Martha High (73) legt auf ihrer Europatour einen Stopp in Einsiedeln ein.
Martha High (73) legt auf ihrer Europatour einen Stopp in Einsiedeln ein.
Martha High (73) besticht mit jugendlichem Aussehen, Charisma und ihrer Stimme. Foto: Michèle Fasler
Martha High (73) besticht mit jugendlichem Aussehen, Charisma und ihrer Stimme. Foto: Michèle Fasler

Musik

«Ich bete vor jedem Auftritt»

Martha High war mehr als 30 Jahre lang Backgroundsängerin für den Godfather of Soul, James Brown. Seit dem Jahr 2000 ist sie als Solo-Künstlerin auf den Bühnen der Welt anzutreffen. Auf ihrer aktuellen Europatour legte sie einen Stopp in Einsiedeln ein.

Michèle Fasler: Martha High, derzeit treten Sie in ganz Europa auf: Madrid, Barcelona, Paris, Göteborg ... Wie kommt es, dass Sie auch in Einsiedeln auftreten?


Martha High: Ich habe Hugo Kälin vom Hotel/ Restaurant Linde im Jahr 2005 in Deutschland kennengelernt, als ich mit Lyn Collins auf Tournee war. Hugo war total begeistert von uns beiden und sang aus voller Kehle mit, was Lyn bemerkte und ihn auf die Bühne holte. Hugo und ich blieben seither via Facebook in Kontakt. Vor einiger Zeit fragte er mich an, ob ich im Rahmen meiner Europatournee 2018 nicht auch Halt in Einsiedeln machen wolle. Ich sagte sofort zu – und hier bin ich (lacht). Mir kommt es nicht auf die Grösse einer Stadt an. Es ist auch nicht wichtig, wie gross das Publikum ist, für das ich singe. James Brown hat mir beigebracht, dass man bei einem Auftritt immer sein Bestes geben soll – sei es vor 50 Leuten oder vor 50’000.


Wie ist Ihr erster Eindruck von Einsiedeln?


Ich habe wunderschöne Landschaften gesehen, als wir vom Flughafen hierher fuhren – wir haben sogar angehalten, um Fotos zu machen. Was mir weniger gefällt, ist der Schnee. Eigentlich mag ichs lieber warm.


Ich habe Gerüchte gehört, dass Sie unbedingt die Schwarze Madonna im Kloster Einsiedeln sehen wollen. Ist das korrekt?


Ja, das stimmt. Ich werde sogar in den Genuss einer persönlichen Führung von Abt Urban Federer kommen. Ich freue mich wahnsinnig darauf.


Ihre Karriere begann als Gospelsängerin in einer Kirche. Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?


Eine sehr grosse. Ohne Glaube geht gar nichts im Leben. Ich hatte viele Höhen und Tiefen, und ich bin überzeugt davon, dass mir mein Glaube durch alle tiefen Täler geholfen hat. Er hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Jeden Abend, bevor ich ins Bett gehe, danke ich Gott auf den Knien für alles, was ich habe. Und jeden Morgen, wenn ich die Augen öffne, danke ich Gott dafür, dass ich noch lebe und einen neuen Tag erleben darf.


Sie arbeiten extrem hart: Ihre Band The Soul Cookers und Sie touren derzeit durch ganz Europa – und das fast ohne Pausen. Werden Sie denn niemals müde?


Doch (lacht). Aber es liegt in meiner Natur, hart zu arbeiten. Und der Godfather of Soul, Mister James Brown, war ein strenger Lehrmeister. Von ihm habe ich Disziplin gelernt. Als er einmal ins Gefängnis musste und ich vorübergehend arbeitslos war, bin ich in der Firma meines Bruders untergekommen und habe als Empfangsdame in seinem Immobilienbüro gearbeitet. Meine Güte, ich habe mich nie so gelangweilt wie zu jener Zeit! Ich habe die Auftritte und das Reisen so sehr vermisst!


