Das Konzert des Kammerchors Gaudeamus mit dem Ensemble la fontaine in der Jugendkirche überzeugte durch eine hervorragend klangliche Ausgewogenheit. Foto: Franz Kälin
Das Konzert des Kammerchors Gaudeamus mit dem Ensemble la fontaine in der Jugendkirche überzeugte durch eine hervorragend klangliche Ausgewogenheit. Foto: Franz Kälin

Musik

Packend von Anfang bis Schluss

Konzert des Kammerchors Gaudeamus mit dem Ensemble la fontaine in der Jugendkirche in Einsiedeln am letzen Sonntagabend.

Es war eine gute Werkwahl und alle Beteiligten konnten ihr Bestes zum Gelingen beitragen und das 1767 entstandene Stabat Mater den Zuhörern nahe bringen und in ihre Herzen musizieren. Es waren beglückende Fünfviertelstunden. Schon mit den ersten Tönen des Instrumentalensembles wurden die Zuhörer gepackt und ihre Ohren auf das Kommende ausgerichtet. Jede Artikulation war deutlich und nichts war dem Zufall überlassen. Auch der Chor war angespannt vom ersten Augenblick an – sogar so sehr, dass einige Sängerinnen den ersten Einsatz kaum erwarten konnten. Aber genau das zeigt auch das enorme Engagement dieser Sängerinnen und Sänger. Man will etwas Tolles leisten und Musik machen. Und das ist gelungen. Der Dirigent Reto Cuonz leitet den Kammerchor Gaudeamus als Nachfolger von Susanne Theiler seit gut einem Jahr. Es war beeindruckend, wie sicher er alle Beteiligten durch Haydns Werk führte. Die Tempi waren zum Teil frech, aber immer den Fähigkeiten der Musizierenden und dem Raum angepasst. Mit absoluter Stilsicherheit gestaltete er die dem Werk eigene Dramatik – er weiss um die Wirkung der Längen der Pausen und Fermaten – und spannte den grossen musikalischen Bogen vom Anfang bis zum Schluss.


Klangliche Ausgewogenheit


Die 27 Sängerinnen und Sänger des 1994 gegründeten Kammerchores Gaudeamus wurden vom Ensemble la fontaine begleitet. Der Dirigent entschied sich für die minimale Besetzung. Damit konnte auch immer die klangliche Balance gehalten werden und es ermöglichte auch die grosse Wendigkeit in den verschiedenen Tempi. Den acht Instrumentalistinnen und Instrumentalisten gelang auch in den zum Teil sehr virtuosen schnellen Passagen ein erstaunlich präzises Zusammenspiel. Sie spielten auf historischen Instrumenten und so waren auch die Oboen – wechselweise Englischhörner – nie zu stark im Vergleich zum übrigen Ensemble. Die klangliche Ausgewogenheit war überhaupt immer gegeben; sei es mit dem Chor oder bei der Begleitung der Solisten. Haydn hat die 13 Teile des Stabat Maters so vertont, wie er es von seinen Vorgängern her kannte, ging aber stilistisch bereits den Weg in die Zukunft. Vieles ist noch in barocker Manier gehalten, aber wie es diesem originellen Komponisten eigen ist, geht er zum Teil neue Wege. Die Texte werden musikalisch ausgedeutet mit einer Chromatik, die schon über die Klassik hinaus in die Romantik weist. Haydn lässt hier bereits seine 30 Jahre später entstandenen Oratorien «Die Schöpfung» und «Die Jahreszeiten» erahnen. Mit den Solopartien waren erfahrene Oratoriensängerinnen und -sänger betraut.


Perfekt synchron


Die Sopranistin Jessica Jans erstaunte mit ihrer klaren Stimme und den sauberen Koloraturen, ebenso wie der Tenor Jakob Pilgram, der in allen Lagen locker und entspannt wirkte. Erstaunlich, wie perfekt synchron die beiden die Koloraturen im Vers «Sancta Mater» sangen. Die Altistin Barbara Erni packte die Zuhörer mit ihrer von den tiefen bis zu den hohen Lagen ausgeglichenen und eindringlichen Stimme und der Bassist Tobias Wicky – von der Stimmlage her eher Bariton – gestaltete gekonnt auch die sehr rasanten Verse und wusste dabei die Spannung zu halten. Der Chor wirkte nicht nur sehr gepflegt mit der sauberen Intonation, sondern war auch in allen Belangen sicher. Die ersten Teile wirkten zwar noch etwas verhalten, aber spätestens vom tänzerisch vertonten Vers «Eja Mater, fons amoris» an spürte man, wie das Singen Spass machte. Die einzelnen Chorstimmen waren gut ausgewogen, die Diktion war meist klar – die etwas befremdlich wirkende Angst vor den Schlusskonsonanten «s» und «t» ist unbegründet – und alle waren rhythmisch standfest und wendig, auch in den schnellen Sätzen.


Einsiedler Anzeiger / ms

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

13.03.2018

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schwyzkultur.ch/qanuPd