Der Mix passte: Mit einem originellen, einfallsreichen Zusammenspiel wuchsen die Musikanten förmlich über sich hinaus. Etzel-Kristall (auf Hauptbühne) und die Swanee River Jazz Band (re vorne) gaben ein erfolgreiches gemeinsames Konzert. Bild Kurt Fäs
Der Mix passte: Mit einem originellen, einfallsreichen Zusammenspiel wuchsen die Musikanten förmlich über sich hinaus. Etzel-Kristall (auf Hauptbühne) und die Swanee River Jazz Band (re vorne) gaben ein erfolgreiches gemeinsames Konzert. Bild Kurt Fäs

Musik

Konzert als musikalisches Wechselspiel

Die bestbekannte Blaskapelle Etzel-Kristall hatte die Idee, für einmal mit einer Jazz Band ein Konzert zu geben. Dies kam beim Publikum sehr gut an.

Vor drei Jahren lernte Etzel-Kristall die Musiker der Swanee River Jazz Band aus Cham bei einem Zusammenspiel kennen. Die sieben Musiker, davon eine Frau, taten sich 1999 zusammen. Nun war ein Gegenbesuch fällig und so kam der gemeinsame Auftritt in Einsiedeln zustande. Für sie wurde eine Extrabühne vorne links erstellt und sie als Gäste eröffneten pünktlich um 17 Uhr das Konzert. Der quicklebendige Bandleader Ruedi Sidler spielte auf der Klarinette und demonstrierte, zusammen mit seinen Kameraden mit Trompete, Posaune, Saxophon, Tuba, Pancho und Schlagzeug, New Orleans vom Feinsten.

Mit gekonnten Wechseln

Schon mit dem ersten Titel «Stevedore stomp» wurde klar, das sind Vollblutmusikanten. Mit trockenem Humor führte Beat Wiesmann durch das Programm. Richtig «fätzig» ertönte der «Weary blues», dafür kam «Si tu vois ma mere» etwas gelassener, aber in einer wunderbaren Klangmischung daher. Mit dem tempogeladenen «Shine» wurde besonders vom Trompeter grosses Können abverlangt. Subtil erschienen dabei die Soli jedes Instrumentes. Es gab einen Wechsel: Die Musikanten von Etzel-Kristall besetzten inzwischen die grosse Bühne und schmetterten mit dem Konzertmarsch «Kaiser Sissi» stimmgewaltig ihre Melodien in den Saal.

Tempo und Rhythmuswechsel

Typisch böhmisch unter speziellem Einsatz der Hörner erklang «Sommernachtsfest». Quasi als Übereinstimmung mit der New Orle ans hiess der nächste Titel «Zwei Mexikaner in Böhmen». Das Solo für zwei Trompeter war höchst anspruchsvoll. Herrlich zweistimmig, mit viel Tempo und Rhythmuswechseln wähnte man sich unter der Sonne Mexikos. Wohltuend erklang «Maly darek», was zu Deutsch kleines Geschenk bedeutet. Aus der Tiefe erklangen Tuba und Hörner im Dreivierteltakt, gespickt mit schönem Solo dreier Klarinetten. Im Gegenzug begann das bekannte «Amorada» fulminant mit kräftigen Hörnern, Tuba und Posaunen, wie Perlen wirkte das Klarinettensolo. Nach einer kurzen Pause war es wieder an der Jazzband, die als Auftakt mit einem Trommelwirbel und Schlagzeug vom Marsch- in die Dixirhythmen wechselte. Mit einem Ohrwurm, dem beliebten und bekannten «Madame Becassine», teils mit Foxtrott-Takt, spielten sie sich in die Herzen der Zuhörer. Aber auch bei «Royal garden blues» konnte sich jeder mit einem Solo seines Instrumentes zur Geltung bringen. Dafür gab es viel Applaus. Eine Extravorführung bot der Bassist in seinem Solo «Sugar», im Saal war es mucksmäuschenstill. Mit dem tempogeladenen Dixi «Fidgety feet», wo noch einmal alle Register gezogen wurden, beendete die Jazz Band ihren Teil.

Soli und Zusammenspiel

Toni Gräzer, Dirigent der Etzel-Kristall, hatte als Übergang mit dem wuchtigen Marsch «Abel Tasman» ein gutes Gespür. Mit dem Titel «Supermänner» bewiesen die zwei Tenorhorn spielenden Musikanten ihre Virtuosität, sie wurden dezent begleitet. Einen weiteren Genuss boten die drei Posaunisten in ihrem Solo «Die Gipfelstürmer». Hier kam einmal mehr der Schlagzeuger mit seinem obligaten Paukenschlag als Schlusspunkt zum Zug. Als eine weitere Perle im Programm durfte «Dudacka» bezeichnet werden. Einleitend ertönten die Klarinettensoli wie Vogelgezwitscher, mit den böhmischen Melodien kam Bewölkung auf, der nächste intensive Klarinetteneinsatz vermittelte prasselnden Regen und beim Einsetzen der Hörner wähnte man sich sicher unter dem Regenschirm.

Über sich hinausgewachsen

Damit aber war noch nicht Schluss. Mit einem originellen, einfallsreichen und abwechslungsvollen Zusammenspiel wuchsen die Musikanten förmlich über sich hinaus. Etzel-Kristall begann mit einer böhmischen Polka und die Swanee River Jazz Band nahm das Stück auf und spielte böhmisch auf ihre jazzige Art weiter. Das Wechselspiel zeigte, dass es musikalisch in verschiedenen Stilrichtungen weder Hindernisse noch Unstimmigkeiten geben muss. Dafür wurde stehend applaudiert und eine Zugabe erwünscht. Man darf sich jetzt schon auf den nächsten Auftritt der Etzel-Kristall am 19. April im Baumelisaal in Unteriberg freuen.





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Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.01.2015

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schwyzkultur.ch/VMCFvm