Die neue Fahne wurde in der Jugendkirche geweiht. Zwei Ehrendamen umrahmen Fähnrich Gerold Birchler jun. sowie Fahnengotte Marlen Betschart und Fahnengötti Richard Schönbächler. Bilder Franz Kälin
Die neue Fahne wurde in der Jugendkirche geweiht. Zwei Ehrendamen umrahmen Fähnrich Gerold Birchler jun. sowie Fahnengotte Marlen Betschart und Fahnengötti Richard Schönbächler. Bilder Franz Kälin
Die Eröffnungssennte der Familie Ruedi Kälin von der Alp Stock läutet einen tollen Umzug mit sehr viel Herzblut ein. Hunderte von Zuschauerinnen und Zuschauern stehen an der Umzugsroute. Sie staunen und applaudieren.
Die Eröffnungssennte der Familie Ruedi Kälin von der Alp Stock läutet einen tollen Umzug mit sehr viel Herzblut ein. Hunderte von Zuschauerinnen und Zuschauern stehen an der Umzugsroute. Sie staunen und applaudieren.

Volkskultur

Farbige Street Parade auf dem Land

Die Jubiläumsfeier war ein voller Erfolg. Der Umzug durch das Dorf vor dichtgedrängten Zuschauerreihen war eine farbige Street Parade auf dem Land.

Bauern-Herz, was willst du mehr! Dem OK «150 Jahre Bauernverein Einsiedeln», unter der Leitung von OK-Präsident Gerold Birchler sen., darf für die Durchführung der Jubiläumsfeierlichkeiten ein Kränzchen gewunden werden. Die Bevölkerung kam am letzten Samstag bei schönstem Sommerwetter in den Genuss einer gelungenen Trilogie – feierliche Jodlermesse mit Fahnenweihe in der Jugendkirche, origineller Brauchtumsumzug durch das Dorf und Festbetrieb mit urchiger Musik beim Alten Schulhaus. Jedermann kam auf seine Kosten. Es war eine Jubiläumsfeier, die alle Sinne ansprach. Dem OK gelang es vorzüglich, den Bauernstand der zahlreich erschienenen Bevölkerung auf sympathische Art in Erinnerung zu rufen und vielfältig zu präsentieren. Einige Bauern konnten tagsüber leider nicht an den Festivitäten teilnehmen. Das Sommerwetter lud geradezu zum «Streunen». Die Feierlichkeiten lassen sich trotzdem mit zwei Worten – und erst noch in Einsiedler Dialekt – trefflich zusammenfassen: «hejbsch guet.»

Umzug lockte Hunderte an

Der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war zweifellos der grosse Brauchtumsumzug, der ab 13.30 Uhr vom Steinel-Areal via Langrüti- und Hauptstrasse zum Grossen Herrgott beim Festzelt beim Alten Schulhaus führte. Beim Umzug, unter dem Motto «Die vier Jahreszeiten», präsentierten sich 39 Gruppen mit rund 350 Personen, Jung und Alt, den Hunderten von begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern aus nah und fern. Vorgestellt wurden Tiere, Handwerke, Maschinen und Brauchtum – ein Querschnitt mit viel Liebe zum Detail. Viele Zuschauer kamen entlang der Umzugsroute nicht mehr zum Staunen heraus. Dabei handelte es sich bei vielen Handwerken und Gerätschaften nicht um solche aus dem Mittelalter, sondern aus jüngster Vergangenheit. Man denke zum Beispiel an die Turpenwagen von Paul Marty aus Egg oder die Motormäher aus den 1920er- und 1930er-Jahren von Koni Birchler aus Egg. Weil am Umzug viele Tiere – zum Beispiel Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde oder Ponys – sowie kleine Kinder vertreten waren, wurde bei den dankbaren Zuschauern rasch der «Jö-Effekt» ausgelöst.

Ohrenschmaus und Augenweide

Die Gruppen zogen aber nicht nur an den Schaulustigen vorbei. Sie zelebrierten ihre Wagen. Zum einen wurde musiziert, zum andern etwas vorgeführt. Es war aber nicht nur ein Ohrenschmaus und eine Augenweide. Die Zuschauer kamen auch kulinarisch auf ihre Kosten. «Versucherli» wurden verteilt – hier ein Stück Käse, dort ein Schluck Süssmost. Dank dieser Interaktionen sprang der Funken zwischen den Gruppen und den Schaulustigen. Die Zuschauer beklatschten die Gruppen, diese bedankten sich lachend und winkend. Weil die Eröffnungssennte der Familie Ruedi Kälin von der Alp Stock zu früh und die Alpabfahrt der Gebrüder Hensler von der Alp Stäubrig zu spät kamen, dauerte der Umzug nicht eine, sondern zwei Stunden – kein Problem bei diesem Wetter.

Jodlermesse mit 300 Besuchern

Die Jodlermesse mit Fahnenweihe fand um 9.30 Uhr in der Jugendkirche statt und dauerte 75 Minuten. Sie wurde von Pfarrer Basil Höfliger und Pater Lorenz Moser zelebriert und vom Jodlerklub Alpenrösli musikalisch umrahmt. Als Fahnengotte und Fahnengötti standen Marlen Betschart und Richard Schönbächler und als Fähnrich Gerold Birchler jun. im Einsatz. Die Kirche war mit 300 Personen etwa zur Hälfte besetzt. «150 Jahre. Das ist eine stolze Zahl. Sie haben allen Grund dies heute zu feiern», sagte Pater Basil in seiner Predigt. Der Blick in die Vergangenheit sei nicht einfach Nostalgie. In der Vergangenheit liege ein Schatz verborgen, der sich lohne, immer neu geborgen zu werden.

Der Schatz der Erfahrung

Der Blick in die Vergangenheit habe aber auch seine Tücken und helfe nicht immer weiter. Gerade die Bauern seien in der Vergangenheit gefordert gewesen, den Blick in die Zukunft zu richten – neue Ideen auf ihre Tauglichkeit zu hinterfragen – Wege zu suchen, wie sie ihre Anliegen und Aufgaben auch in den kommenden Jahrzehnten wahrnehmen und umsetzen können. «Sie bekommen heute eine neue

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

13.09.2011

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www.schwyzkultur.ch/QPZYvs