«Wenn Pavarotti sang, war das, wie wenn die Sonne aufgeht», sagt Opernsängerin Ursula Ferri. Foto: Philipp Fanchini
«Wenn Pavarotti sang, war das, wie wenn die Sonne aufgeht», sagt Opernsängerin Ursula Ferri. Foto: Philipp Fanchini

Musik

Ursula Ferri: «Perfektion führt zu Langeweile»

Am 31. Juli singt und veranstaltet die Opernsängerin Ursula Ferri ein Konzert im Kloster Einsiedeln. Der EA traf einen Opernstar ohne Allüren.

«Als ich noch jung war, befand ich mich vor allem auf der linken Seite des politischen Spektrums», sagt die international tätige Opernsängerin Ursula Ferri, und macht gleich klar, dass sie ein politischer Mensch ist. «Ich liebe die Musik und die Oper, aber sie sind nicht alles für mich – das Leben hält so viel Wunderbares und Interessantes bereit.» Auf das Konzert in der Klosterkirche freut sich Ferri besonders: «Ich singe sehr selten in der Schweiz und in Einsiedeln stand ich noch nie auf einer Bühne.» Neben den grossen Opernhäusern der Welt wird die im Kanton Thurgau aufgewachsene Ferri am 31. Juli für einmal im Kloster Einsiedeln ein Programm aus geistlichen Werken präsentieren.

Klassik zum Kennenlernen

Als versierte Sängerin von Opern und Konzerten bezeichnet die Eggerin das Programm als ideal, um klassische Musik kennenzulernen: «Es wird eine Art Hitparade der Klassik.» Die Werke seien aber vor allem gesangstechnisch nicht zu unterschätzen: «Die Ave Maria sind sehr schwierig zu singen, wenn man sie gut bringen möchte.» Das Programm bestreitet Ferri zusammen mit Nicolas Giusti an der Orgel und ihrem Freund Vsevolod Grivnov aus Moskau. Auch er ein international bekannter Opernsänger.

Zufällig nach Egg gefunden

Nach Egg hat Ferri durch Zufall gefunden: «Ich hatte ein festes Engagement am Opernhaus Zürich und wollte nicht direkt in der Stadt wohnen.» Aus der Zeitung habe sie von einem zu kaufenden Haus in Egg erfahren, sich das Ganze angeschaut und sofort zugesagt: «Es ist ein Haus mit zwei Wohnungen, an einer wunderbaren Lage, viel Natur, das passt mir sehr gut», sagt die Opernsängerin, die für ihre Engagements immer wieder die Schweiz verlässt. «So schaut immer jemand zum Haus, und alles ist in Ordnung wenn ich Heim komme.»

Vielfältig interessiert

Neben der Oper interessiert sich Ferri für alles was Menschen und Tiere betrifft und eben auch sehr für Politik. Ihre vielen Reisen und das Leben im Ausland hätten sie zum Patrioten gemacht, sagt sie, bezeichnet die Weltwoche als eine ihrer Lieblingslektüren und meint, dass die Schweizer – vor allem die Politiker – mehr Sorge zu ihrem Land tragen sollten. «Wenn man wie ich erlebt hat, wie es in einigen Ländern teils zugeht, lernt man erst so richtig zu schätzen, wie schön wir es in unserem kleinen Land haben.» Auch einen Einblick in die Welt der Oper gewährt die Altistin mit dem unvergleichlichen Stimmumfang: «Ich kann so tief singen, wie ein Mann und habe in der Klassik eigentlich noch niemanden in dieser Beziehung Vergleichbares gehört.»

Keine Allüren

Allüren zeigt Ferri wegen ihrer Tätigkeit und ihres Könnens aber keine, meint aber überzeugt: «Ich wusste schon früh, dass ich einmal Musikerin und Sängerin werden will.» Vom Glanz der Oper dürfe man sich nicht täuschen lassen, meint Ferri. Hinter den Kulissen des Opernbetriebes laufe es alles andere als gefühlvoll ab: «Es ist ein äusserst harter Konkurrenzkampf und wie überall wird nicht immer mit fairen Mitteln gearbeitet.» Vor allem zu Beginn ihrer Karriere sei sie des öfteren klein gehalten worden. «Das passiert jedem Künstler in diesem Geschäft.» Ausserdem nehme der Druck auf Musiker und vor allem Sänger stetig zu: Dem fehlerfreien Singen wird sehr viel an Ausdruck und Spontanität geopfert: «Ich bin schon öfters aus einer besuchten Opernaufführung in der Pause nach Hause gegangen, weil es mich einfach nicht berührt hat und ich mich gelangweilt habe,» sagt Ferri und ergänzt: «Perfekter Gesang wird meist langweilig.»

«Wie wenn die Sonne aufgeht»

Früher sei das ganz anders gewesen. Auch perfekte Opernsänger haben die Menschen vor allem mit Gefühl und nicht mit blosser Technik überzeugt. «Maria Callas verkörperte Leid und Tragödie perfekt und wenn Luciano Pavarotti gesungen hat, war das, wie wenn die Sonne aufgeht.» Gerade vom Startenor war Ferri früher nicht so beeindruckt, bis sie ihn live auf der Bühne gesehen habe: «Das ist eben der Unterschied zwischen der Konserve, die künstlich retouchiert wurde und dem Erlebnis

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

20.07.2010

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schwyzkultur.ch/FiR5kS