Kleine und grosse Blockflöten wurden von Jüngeren und Älteren gut gespielt. Fotos: René Steiner
Kleine und grosse Blockflöten wurden von Jüngeren und Älteren gut gespielt. Fotos: René Steiner

Musik

Genuss mit einem verkannten Instrument

Das Blockflöten-Orchester ConTatto aus der Höfe lud am Samstagabend zu einem musikalischen Tête-a-Tête im Gemeindesaal ein.

Ein Blockflötenkonzert? Mit über 50 Flötenspielern? Trotz solcher Vorbehalte mussten im Gemeindesaal, der für diesen Anlass ein herrliches (Klang-)Ambiente bot, noch zusätzliche Stühle bereitgestellt werden, damit alle dieses «musikalische Tête-a-Tête» mit dem verkannten und mit Vorurteilen behafteten Instrument geniessen konnten. Der musikalische Leiter, Josef M. Manser, betonte denn gleich zu Beginn, dass die Blockflöte keinesfalls nur ein Anfängerinstrument sei, es sei ein Instrument wie jedes andere auch. Und vergessen wir nicht: Es gibt nicht nur die schlecht gestimmten Billig-Anfänger-Flöten …


Unterhaltsame Musik


Gleichsam als Jugendförderung sollte der Auftritt der vierzig Orchestermitglieder mit den beinahe zwanzig jungen Spielerinnen verstanden werden, nur, bei diesem «Vorprogramm mit jungen Orchesterpraktikantinnen » spielte kein Knabe mit – schade. Bereits der «Marche exotique» zu Beginn offenbarte nichts von Anfängerstimmung, der volle Klang und die gute Intonation überzeugten von Anfang an. Dem Schreiber gefiel vor allem das «Hopser» genannte Stück mit seiner fröhlichen Stimmung und der gespielten Dynamik. Mit viel Applaus wurden die jungen Spielerinnen verabschiedet. Die Ensemblemitglieder – auch bei ihnen findet sich keine Handvoll Männer – legten gleich mit einem zeitgenössischen Werk von Dietrich Schnabel los. Dieses «7x7» steht für 7 Stücke, 7 Stimmen, 7 Tonarten, 7 Taktarten, 7 Stile, 7 Tempi und 7 Charaktere. Wie lustig! Und wie anspruchsvoll! Für Spieler – und den Dirigenten. Doch Josef Manser leitete sicher und mit Finessen durch diese hörenswerten Sätze, die viele getragene Melodien, hüpfende Phasen, aber auch fiese Tonsprünge enthielten und volle Konzentration nicht nur beim 5/4-Takt verlangten.


Vielfältige Instrumentenpalette


Auch bei der Blockflötenfamilie lassen sich grosse Entwicklungsschritte ausmachen. Am Samstagabend fielen etwa die Holzkasten gleichenden, deshalb IKEABässe genannten Instrumente auf. Welch tiefer, füllender Klang! Dieser überzeugte nicht zuletzt in Bachs «St. Anne’s Fugue». Im Gegensatz dazu das «Garklein», das kleinste der Blockflötenfamilie. Es brillierte besonders in den beiden Zugaben. Eine weitere Bereicherung offenbarte sich nach der Pause. Die Kammerorchester-Besetzung, das heisst eine Spielerin pro Stimme, führte Schuberts «Ständchen» auf. Die sehr gefühlvolle Interpretation überzeugte zudem mit ihrem ausgewogenen Orchesterklang.


Covern – eine Ehre


Nicht nur in der Popszene wird «gecovert», die Musikwelt kennt das schon lange. Im Unterschied zu heute fühlte sich damals ein Komponist geehrt, wenn ein anderer dessen Musik bearbeitete. So sorgte der berühmte Mozart mit seinem «Konzert in D» für eine Coverversion der Klaviersonate von Johann Christian Bach. Zum Ensemble gesellte sich am Flügel Eva Achermann. Mit dem Klavier zusammen bildeten sich interessante neue Klangmomente, die Kadenzen brachten eine weitere Musiknote. Das Allegro zeigte sich frisch und schwungvoll. Ebenso der dritte Satz mit seiner schwierigen Staccato-Begleitung zwischendurch.


Frühling aus Wien und Berlin


Im Potpourri «Vorwiegend heiter» von Willy Trapp machten sich gemütliche, lockere Melodien aus dem alten Wien breit. Dabei überzeugte den Schreiber vor allem Ziehrers Gavotte. Und der rassige Abschluss mit Suppés Polka forderte die Fingerfertigkeit der 40 Spielerinnen aufs äusserste! Mit «Mein kleiner, grüner Kaktus» der Comedian Harmonists endete dieser Konzertabend. Nicht ganz, die begeisterten Besucher forderten zwei Zugaben. Das spielfreudige Orchester folgte gerne dieser Aufforderung. Und die Erkenntnis zu diesem Blockflötenauftritt: Die Blockflöte taugt zu mehr als nur Kinderlied, Anfängermüh’ und verstaubten Menuetten. Man muss die Literatur geschickt wählen, perfekt einstudieren und überzeugt vortragen. Genau das bot das ConTatto Blockflöten-Orchester Höfe mit seinem Leiter Josef M. Manser.


Einsiedler Anzeiger / rst.

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

28.05.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/uF8yNg