Mit zündender Improvisierlust und grosser Musizierfreude, gepaart mit Kreativität, Spielwitz und Spontanität, wurde Zuhören ein Genuss. Bild Franz Kälin
Mit zündender Improvisierlust und grosser Musizierfreude, gepaart mit Kreativität, Spielwitz und Spontanität, wurde Zuhören ein Genuss. Bild Franz Kälin

Musik

Kreative Volksmusik erster Güte

Dort traf sich ein für Neues offenes Publikum, um in fast familiärem Rahmen den grenzüberschreitenden, trittsicheren Klängen der sechs «Vollblut-Musiker» zu lauschen. Der Konzertabend bot abwechslungsreiche Musiksymbiosen vom Feinsten.

Der einheimische André Ott (Kontrabass), Organisator des Abends, begrüsste das gespannte Publikum. «Klangcombi» ist als Projekt zu verstehen, das von Noldi Alder (künstlerische Leitung, Violine, Hackbrett, Naturjodel), Vertreter der 4. Generation der Alderdynastie Urnäsch, ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, Lust und Freude am Musizieren aufkommen zu lassen, die Angst vor Fehlern einzudämmen und mutig eigene Wege zu gehen, um somit echte Musik machen zu können.

Bestechendes Sextett

Das Sextett besteht weiter aus Judith Müller (Violine), Adrian Häusler (Violine, Viola), Nicola Romano (Cello) und Markus Lauterburg (Schlagzeug). Sämtliche Mitglieder sind Berufsmusiker mit klassischem Hintergrund und verfügen über eine Ausbildung an einer Musikhochschule. Erfahrungen, Vorlieben und künstlerische Persönlichkeiten beeinflussen und verbinden gut hörbar Volksmusikgut aus den sechs Heimatkantonen der Mitglieder.

Auswendig Musizieren

Um dem Publikum möglichst nah zu sein, legt Alder grossen Wert aufs auswendig Musizieren. Notenständer bezeichnet er als Distanzmacher oder als Mauer den Zuschauern gegenüber. Folglich «schummelte» sich der eine oder andere Musiker mit auf dem Boden liegenden Spickzetteln durch den Abend. Was die sechs Profis zu bieten hatten, war jedoch kaum zu übertreffen. Eine gleichzeitig tänzerische, spielerische, hochvirtuose und zartkräftige Musik.

Tradition undNicht-Tradition

Appenzeller Volksmusik verschmolz mit modernen Rhythmen, Tradition pirschte sich an «Nicht-Tradition» heran, und Barockmusik gesellte sich zum Naturjodel. Eine mitreissende Auseinandersetzung musikalischer Einflüsse von gestern und heute. Zu Musiktiteln wie «Viola», «Alpenglühn» oder «Dreiecksbeziehung» durfte sich jeder im Saal seine eigenen Gedanken und Vorstellungen machen. Mit viel Herzblut wurden die sehr facettenreichen Kompositionen, die grösstenteils aus Alders Feder stammen, musikalisch umgesetzt. Für die Laien unter dem Publikum kaum nachvollziehbar: In unglaublich schnellen Tempi musizierten die jungen Leute stets taktsicher in einer locker, beschwingten Leichtigkeit, die sich auf die Zuhörerschaft übertrug.

Improvisation und mehr

Mit zündender Improvisierlust und grosser Musizierfreude, gepaart mit Kreativität, Spielwitz und Spontanität, wurde das Zuhören ein reiner Genuss. Gespielt von Musikern, die ihr Handwerk beherrschen und einen nachhaltigen Eindruck hinterliessen. Es braucht engagierte Leute wie Noldi Alder, welche es verstehen, junge Leute zu motivieren. Nur so ist es möglich, derart frische und mitreissende, anziehend eigentümliche, vielseitige und doch homogen wirkende Musik zu machen. Es ist eine ganz eigene, innovative Klangwelt, die Alder hervorbringt, die fasziniert und die den Zuhörer nicht mehr loslässt.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

13.03.2012

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