«The Swiss Singers» gaben viele Stücke zum Besten. Bild Swiss Singers
«The Swiss Singers» gaben viele Stücke zum Besten. Bild Swiss Singers

Musik

«Stägeli uf, Stägeli ab, juhee»

Dass Einsiedeln die «Kulturhauptstadt» des Kantons ist, wurde am vergangenen Wochenende einmal mehr bestätigt. Das Publikum muss sich entscheiden  und besucht Bekanntes. Ursi Staub, «The Swiss Singers» und Artur Beul hätten mehr Publikum verdient.

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn war der Berichterstatter allein im Grossen Saal des Klosters. Er fragte sich schon, ob der Konzertabend wohl stattfinden würde. Nach und nach fanden sich gut 50 Besucher ein. Ursi Staub, die Moderatorin des Abends, äusserte schon früh die Besorgnis, dass das Konzert wohl vor nicht halb vollem Saal vonstatten gehen würde. Sie sollte leider recht behalten. Einsiedler waren keine zehn auszumachen, die lauschten ganz sicher den Klängen des Orchestervereins, der sein Jubiläumskonzert zum gleichen Zeitpunkt abhielt. Bei solch einer Terminkollision kann es nur Verlierer geben, zumal das Beul-Konzert ja vor nicht allzu langer Zeit schon im «Chärnehus» vor ausverkauften Rängen über die Bühne ging. Schade drum, die Sängerinnen und Roger Näf am Flügel, aber auch Ursi Staub als Moderatorin, boten einen grossartigen Abend.

Erfolgreichster Komponist

Nach dem Beginn mit den zwei Liedern «Siebe chlini Äntli» und «Schneewittli und die siebä Zwer gli» beleuchtete Ursi Staub gekonnt Leben und Werk des gebürtigen Einsiedlers Artur Beul, der hundert Jahre alt geworden wäre. Sie wurde immer wieder von «The Swiss Singers» abgelöst, die die Lieder mit einem Lächeln auf dem Gesicht darboten. Sie zeigten in keinem Moment, dass sie ob des kleinen Publikumsaufmarsches enttäuscht sein könnten. Sie und Roger Näf legten sich ins Zeug, hauchten den doch schon einige Jahrzehnte alten Liedern Leben ein. Das vorwiegend «gesetztere» Publikum wurde gekonnt in die Kindheit zurückversetzt, als die Geschwister Schmid mit Beuls Kompositionen populär wurden und einen Hit nach dem andern landeten. Ja, Ursi Staub konnte gar vermelden, dass «Nach äm Räge schiint Sunne» in den USA damals wochenlang die Nummer 1 gewesen war  natürlich in einer englischen Version. Die Sängerinnen interpretierten diesen «Hit» charmant und gekonnt in drei Sprachen  in entsprechender Aufmachung. Die Moderatorin beleuchtete verschiedene Phasen von Beuls Leben. So sei er kein guter Geschäftsmann gewesen. Seinen ersten Plattenvertrag erhielt er erst auf Druck der Geschwister Schmid. Als seine Lieder nicht mehr so erfolgreich waren, ging er nach Südfrankreich und malte Bilder, die er gut verkaufte. Der Mann sei auch von Heimweh geplagt gewesen  und so kam es vor, dass er am gleichen Tag von Südfrankreich nach Hause fuhr, um am späten Abend wieder an der Côte d'Azur zu sein. Eine Geige, mit der er nichts anfangen konnte, baute er zu einer Lampe um, die den Eingang seines Hauses erhellte.

Kosten kaum hereingesungen

Unzählige Lieder gaben die «Swiss Singers» zum Besten  so auch «Am Himmel stoht äs Stärnli z' Nacht», das Artur seiner ersten Liebe Trudi widmete. Sogar in den Genuss einer Zugabe kam das dankbare Publikum. Und dann war der Abend Geschichte. Keine gute Geschichte, denn der Abend dürfte die Kosten kaum hereingesungen haben. Schade.

Einsiedler Anzeiger (lj)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

01.11.2016

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schwyzkultur.ch/eQNbQ7