Sebastian Rauchenstein führte auf ruhige Art die Grosser Musikanten. Foto: René Steiner
Sebastian Rauchenstein führte auf ruhige Art die Grosser Musikanten. Foto: René Steiner

Musik

«Sagen rund um Einsiedeln»: Sagenhaft gut gespielt und packend erzählt

Am Samstag erfreute die Feldmusik Gross ihre dankbaren Besucher mit zwei Auftritten in der Jugendkirche Einsiedeln. Packend erzählte Geschichten wechselten sich mit ausdrucksvoll gespielten Vorträgen ab.

Endlich wieder mal reale Konzertwelt! Irgendwie fühlte es sich seltsam an, einem «richtigen» Konzert beizuwohnen. Kein Bildschirm, kein Computer, natürliche Abstände, erwartungsfrohe Musikantinnen und Musikanten und ein kleines, doch dankbares Publikum, das Präsidentin Ramona Kälin mit einer kurzen und sympathisch gehaltenen Begrüssung empfing.

Homogener Ausdruck


Mit «Die Reiter von Saignelégier» gelang dem Schweizer Komponisten Hans Moeckel ein grosser Wurf. Darin beschrieb er den «Marché-Concours national de chevaux», ein bekanntes Treffen der Pferdefreunde mit nationaler Ausstrahlung. Ein Anlass, den man etwa mit der hiesigen Viehausstellung vergleichen kann. Moeckels Werk schildert das bunte Treiben rund um die Pferde und lässt sie tänzeln, rennen, traben, ausfahren. Nur scheint das Anhalten nicht so leicht zu gelingen. Die Grosser Musikanten lassen ihre Zuhörer in diese Musikwelt eintauchen, spielen leicht und lüpfig, das Spiel geht vorwärts und lässt keine Langeweile aufkommen. Auffallend und wohlgefällig der ausgeglichene Klang! Auf ruhige Art führt Dirigent Sebastian Rauchenstein seine Musikanten sicher und verlässlich durch das Werk. Seine Impulse setzen die Spieler um und sorgen für eine überzeugende Interpretation! Diese Merkmale homogenen Musizierens und dem Werk angepasste – frische – Tempowahl durften die Besucher bei allen Werken feststellen und geniessen. Etwa in der Suite mit den vier alten Tänzen von Jan van der Roost, aber auch mit «A thousand years». Und selbst den Dixie als Zugabe empfand man überhaupt nicht als störend. Die Grosser scheinen musikalisch rundum «gut drauf» zu sein.

Sagenhaftes rund ums Kloster


Ob da auch die vorgetragenen Geschichten das Ihre zum gelungenen Auftritt beitrugen? Vielleicht. Mit mehreren Einlagen schuf Felix Ochsner als Erzähler eine Brücke zur Welt der Geheimnisse, zu zweifelhaften Wesen und seltsamen Ereignissen – Wunder, wenn man so will. Da war die Geschichte des Sankt Meinrads, Verzeihung Meginrats, ausgeschmückt mit Stoff, der dem Reich der Legende zuzuordnen ist. Schliesslich die treuen Raben mit ihrer Treue und Hartnäckigkeit als sagenhaften Anhang dieses Lokalereignisses. Kenner wissen, dass es dazu mehrere Versionen gibt. Dies gilt auch für Grenzausmarchung bei der Chriegmatt zwischen Einsiedlern und Schwyzern. Ob Galgenholz – Holz an einem Galgen abgeschabt – oder Marienholz – abgeschabt im Kloster, da halten wir es doch mit dem genesenen Urner, dass Glaube selig macht. All diesen Sagen ist gemeinsam: spannend, urchig, «kurlig», manchmal gar etwas gruselig. So auch die Hintergründe zum schönen Chorgitter im Kloster. Dazu passte die «Amboss-Polka » bestens, zu dieser wiederum leicht und flüssig vorgetragenen Polka von Albert Parlow sei die auffallend schön spielende Tenorlage speziell erwähnt. Mit «Schwyzer Soldaten» fand das gelungene Konzert nach 50 Minuten seinen beschwingten Abschluss. Übrigens: Ernst Lüthold schrieb diesen beliebten Marsch 1961, da wäre also ein 60. Geburtstag zu feiern.

Einsiedler Anzeiger / René Steiner

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

06.07.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/yWbwsR