Dafür schlafen Sie häufiger in Hotelbetten als in Ihrem Zuhause …


Ja, das stimmt. Aber wenn ich mal für zwei Wochen am Stück zu Hause bin, bekomme ich eine Panikattacke und will sofort wieder auf Tournee gehen.


Wo wohnen Sie?


In Atlanta. Ich plane jedoch, im April nach Malaga umzuziehen. Ich liebe Spanien – und das Klima auf Malaga.


Welche ist Ihre Lieblingsstadt in Europa?


Bordeaux. Dort habe ich zwei Jahre lang gelebt. Eigentlich wollte ich nicht mehr in den USA leben, aber meine Mutter wurde krank und ich musste mich um sie kümmern. Aber nun bin ich dazu bereit, wieder nach Europa zurückzukehren.


Mögen Sie auch den Wein in Bordeaux?


Nicht unbedingt. Ich bevorzuge süssen Wein. Mit den trockenen und erdigen französischen Weinen kann ich nichts anfangen. Aber vielleicht fehlt mir einfach der Geschmack dafür (lacht).


Sie sind 73 Jahre alt. Was ist das Geheimnis Ihrer guten Gesundheit und Ihrer jugendlichen Ausstrahlung?


Oh, vielen Dank für die Blumen! Ich lege Wert auf viel Schlaf und auf mein Nachmittagsnickerchen. Ohne das geht gar nichts. Früher habe ich viel Sport gemacht, das ist heute leider nicht mehr so. Ich achte aber sehr auf eine gesunde Ernährung und esse kein Brot, vor allem in Amerika nicht. Und ich verzichte komplett auf Fast Food.


Was tun Sie für Ihre Stimme? Trinken Sie viel Tee oder Wasser?


Als Diabetikerin verzichte ich auf Süssgetränke und Säfte. Ich trinke jedoch viel Wasser und Tee. Vor allem Ingwertee ist gut für meine Stimme.


Haben Sie ein Ritual vor Ihren Auftritten?


Ich spreche ein Gebet und bitte Gott um Unterstützung.


Sind Sie nach all den Jahren und Tausenden von Gigs noch immer nervös?


Und wie! Das hört leider niemals auf. Bei meinem gestrigen Auftritt im Hotel/Restaurant Linde ist mir fast die Luft weggeblieben, als Hugo mir mitgeteilt hat, dass das Lokal bis auf den letzten Platz ausverkauft ist … Das hätte er mir besser nicht sagen sollen (lacht).


Sie haben mehr als 30 Jahre für James Brown gearbeitet. Jeder Journalist – ich inklusive – fragt Sie nach Ihren Erfahrungen mit dem Godfather of Soul. Haben Sie es nicht langsam satt, immer nur nach James Brown gefragt zu werden? Schliesslich sind Sie seit 18 Jahren als Solokünstlerin unterwegs.


Manchmal nervt das schon. Aber alles in allem stört es mich nicht, denn das war eine lange und wichtige Zeit in meinem Leben. Ohne James Brown – und Gottes Hilfe – wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Wie man das Publikum unterhält und wann man welchen Titel singen soll, damit die gute Stimmung anhält, habe ich von ihm gelernt. Ich habe James Brown viel zu verdanken, deshalb ist es auch okay, dass mich die Journalisten ständig nach ihm fragen.


Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?


Derzeit arbeite ich an einem neuen Buch – meinem zweiten. Mein erstes handelte von meiner Zeit als Backgroundsängerin bei James Brown. Das zweite wird Gedichte, Kurzgeschichten und Kochrezepte enthalten. Und die Leserinnen und Leser werden auch etwas von meiner Kunst erfahren.


Wird es auch ein neues Album geben?


Ja! Im April werde ich in Rom mit den Aufnahmen für ein neues Album beginnen. Ich habe bereits einige Texte geschrieben und bin gespannt darauf, was die Band und ich im Studio daraus machen werden. Ich freue mich sehr darauf!


Einsiedler Anzeiger / Michèle Fasler

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

06.02.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/R3PU9s