Bernhard Billeter beim Benefiz-Konzert in der reformierten Kirche. Bild Sylvia Bendel Larcher
Bernhard Billeter beim Benefiz-Konzert in der reformierten Kirche. Bild Sylvia Bendel Larcher

Musik

Mit Musik für Kathedrale und Stube

Bernhard Billeter schöpfte das Potenzial der renovierten Orgel in seinem Benefiz-Konzert vom letzten Samstag voll aus. Der Erlös von 560 Franken ging an das Afrikaprojekt der Gemeinde.

Mit den Orgeln im Kloster kann es die Orgel in der reformierten Kirche nicht aufnehmen. Umso erfreulicher ist es, dass mit Bernhard Billeter ein bekannter Organist und Musikwissenschaftler für das Benefiz-Konzert vom vergangenen Samstag gewonnen werden konnte. Billeter ist mit der Kirchgemeinde Einsiedeln seit vielen Jahren verbunden, hat er doch die Gemeinde vor 40 Jahren bei der Anschaffung der Orgel beraten und am 1. Dezember 1974 das Instrument selber eingeweiht. Am Samstag nun wurde die gelungene Restaurierung der Orgel durch die Firma Mathis aus Näfels musikalisch gefeiert.

«Seriöse» Werke

Schon bei den drei Eröffnungsstücken von Johann Kaspar Kerll zeigte Billeter mit seiner Registrierung, was in dem «Örgeli», wie er es liebevoll nannte, steckt: wuchtig die Toccata, zart die Canzona und das Capriccio. Natürlich durfte auch Bach im Programm nicht fehlen, hat Billeter doch eine renommierte Monografie über Bachs Orgel- und Klavierwerk verfasst. Die vier Orgelchoräle schienen jedoch an der Grenze der technischen Möglichkeiten des Organisten zu liegen, sodass die Interpretation der Stücke keine Überraschung bot.

und «weniger seriöse»

Beinahe auf einem Rokoko Jahr markt fühlte man sich bei den ursprünglich für einen Automaten geschriebenen fünf Stücken für Flötenuhr von Joseph Haydn. Die Tänze von Giuseppe Gherardeschi gipfelten in einer Überraschung, als Billeters Frau plötzlich mit einem Usignolo, einer Art Wasserpfeife, dazwischenpfiff. Bei den anschliessenden sechs Toggenburger Tänzen wäre man lieber durch eine Gaststube getanzt als steif in der Kirchenbank zu sitzen. Den pompösen Schlusspunkt setzte eine fast opernhafte Suonatina von Padre Davide da Bergamo.

Voll zur Geltung gekommen

Billeter hat eine Auswahl an Stücken getroffen, die das Klangspektrum und die Möglichkeiten der Orgel optimal zur Geltung brachten, zumal die Werke von ihm ebenso variantenreich wie stimmig registriert wurden. Ge trübt wurde das Erlebnis durch doch etwas zahlreiche Fehlgriffe auf den zwei vorhandenen Manualen. Das tat der guten Stimmung unter den gut zwei Dutzend Zuhörenden beim anschliessenden Aperitif aber keinen Abbruch. Die Kollekte von 560 Franken geht wie schon die Einnahmen des Afrikafestes vollumfänglich an das Projekt Villages et villes à vivre im Kongo.

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.08.2014

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schwyzkultur.ch/AdDGa3