Den Abschluss machte aus der Oper «Nabucco» von Giueseppe Verdi das «Va pensiero», bekannt geworden als der Gefangenenchor und Leonard Cohens exzellentes «Hallelujah». Der Rektor der Stiftsschule Einsiedeln, Johannes Eichrodt, dankte dem Initianten des Schulchores, Pater Lukas Helg, und seiner Nachfolgerin, Adeline Marty, für das einmalig schöne Jubiläumskonzert und überreichte den beiden ihre Lieblingsblumen. Wohl niemand im Saal hätte in diesem Moment mit ihm tauschen und vor den Leuten auftreten wollen. Aber er versprach, sich innert spätestens fünf Jahren dafür eingesetzt zu haben, dass ein Konzert dieser Art, nur noch viel grösser, in der Tonhalle in Zürich oder im Kultur- und Kongresszentrum Luzern aufgeführt werden könne. Man darf sich also nichtsdestotrotz auf eine weitere musikalische Zukunft an der Stiftsschule Einsiedeln freuen. Zwei Zugaben folgten und die Standing Ovation des Publikums zum Schluss des Konzertes zeigte den beiden Abtretenden, Pater Lukas Helg und Adeline Marty, eine tiefe Wertschätzung und den Dank für die grossartige Arbeit, die sie in all den Jahren geleistet hatten.


Einsiedler Anzeiger / fk

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

12.06.2018

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schwyzkultur.ch/8pGZPA