Karl Saurer ist ein profunder Kenner der Entstehung des Sihlsees. 40 Personen erfuhren am Sonntag viel Wissenswertes über den Sihlsee und seine Entstehung. Bild Walter Grämiger
Karl Saurer ist ein profunder Kenner der Entstehung des Sihlsees. 40 Personen erfuhren am Sonntag viel Wissenswertes über den Sihlsee und seine Entstehung. Bild Walter Grämiger

Volkskultur

Ein Menschenwerk mit dem Namen «Sihlsee»

Schon frühmorgens prasselte der Regen letzten Sonntag auf die Oberfläche des grössten Stausees der Schweiz. Es konnten also nur Karl Saurers Erzählungen aus seinem Buch «Eine Landschaft ändert ihr Gesicht» gewesen sein, die die Besucher so zahlreich zur Erzählfahrt auf die Angelika lockten.

In seinem Werk stellt Saurer Bilder und Texte kompetenter Autorinnen und Autoren zum Thema Entstehung des Sihlsees zusammen. Sie erinnern allesamt an ein Projekt, das die Gemüter nicht nur der betroffenen Bauern, sondern auch die der Menschen rund um Einsiedeln jahrzehntelang aufs Heftigste erregte. Saurer zu seinem Werk: «Das Buch spürt den Widersprüchen zwischen Fortschrittsglauben und traditionellem Bewahren, zwischen industriellen und landwirtschaftlichen Interessen, zwischen Technikfaszination und Naturbegeisterung nach. Prägnante Bilder  darunter bislang unveröffentlichte Originaldokumente  und historische sowie zeitgenössische Fotos geben dieser exemplarischen Geschichte «aus der Inneren Schweiz» kräftige Konturen und bewegende Anschaulichkeit.

Der jüngste Schweizersee

In seinen Ausführungen zitierte Karl Saurer unter anderen den Autor Hermann Hiltbrunner: Es sei nicht die Regel, dass Werke des Menschen, die ein Stück Natur umgestalten, so ausfallen, als seien sie selbst Natur. Dieses Menschenwerk heisst Sihlsee, der jüngste See unseres Landes, so Hiltbrunner. Wer ihn noch nicht gesehen habe, werde Zweifel hegen und fragen, wie es möglich sei, einen elf Quadratkilometer grossen See aufzustauen, ohne dass das Bild der Landschaft gestört werde. Jetzt wurde jedem Besuch klar, welches Juwel der Sihlsee und seine Umgebung darstellen. Vom See aus gesehen erlebt man eine ganz andere Welt. Der See wurde am Sonntag zur Bühne von Karl Saurer umfunktioniert.

40 Jahre Konflikte

Dass das Sihseeprojekt jahrelang bewegte, zeigt eine Radierung aus dem Jahr 1900 unter dem Titel «Projektierter See». Die bis auf kleine Details mit dem heutigen Sihlsee erstaunlich identische Radierung eines Künstlers «W», wurde ein Jahr später im Einsiedler Kalender als Vision veröffentlicht. Diese Vision hat Karl Saurer nicht ohne Grund an den Anfang seines hochinteressanten Buches gestellt. Immerhin zogen laut Saurer von den ersten Bemühungen bis zur Betriebsaufnahme 40 Jahre ins Land. Gery Schwager: Ein Grund, warum der erwähnte Prozess wirklich 40 Jahre brauchte, seien nicht nur die «üblichen» Probleme gewesen, sondern ein ideell geprägter Konflikt zwischen Landwirtschaft und der Elektrizitätsindustrie, die im zeitgenössischen Denken nur schwer in Übereinstimmung gebracht werden konnten. Mit gezielt ausgesuchten Passagen der vielen Autorinnen und Autoren gelang es Karl Saurer, die spannende 40-jährige Epoche im frühen 20. Jahrhundert rund um die Entstehung des Sihlsees zu erzählen.

Einfach aber genial

Während sich die Angelika langsam dem Ufer entlang in Richtung Staumauer bewegte, erzählte Saurer über viele grosse und kleine Begebenheiten zur Entstehung des Sihlsees. Die vielen Diskussionen, die damals alle Schichten der Bevölkerung in ihren Bann zogen, zeigen auf, dass eigentlich seit dem späten 19. Jahrhundert in und um Einsiedeln kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Aus Büchern, Zeitungsberichten aber auch aus Protokollen der Regierungen zur geplanten Staumauer, erfährt der geneigte Leser viele kleine Details zu einer beispiellosen Epoche rund um den Sihlsee. So erfuhr man beispielsweise im Bericht von Ernst Louis Bingisser, dass im Jahre 1899 zum ersten Mal ein taugliches Sihlseeprojekt auftauchte. Die Vorstellung des St. Galler Ingenieurs Kürsteiner sei damals sehr einfach und doch genial gewesen: Im breiten Hochtal der Sihl, östlich von Einsiedeln, sollte ein Stausee angelegt werden, um mit der gespeicherten Wasserkraft am fast 500 Meter tiefer liegenden Zürichsee «gewaltige elektrische Kraft» zu erzeugen. Dieser kühne Plan habe, laut Bingisser, umgehend die Maschinenfabrik Oerlikon auf den Plan gerufen, die das Projekt Kürsteiner baldmöglichst verwirklichen wollte. Der Weg sollte aber noch steinig werden.

Reicher Fundus

Saurer schöpfte immer wieder aus seinem reichen Fundus, aus seinem grossen Wissen um die Entstehung des Sihlsees und natürlich auch aus der Sicht des in Gross aufgewachsenen Publizisten. Er vermochte die rund 40 Gä

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

21.06.2016

Webcode

www.schwyzkultur.ch/R8vYSt