Das Zusammenspiel klappte bestens: Links die Mitglieder der Let's go Big Band, rechts die Dorfspatzen Oberägeri. Bild Franz Kälin
Das Zusammenspiel klappte bestens: Links die Mitglieder der Let's go Big Band, rechts die Dorfspatzen Oberägeri. Bild Franz Kälin

Musik

Wenn sich Musikstile treffen: Swing und Polka

Am 28. Oktober konzertierte die Let's Go Big Band zusammen mit den Dorfspatzen Oberägeri in Einsiedeln, zwei Formationen von zwei Musikrichtungen, welche für gewöhnlich nicht in die gleiche Sparte eingereiht werden.

Die von Markus Steimen auf sichere Art dirigierten «Dorfspatzen Oberägeri» gesellten sich zur einheimischen «Let's Go Big Band» unter der spartengerechten Leitung von Erwin Füchslin zum gemeinsamen Konzert. Die um 1830 in Böhmen erwachte Polka stellte sich neben den in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts aufgekommenen Swing. Wenn zwei Spitzenformationen, von ihrem Spiel her grundverschiedenen Ursprungs, versuchen, zu verschmelzen, kann ein besonderes Ereignis erwartet werden. Ein interessiert lauschendes Publikum liess sich diesen Versuch nicht entgehen.

Zum Programm

Aus dem 22 Stücke umfassenden Programm seien hier ein paar herausgegriffen. Stilgerecht eröffnete die «Let's Go Big Band» den Konzertreigen. Mit einem zügig vorgetragenen Marsch stellten sich die «Dorfspatzen Oberägeri» vor. Ein Ohrenschmaus ist immer wieder das von der Big Band gespielte «Sweet Georgia Brown». Gekonnt ergänzten sich im gehörten Vortrag Keyboard und Gitarre. Darauf führten die Dorfspatzen die «Küchenschlacht» von Evzen Zamecnik auf. Mit diesem und einem weiteren Stück holten sie sich am 11. September anlässlich der Blaskapellen-Schweizermeisterschaft den verdienten Siegespreis. Das Publikum quittierte mit häufigem Zwischenapplaus die glänzende Präsentation des immer wieder gern gehörten «A String of Pearls» des unvergesslichen Glenn Millers. Ein Glücksfall ist es für die Dorfspatzen, dass sie in ihren Reihen einen meisterhaften Arrangeur in der Person von Markus Zürcher wissen. Ihm ist es zum Beispiel zu verdanken, dass die eingeschobenen Maffay-Songs, von Silvio Flory mit viel Gefühl vorgetragen, nicht gar zu sehr als Fremdkörper aufgenommen wurden.

Originell

Sehr originell gelöst wurde das Problem des Fehlens eines Dudelsacks beim «Dudacka». Die brillanten Klarinette-Solisten, gepaart mit der Querflöte, liessen das Originalinstrument gar nicht vermissen. Etwas zusätzliche Farbe brachte Anne Maria Schmid mit ihrem swingenden Gesang in die Vorträge der Big Band. Nach der Pause bewiesen die Oberägerer Bläser, dass sie die Varianten der lieblich, einschmeichelnden böhmischen Musik zu meistern verstehen. Ein klassisches Beispiel lieferten Tobias Iten und Willy Odermatt im beeindruckenden Auftritt mit ihren Euphonien ab. In einem späteren Vortrag liessen die Dorfspatzen auch den mährischen Stil als leichtfüssige, wie junges Wild wirkende Musik erklingen. Rassig, zügig, mitreissend klang es durch den Saal. In «How high the Moon» von Morgan Lewis war das vortreffliche Spiel der Posaunisten zu geniessen. Die Flötistin meisterte ihren Part im «Besame Mucho» vorzüglich. Man vermisste einzig etwas das anschmeichelnde, südländische Schwingen. Die Formationen waren mit Zugaben gut vorbereitet auf das sehr gut mitgehende Publikum.

Abwechslungsreich

Originell klang «Alte und neue Kameraden», von Markus Zürcher arrangiert. Abwechslung erlebten die Zuhörer erneut mit dem von Louis Prima und auch Benny Goodman arrangierten «Sing, Sing, Sing». Wie als Begleit auf den Heimweg klang zum Konzertabschluss «Nimm dir chli Zyt». Obwohl jede Formation für sich in ihren Anhängerkreisen bekannt war, zeigten an diesem Abend beide, dank ihrem Können, dass verschiedene Musikstile durchaus Eins werden können. Der Versuch wurde zu einem genussvollen Erlebnis. Bekanntlich kann Musik Brücken schlagen. Die Musiker bewiesen an diesem Abend, dass solches auch in den Musikstilen möglich ist.

Einsiedler Anzeiger (heka)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

01.11.2016

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schwyzkultur.ch/tERxu2