Die mit den Jahren hart gewordenen Klöppel müssen ersetzt werden. Bruder Alexander Schlachter zeigt bei der Dreifaltigkeitsglocke auf die Schwachstelle des Klöppels. Bild Victor Kälin
Die mit den Jahren hart gewordenen Klöppel müssen ersetzt werden. Bruder Alexander Schlachter zeigt bei der Dreifaltigkeitsglocke auf die Schwachstelle des Klöppels. Bild Victor Kälin

Volkskultur

«Das Glockengeläut des Klosters ist Musik für mich»

Die zwölf Glocken der Einsiedler Klosterkirche müssen saniert werden. Bruder Alexander Schlachter gibt Einblicke in eine Welt, die zwar alle hören, aber dennoch keiner kennt.

Wer auch immer mit den Glocken des Klosters zu tun hat, sollte von guter Kondition und schwindelfrei sein. Steil aufwärts und abwärts gehts in den beiden Kirchtürmen, vorbei an Fenstern, welche in luftiger Höhe eine spektakuläre Aussicht erlauben. Hier oben hängen sie,die zwölf Glocken des Klosters Einsiedeln. Überraschenderweise hängen die Glocken nicht nur im Nord- (7 Stück) und Südturm (1) der Klosterkirche, sondern auch in den beiden Dachreitern über der Gnadenkapelle (2) und dem Oberen Chor (2). Im Gnadenkapelltürmchen hängt die kleinste aller Klosterglocken. Im Verbund mit der Agatha-Glocke im Nordturm kommt sie bei schweren Gewittern zum Einsatz. «Wenn es aber richtig stürmt», schmunzelt Bruder Alexander, «dürfte sie aber kaum mehr zu hören sein.»

Dreifaltigkeitsglocke

Das Pendant zur kleinsten ist die grösste Glocke. Sie heisst Dreifaltigkeitsglocke, hängt im Südturm und wiegt 5,9 Tonnen – wobei das Gewicht nicht einmal der Klosterglöckner bestätigen kann. Er habe diese Angabe von seinem Vorgänger, dem legendären Einsiedler Pater Rupert Ruhstaller so übernommen. Man sagt von der Dreifaltigkeitsglocke zudem, dass sie die fünftgrösste der Schweiz sei. Im Nordturm gibts gleich sieben Glocken, wobei die Salve-Glocke am meisten strapaziert wird: Sie ist täglich um 16.50 Uhr zu hören.

«Besondere Feierlichkeit»

Einige dieser Glocken haben eine spezielle Aufgabe: So kündet zum Beispiel die grosse Glocke den Tod eines Mönchs an, weitere Glocken werden je nach Jahreszeit und Rang des Festes zur Wandlung geläutet. Eine so grosse Zahl von Glocken hat den Sinn nicht darin, dass immer alle miteinander läuten. Bruder Alexander verweist auf die verschiedenen Kombinationen und Abfolgen, welche in der Läutordnung festgelegt sind: Sie würden den speziellen Charakter eines Tages verkünden und begleiten. Angefangen vom einfachen Tag der Fastenzeit über die Gedenk- und Festtage der Heiligen bis hin zu den Hochfesten des Kirchenjahres; so könne der aufmerksame Zuhörer jeweils feststellen, was für ein Fest gefeiert würde.

Das ist Musik

Den Passanten erschliesst sich der Klang der Glocken aber nicht so einfach. «Das ist kein Bim-Bam»,schwärmt Bruder Alexander Schlachter, «das ist Musik. Eine solche Feierlichkeit gibt es sonst nirgendwo in der Schweiz.» Wobei er in erster Linie an die grossen Christus-Feste denkt, an denen alle zwölf Glocken miteinander erklingen.

Sanierung unumgänglich

Obwohl unterschiedlich alt, nagt der Zahn der Zeit doch an allen Glocken zugleich. Eine Sanierung ist unumgänglich, will man nicht grössere Schäden riskieren. Die mit den Jahren hart gewordenen Klöppel müssen ersetzt werden, bevor sie bei den Glocken zu Rissen führen. Und zugleich werden die Metalljoche durch hölzerne ersetzt, was dem ursprünglichen Zustand entspricht. «Die Metalljoche leiten den Ton der Glocke weiter und verändern ihn», erklärt Bruder Alexander Schlachter. Einer Generalüberprüfung werden auch die elektrischen Anlagen unterzogen und – wo nötig – saniert. Ausgeführt werden die Arbeiten im November dieses Jahres, wenn die Wallfahrtssaison praktisch zu Ende ist. Damit die Joche ersetzt werden können, muss jede Glocke einzeln abgehängt und auf dem Boden zwischengelagert werden. Sie bleiben jedoch im Turm drin. Das erfordert Hand- und Präzisionsarbeit. Die neuen Joche und die neuen Klöppel werden mit einem Pneukran vom Kirchenvorplatz aus hinauf in die Glockenstuben gehievt. Geläutet werden könne nach Auskunft von Bruder Alexander auch während der rund dreiwöchigen Arbeitsphase jederzeit – «einfach reduziert».

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Victor Kälin)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

11.06.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/6tXC5e