Werner Kälin und seine Frau Mona Birchler geniessen eine wunderschöne Aussicht vom Katzenstrick aus hinunter auf das Klosterdorf. Sitz ihres neuen Vereins «Zur frohen Aussicht» ist Einsiedeln. Bilder Magnus Leibundgut
Werner Kälin und seine Frau Mona Birchler geniessen eine wunderschöne Aussicht vom Katzenstrick aus hinunter auf das Klosterdorf. Sitz ihres neuen Vereins «Zur frohen Aussicht» ist Einsiedeln. Bilder Magnus Leibundgut
Im Haus auf dem Katzenstrick ist bereits die Privatschule «Casa Vitura» untergebracht. Neu befindet sich auch das Vereinslokal des Vereins «Zur frohen Aussicht» im Gebäude.
Im Haus auf dem Katzenstrick ist bereits die Privatschule «Casa Vitura» untergebracht. Neu befindet sich auch das Vereinslokal des Vereins «Zur frohen Aussicht» im Gebäude.
Im früheren Haus auf dem Katzenstrick war das Restaurant «Zur frohen Aussicht» untergebracht und hat Wanderer verköstigt. Foto: zvg
Im früheren Haus auf dem Katzenstrick war das Restaurant «Zur frohen Aussicht» untergebracht und hat Wanderer verköstigt. Foto: zvg
Eine «Nutzungserweiterung» im Fokus: Um einen Raum, der von der Tagesschule «Casa Vitura» benutzt wird, auch als Vereinslokal für den Verein «Zur frohen Aussicht» brauchen zu dürfen, haben Mona Birchler und Werner Kälin beim Bezirk Einsiedeln ein «Baugesuch ausserhalb der Bauzonen» einreichen müssen.
Eine «Nutzungserweiterung» im Fokus: Um einen Raum, der von der Tagesschule «Casa Vitura» benutzt wird, auch als Vereinslokal für den Verein «Zur frohen Aussicht» brauchen zu dürfen, haben Mona Birchler und Werner Kälin beim Bezirk Einsiedeln ein «Baugesuch ausserhalb der Bauzonen» einreichen müssen.
Das Werk «Da ist dort» von Zeno Schneider auf dem Katzenstrick.
Das Werk «Da ist dort» von Zeno Schneider auf dem Katzenstrick.

Dies & Das

Verein bringt mehr Unterstützung für die Kultur im Klosterdorf

Unverhofft wird am 1. August in Einsiedeln ein neuer Verein namens «Zur frohen Aussicht» gegründet: Die Präsidentin Mona Birchler und das Vorstandsmitglied Werner Kälin schildern, in welcher Art und Weise die Kultur im Mittelpunkt des Vereins stehen soll.

Aller Anfang ist schwer: Um ein Lokal für den neuen Verein «Zur frohen Aussicht» einrichten zu können, muss zuerst eine Bewilligung seitens des Bezirks Einsiedeln eingeholt werden. Eigentlich wollte Mona Birchler nur ein Gesuch für eine Ausschankbewilligung beim Bezirk Einsiedeln einreichen. Damit hat die Vereinspräsidentin wohl schlafende Hunde geweckt: Jetzt musste der Verein beim Bezirk ein «Baugesuch ausserhalb der Bauzonen» einreichen, obwohl gar nichts gebaut wird, sondern nur eine Nutzungserweiterung eines Raumes im Haus auf dem Katzenstrick ansteht.

«Eine Besenbeiz zu betreiben, ist kein Thema für uns»


Stein des Anstosses ist ein Raum, in dem die Kinder der Privatschule «Casa Vitura» essen und zeitweise lernen. Abends, mittwochs und am Wochenende steht der Raum leer: «Deswegen eignet sich dieser Raum bestens, um darin unser Vereinslokal einrichten zu können», schildert Werner Kälin, der als Vorstandsmitglied und Hausbesitzer im Verein für die Koordination des Programmes und der Projekte zuständig ist. Bevor also denn das Vereinslokal definitiv eingeweiht werden kann, muss abgewartet werden, ob es Einsprachen gibt. Dann wird eventuell überdies der Bezirk den Raum aus feuerpolizeilichen Gründen abnehmen – zum dritten Mal. Dass aus dem Vereinslokal dereinst ein Restaurant entstehen soll, steht allerdings weniger im Interesse des Vereins. Obwohl das gar nicht so abwegig wäre: Immerhin heisst der Verein genau gleich wie die Beiz, die im ehemaligen Haus auf dem Katzenstrick untergebracht war und Wanderer mit Wein, Kaffee und Bier verköstigt hat: «Zur frohen Aussicht». «Um nur schon eine Bewilligung für den Betrieb einer Besenbeiz zu erhalten, müssten wir hohe Auflagen erfüllen», führt Kälin aus: «Wir müssten im Mindesten einen Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb führen und eigene Produkte anbieten.» Was erlaubt wäre in diesem Vereinslokal, ist die Durchführung von Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und Gesprächsrunden. «Ein konkretes Programm haben wir noch nicht», konstatiert Birchler: Erst müsse sich der Verein konstituieren.

«Politik hat einen schweren Stand im Klosterdorf»


Fest steht indes, dass es vier Sparten geben wird, die im Fokus des Vereins stehen sollen: Kunst, Musik, Literatur und Kamingespräche: «Vorstellbar ist, dass wir politische Diskussionsabende durchführen, die auch offen sein sollen für Leute, die nicht Vereinsmitglied sind», erklärt die Präsidentin. Einen Stammtisch gibt es jedenfalls bereits im angesagten Vereinslokal. «Politik hat einen schweren Stand im Klosterdorf», erläutert Kälin: Einerseits gebe es in Einsiedeln kaum Beizen mehr, in denen ungehemmt politisiert werde. Andererseits stellt der Architekt fest, dass es einen Graben, eine Distanz, eine Entfremdung zwischen der Bevölkerung und dem Rathaus des Bezirks gebe. «Mir kommt es so vor, dass das Rathaus an die Stelle des Klosters getreten ist, dem Leute unten im Dorf in früheren Zeiten eher distanziert gegenüber gestanden sind», sagt Birchler. Wie kommt es denn überhaupt zur Gründung eines weiteren Kulturvereins in Einsiedeln? Liegt das kulturelle Leben darnieder im Klosterdorf? «Überhaupt nicht», antwortet Birchler: Einsiedeln verfüge schliesslich über eine äusserst lebendige und reichhaltige Kulturszene. «Es braucht hingegen mehr Unterstützung für die Kultur im Klosterdorf», betont die Präsidentin: «Es fehlt an der Anerkennung, an Wertschätzung der Kultur aufseiten des Kantons Schwyz und des Bezirks Einsiedeln. Die Behörden betrachten Kultur oftmals als einen Luxus. Ihnen fehlt die Einsicht, dass Kultur etwas Lebensnotwendiges ist.»

«Es fehlt in Einsiedeln eine Plattform für junge Künstler»


Kälin will dieses Defizit seitens des Bezirks und des Kantons nicht einfach nur am Geld und an den tiefen Kulturbudgets der Behörden festmachen: «Ich vermisse vielmehr eine Offenheit dieser Gremien der Kultur gegenüber. » Es fehle an Räumen, in denen Kultur über die Bühne gehen könnte: «Zum Beispiel gibt es im Klosterdorf kaum Plattformen für junge Musiker, um auftreten zu können.» Schön wäre es doch, wenn auf dem Katzenstrick ein Ort entstehen würde, an dem Musiker Konzerte geben könnten. «Ein kleines Mauzli etwa wäre ideal», meint Werner Kälin.

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

30.07.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/dsTJU2