Zweieinhalb Kilogramm schwer und 412 Seiten dick: Susanne Theiler und die Partitur für «Jesus Christ Superstar». Bild Victor Kälin
Zweieinhalb Kilogramm schwer und 412 Seiten dick: Susanne Theiler und die Partitur für «Jesus Christ Superstar». Bild Victor Kälin

Musik

«Wir kriegen selbst Hühnerhaut»

Susanne Theiler dirigiert ein 150-köpfiges Ensemble für die Rockoper «Jesus Christ Superstar» Viele kennen «Jesus Christ Superstar». Doch kaum jemand so gut wie Susanne Theiler. Die 44-Jährige dirigiert an den nächsten beiden Wochenenden die 1971 von Andrew Lloyd Webber komponierte Rockoper.

Nicht irgendwo wird «Jesus Christ Superstar» aufgeführt, sondern in kirchlichen Räumen unter anderem zweimal im Kloster Einsiedeln. «Das ist meines Wissens einmalig», hebt Gesamtleiter Patrick Schönbächler die besondere Bedeutung der Einsiedler Inszenierung hervor. Die Vertonung der letzten Tage Jesu ist zwar in allen Konzertsälen der Welt zu hören, nur nicht in Kirchen. Und so fühlt sich die musikalische Leiterin Susanne Theiler schlichtweg «privilegiert, dass wir mit der Wood & Metal Connection diese Rockoper auch in der Klosterkirche aufführen dürfen».

Ein beeindruckendes Volumen

Das gesamte Werk wird in der Originalfassung für ein grosses Orchester zu hören sein. Das ist nicht übertrieben: Bei der Wood & Metal Connection spielen 60 Musiker, in den beiden Chören Vocal Joy (35) und Projektchor (50) singen über 80 Personen und überstrahlt wird das alles von den fünf Solisten Fabrice Pasche (Jesus), Patrick Biagioli (Judas / Herodes), Isabelle Stettler (Maria Magdalena), Daniel Raaflaub (Simon / Petrus / Annas) sowie Andrés Balzanelli (Caiaphas / Pilatus). «Es sind alles profilierte Solisten», schwärmt Susanne Theiler. «Und dann noch diese fantastische Musik in den einmaligen sakralen Räumen!» da wundert es nicht, dass selbst die Mitwirkenden «Hühnerhaut kriegen». Das Gesamtvolumen des 150-köpfigen Klangkörpers beeindruckt aber nicht nur die Laien, sondern auch eine erfahrene Dirigentin wie Susanne Theiler.

Budget bei 70'000 Franken

Das Budget für «Jesus Christ Superstar» bewegt sich bei 70'000 Franken. Gedeckt werden soll der Aufwand mit Kollekten und Sponsoren. «Wir stiessen auf offene Ohren», freut sich Susanne Theiler. «Viele der Angefragten haben zu ‹Jesus Christ Superstar› eine persönliche Beziehung. Und dass wir ein so bekanntes Werk in der Klos terkirche aufführen können, erwies sich als Magnet, der bei den Sponsoren die Wirkung offensichtlich nicht verfehlte.»

Zusage nicht selbstverständlich

DieAnfrage an die Einsiedler Klostergemeinschaft ist nach Abklärung der Aufführungsrechte denn auch einer der ersten Schritte der mittlerweile rund zweijährigen Vorbereitungszeit gewesen. «Die Zustimmung», so Theiler, «war für uns die Voraussetzung, dieses Projekt überhaupt umsetzen zu können.» Der Reiz liege gerade darin, die letzten sieben Tage Jesu auf Erden in einer Kirche aufzuführen. Aufgrund früherer Auftritte wussten die Mönche, worauf sie sich mit der Wood & Metal Connection einlassen würden. «Dem Kloster ist auch bekannt, dass die Texte in Anlehnung an die Bibelerzählung geschrieben wurden und wir den Besuchern Jesu Geschichte erzählen und sie damit hoffentlich berühren können.» Die Zustimmung des Klosters ist für die musikalische Leiterin dennoch alles andere als selbstverständlich: «Auch wenn wir uns be mühen, die internen Abläufe nicht zu stören, bleiben wir ein Fremdkörper und noch dazu ein grosser.» Das lässt sich nur schon an der mobilen Stehrampe für den über 80-köpfigen Chor ermessen, die Mitsänger Franz Bürgler extra für dieses Projekt anfertigte: Auf- und Abbau brauchen jedes Mal zahlreiche helfende Hände.

Der Funke ist gesprungen

Wenn morgen Samstag und übermorgen Sonntag «Jesus Christ Superstar» in Zug und in Einsiedeln erstmals aufgeführt wird, hat Susanne Theiler 65 Proben geleitet und unzählige Stunden mit dem Studium der Partitur verbracht. Die Atmosphäre stimme, sagt sie. Und sie weiss, dass alle Beteiligten ihre Leistung werden abrufen und sich gegenseitig beflügeln können. «Der Funke ist gesprungen. Jetzt hoffen wir, dass sich unser Feuer auch auf das Publikum überträgt.»

Aufführungen

Samstag, 9. April, 20 Uhr, St. Johannes-Kirche Zug;

Sonntag, 10. und 17. April, 18.30 Uhr Klosterkirche Einsiedeln;

Samstag, 16. April, 20 Uhr, Pfarrkirche Seewen

www.jesus-christ-superstar.ch

Einsiedler Anzeiger (Vi)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

08.04.2016

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schwyzkultur.ch/1x2Nh9