Stiftsorganist Pater Theo Flury eröffnet heute Abend die Reihe der Einsiedler Orgelkonzerte 2013.
Stiftsorganist Pater Theo Flury eröffnet heute Abend die Reihe der Einsiedler Orgelkonzerte 2013.

Musik

Leben und Freude schenken

Zu einer abwechslungsreichen Reise durch fünf verschiedene Länder heisst Stiftsorganist Theo Flury heute Abend die Zuhörer in der Klosterkirche Einsiedeln herzlich willkommen.

Der Orgelabend beginnt in der Schweiz, beim Konzertorganisten Pater Theo, der über eine Tonfolge improvisiert, die der nachfolgenden Fuge als Thema zugrunde liegt.

Von Pater Theo Flury

Die zweite Station der Reise liegt in Frankreich. Maurice Duruflé (1902 bis 1986) hat wenig für Orgel geschrieben, dafür ist aber jede seiner Kompositionen einmalig und ein wahres Kunstwerk. Die berühmteste Komposition ist wohl die Toccata aus seiner Suite, die für viele Organisten wegen der ausserordentlich hohen technischen Ansprüche beinahe unspielbar ist. Die Fugue sur le thème du Carillon des Heures de la cathedrale de Soissons ist hingegen ein wenig bekanntes Opus, das aber ganz klar die Handschrift des Meisters trägt: die berückende Harmonik, die stimmige Architektur und die Einmaligkeit der Komposition im Vergleich mit anderen Werken.

In die Barock-Welt eintauchen

Nach einem zeitgenössischen Auftakt tauchen wir nun ein in die Welt des Barocks und bleiben vorerst in Frankreich. Jean François Dandrieu (16821738) war Organist in Paris. Der Erneuerer versuchte mit Erfolg, aus der strengen Welt seiner Vorgänger auszubrechen und den wesentlich freieren italienischen Kompositionsstil mit der französischen Tradition zu verbinden. Ein gutes Beispiel dafür ist das Magnificat de la troisième suite aus dem ersten Buch der Suiten. Das Magnificat ist der Lobgesang Ma-rias (Lk 1, 4655) und bildet den Höhepunkt der Vesper, die einen Teil des sogenannten Stundengebets der Kirche darstellt. Im Barock war es üblich, einen Vers des Magnificats von den Sängern, den nächsten von der Orgel allein erklingen zu lassen, ohne dass der Text des betreffenden Verses der Vollständigkeit halber hätte leise rezitiert werden müssen. Die einzelnen Teile der Suite stehen also für die der Orgel zugewiesenen Verse des Lobgesangs  wie eine Überraschung während der Ausführung dieses Werks verdeutlichen wird.

Nach Deutschland zu Bach!

Wir fahren weiter nach Deutschland. Dort erwartet uns Johann Sebastian Bach (16851750). In seinem Pièce d'orgue, einer dreiteiligen ungewohnten Form (Kadenz eines Soloinstruments  fünfstimmiger dichter Satz in der Manier eines französischen Plein jeu  sprudelnde Arpeggios über einem harmonischen Bass) scheint französischer Geist auf, so wie er sich im Werk eines genialen Deutschen ausgedrückt hat. Die zwei folgenden Kompositionen des Meisters kreisen wiederum um das Magnificat. «Meine Seele erhebt den Herren» ist ursprünglich eine Arie, die der Komponist selbst für Orgel solo transkribiert hat. Die Fuga sopra il Magnificat entfaltet sich einem Thema entlang, das auch der vorausgehenden Komposition zugrunde liegt: dem tonus peregrinus. Dieser ist eine zweiteilige und zweistufige melodische Formel, die oft auf den Gesang des Magnificats angewendet worden ist. Dieselbe Formel erklingt als zweites Thema im ersten Satz der Sonate Nr. 4 a-Moll von Josef Gabriel Rheinberger (18391901), der uns nach Liechtenstein eingeladen hat, um uns musikalisch zu verwöhnen. Der zweite Satz seiner Sonate ist ein liebliches Cantabile, schlicht, mit einem kurzen Aufbäumen im Durchführungsteil, während die Fuga cromatica den berühmten Kompositionslehrer von München verrät. Das an sich wenig interessante Thema einer absteigenden chromatischen Tonleiter dient als Raster, an dem sich nun wie Efeu reiches kontrapunktisches Stimmengewebe emporrankt.

Das Hochfest unserer Lieben Frau

Endstation unserer musikalischen Exkursion ist England. Wir sind zu Gast bei Sir Edward William Elgar (18571934). Unsere Reise wollte etwas bieten für Kopf und Herz. Mit dem abschliessenden Marsch Pomp and circumstance wird sogar noch etwas für die Füsse geboten!

Warum aber so viele Magnificat-Kompositionen? Heute feiern wir das Hochfest Unserer lieben Frau von Einsiedeln, das Fest der Schwarzen Ma-donna. In den biblischen Schriften wird Maria, die das Magnificat als erste gesungen hat, vor allem als aufmerksam hörende Frau geschildert, so dass das gehörte und wahrgenommene Wort Gottes in

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.07.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/tjS6eF