Projektchor überzeugte mit anspruchsvollem Programm. Als Baumeisterin dieses Erfolges darf man ruhig die musikalische Leiterin, Agnes Ryser, bezeichnen. Bild Franz Kälin
Projektchor überzeugte mit anspruchsvollem Programm. Als Baumeisterin dieses Erfolges darf man ruhig die musikalische Leiterin, Agnes Ryser, bezeichnen. Bild Franz Kälin

Musik

Projektchor mit überzeugendem Auftritt

Rund 100 Mitwirkende stellten am Sonntagabend vier selten gehörte Werke vor. Ihrer Leistung gebührt Anerkennung und Lob!

90Stimmen in Concert 2010 – der Projektchor steht mit seinem fünften Gesangsprojekt auf der Zielgeraden. Die rund 100 Mitwirkenden laden nach intensiver Probenzeit zu vier Konzerten, zum Auftakt in Pfäffikon und einmal in Horgen sowie zweimal in der Klosterkirche. Das erschöpfend Auskunft gebende Programmheft verspricht «besondere musikalische Leckerbissen». Für die Sänger sind es mit der «Messe Solennelle» von Louis Vierne und dem «Gloria» von John Rutter «zwei Werke, die uns seit den ersten Proben im März in ihren Bann gezogen haben». Da dürfte auch deren Schwierigkeitsgrad Grund für die intensive Beschäftigung gewesen sein, also Herausforderung und Reiz zugleich.

Stille kann wirken

Nach der Premiere in Pfäffikon wartete am Sonntagabend der Auftritt in der Klosterkirche. Mit sympathischen Worten begrüsste Pater Lukas Helg die Besucher aus nah und fern und wünschte sich an diesem Abend ziemlich viel. Das ausgeschaltete Handy war nur der kleinste Wunsch. Er forderte ohne Umschweife: «Vermeiden Sie das Reden, bis Sie wieder draussen sind!» Die Klosterkirche sei kein Konzerthaus oder gar ein Zürcher Hauptbahnhof. Seine Zuhörer schmunzelten – und hielten sich daran! Und erlebten, wie Stille zusätzlich den Konzertgenuss steigern kann. Besonders deutlich zeigte sich dies nach dem furiosen Schluss in Ruthers «Gloria»: Ruhe für eine Ewigkeit, obwohl sie in Wirklichkeit nur einige Sekunden dauerte.

Gute Blechmusik als Auftakt

Für alle Freunde guter Blechmusik stellte der «Feierliche Einzug» von Richard Strauss einen Auftakt nach Mass dar. Der erfolgreiche Komponist zahlreicher Symphonischer Dichtungen hatte diesen Investiturmarsch für Orgel, Blechbläser und Pauke vor hundert Jahren geschrieben. Den Bläsern und dem Organist gelingt eine herrliche Klangverschmelzung, der Posaunenton erinnert an Hornklang, hohe Lagen fordern selbst die Profis. Liebliche Musik mit schlichten Melodien und dichten Harmonien.

Vierne: Orgelsolo und Messe

Mit der «Méditation» stellte Marco Amherd die Musik und Orgelwelt von Louis Vierne vor. Der Organist zu Notre Dame, er hatte sein Leben lang mit dem Augenlicht zu kämpfen, schrieb dieses Werk nicht, er improvisierte an der Orgel, das Spiel wurde auf Schallplatten aufgenommen und erst Jahre später in Noten gefasst. Die Improvisationen wirken verspielt, in der Ferne des Kirchenraums schwebend, enthalten chromatisch geführte Bewegungen und unerwartete Tonsprünge und einen eleganten Schluss. Was muss es 1928 für ein Erlebnis gewesen sein, diese Fantasie des Orgelspiels live mitzuhören! Vierne konzipierte die ursprüngliche Fassung seiner «Messe Solennelle» für Chor und zwei Orgeln.

Idealer Aufführungsort

Somit stellt ein Aufführungsort wie die Klosterkirche mit ihren beiden Orgeln – der Marienorgel zur linken und der Mauritiusorgel zur rechten Seite – geradezu ideale Bedingungen dar für dieses feierliche Werk. Sie erweitern die Klangfülle, bringen eine feierliche, erhabene Note ins Klangbild, allerdings empfinde ich die Lautstärke manchmal als etwas zu laut. Feierlich die Eröffnung mit dem Kyrie, das Gloria wirkt wie ein Frohgesang. Im Sanctus schwebt das Orgelspiel wie eine Wolke über dem Gesang, der vom Sopran geführt wird. Überzeugend das Hosanna. Das Benedictus lädt mit seinen melodiösen Chorpassagen zum Träumen ein. Das Agnus Dei rundet die zuvor erklungene Dramatik zum versöhnlichen Schluss.

Ein musikalisches Feuerwerk

Von Schumanns «Unvollendeter» sagt man, er habe nach zwei Sätzen alles gesagt und deshalb keine weiteren seiner Sinfonie angefügt. Also wollte John Rutter gar viel in seinem «Gloria» mitteilen! Der Engländer schrieb drei Sätze, sein Werk dauert ganze 16 Minuten! Ungewöhnlich, aber wirkungsvoll auch die Besetzung mit Chor, Blechbläserensemble, Orgel und Schlagwerk. D er erste Satz wirkte mit dem schnellen Tempo, allegro vivace, irgendwie reisserisch, wesentlich ruhiger das Andante des zweiten Satzes. Ein Höhepunkt in voller Lautstärke, sonst feierliche, schlichte Musik mit herrlichen

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.11.2010

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schwyzkultur.ch/uWnpRt