Nur per Zufall erhalten: Museumsleiterin Detta Kälin zeigt eine der seltenen Stachelkugeln. Sie symbolisiert mit einfachsten Mitteln die Gebärmutter und die Schmerzen bei der Geburt. Bild Silvia Camenzind
Nur per Zufall erhalten: Museumsleiterin Detta Kälin zeigt eine der seltenen Stachelkugeln. Sie symbolisiert mit einfachsten Mitteln die Gebärmutter und die Schmerzen bei der Geburt. Bild Silvia Camenzind

Volkskultur

2000 Wunder protokolliert

Auch die zweite Ausstellung widmet das Museum Fram Einsiedeln. Diesmal geht es um Zauberei, Magie und 2000 Wunder im Klosterdorf. Der Besucher entdeckt, wie fliessend der Übergang vom Glauben zum Aberglauben ist.

Drei Rosskastanien in der Hosentasche mitgetragen helfen gegen Rheumatismus. Das Karfreitagsei fault nie. Auf dem Estrich schützt es das Haus vor Blitzeinschlag. Ein Agatharingli wird noch heute als Schutz vor Bränden in die Stube gehängt. Das sind nur 3 von rund 200 Exponaten der aktuellen Fram-Ausstellung. Sie zeigt deutlich, wie Menschen in Angst und Not im Glauben und Aberglauben Zuflucht fanden und heute noch finden. Die Volksfrömmigkeit kannte keine scharfen Grenzen, die Übergänge waren fliessend trotz Intervention der Kirche. Aus Sicht der Theologie war klar: Magie, Zauberei und Amulette sind Aberglaube, ihre Anwendung eine Sünde.

Bildchen zum Schlucken

«Der Glaube und der Aberglaube gingen Hand in Hand», sagt Museumsleiterin Detta Kälin. Sie zeigt dem Publikum auf, zu welchen Massnahmen und Strategien die Menschen des 17. bis 20. Jahrhunderts in Not undAngst griffen. So kann man heute staunen über die Schluckbildchen, die Mensch oder Tier bei Krankheit einnahmen, oder das Lussäckli, ein mit Heublumen gefülltes Säcklein, das man gegen Ungeziefer und Verhexung auf sich trug. Dann gab es winzig kleine Zauberbücher. Wer eines auf sich trug, war vor dem Bösen geschützt.

Krücken als Opfergabe

Wunder sind in der Katholischen Kirche ausserordentliche Ereignisse göttlichen Handelns, die sich mit den bekannten naturwissenschaftlichen Gesetzen der Zeit nicht erklären lassen. Sie offenbaren sich nur dem Glaubenden als Zeichen Gottes. Das Kloster Einsiedeln veranlasste im 17. Jahrhundert die strenge Prüfung allerWunder, zuständig dafür war Pater Notarius. Die Wunder wurden ins Mirakelbuch aufgenommen. Im Laufe der Zeit wurden rund 2000 Wunder protokolliert. Die Gläubigen dankten am Gnadenort Einsiedeln für ein erlebtesWunder. Ex Votos (aus dem Versprechen heraus) sind Bilder, welche die Dankbarkeit für ein erlebtes Wunder bekunden. Geopfert wurden meist kleine, erschwingliche Gegenstände ausWachs, Holz oder Ton, aber auch Krücken,Bargeld oder Kerzen. Dazu Bilder mit Dankesworten: «Maria hat geholfen. Maria hilft immer.»

Glaube und Aberglaube

Detta Kälin bezeichnet diesen Bereich der Ausstellung als sehr berührend. Die Ausstellungsmacherin gab gestern an der Eröffnung zu bedenken, dass «die Kirche» stets als starres Gebilde wahrgenommen werde, es aber nie war, was die Ausstellung deutlich aufzeigt. Tatsächlich gibt die Ausstellung dem Besucher einen Denkanstoss für den Umgang mit Glaube und Aberglaube heute und zeigt in Exponaten frappante Parallelen zu anderen Kulturen auf.

Infos

www.fram-einsiedeln.ch

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

29.04.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/pFPQyT