Die fertige Laterne – in der Mitte die 40 LED-Panels, auf denen ein mehrminütiger Film abgespielt wurde, oben und unten bemalte Flächen. Ein echter Blickfang der Basler Fasnacht. Foto: zvg
Die fertige Laterne – in der Mitte die 40 LED-Panels, auf denen ein mehrminütiger Film abgespielt wurde, oben und unten bemalte Flächen. Ein echter Blickfang der Basler Fasnacht. Foto: zvg

Volkskultur

«Googlehopf» mit Einsiedler Zutaten

Beim Morgenstreich der Basler Fasnacht vom vergangenen Montag stach die Laterne der Revoluzer 56 aus den rund 450 Gruppen besonders heraus – dies dank der Hilfe der Einsiedler Unternehmer Patrick Steiner und Raphael Kälin.

Durch einen Kunden der Einsiedler Firma expert Cäsar Kälin GmbH erhielt Inhaber Patrick Steiner eine Anfrage, ob er in eine «Basler Laterne» nicht nur Licht sondern auch Bild und Ton installieren könne. Interessiert nahm sich Patrick Steiner dieser Aufgabe an und zog mehr durch Zufall bei einem Gespräch seinen Kollegen Raphael Kälin, Inhaber der AVC-Systems AG in Einsiedeln, mit ins Boot. Das Sujet der Revoluzer 56 lautet in diesem Jahr: «S Digidal isch scheen, Juhee!» Passend dazu hatten sie die Vision einer digitalen Laterne für den Morgenstreich, welche sie später als «Googlehopf» bezeichneten. Nach diversen Anfragen bei verschiedensten Firmen im In- und Ausland, darunter auch grosse Elektronikhersteller, wurden sie in Einsiedeln fündig. «Solche Spezialaufträge können nur kleine Geschäfte wie wir so spontan und unkompliziert erfüllen», sagt Raphael Kälin. Die Basler gaben den Einsiedlern für das gesamte Projekt wenig Zeit. Licht und Ton zu installieren war relativ einfach. Doch wie soll das Bild dargestellt werden? Nach diversen Überprüfungen entschied man sich für ein modulares LED-Panel (Bildschirme bestehend aus einzelnen LED-Lampen, wie sie zum Beispiel bei Banden im Fussballstadion genutzt werden) anstatt für kleine Fernsehgeräte. AVC-Hersteller in China konnte die 40 benötigten LED-Panels in der richtigen Grösse herstellen und vor allem auch liefern. Nun hiess es einen Testaufbau zu realisieren. Damit man bei den 40 LED-Panels den Überblick nicht verlor, wurden die Panels um ein Gestell herum installiert. Komplizierter waren die Einstellungen der Displays, waren doch alle Programme mit chinesischer Schrift angeliefert worden. Raphael Kälin entschloss sich kurzfristig, einen Techniker der Hersteller-Firma einzufliegen, der die Sprache verstand.


Ein langer Tag


Am Morgen um 8 Uhr an einem kühlen Januartag wurde in einer alten, stillgelegten Backsteinfirma in der Region Basel mit der technischen Installation begonnen. Die beiden Unternehmer wurden von zwei Technikern ihrer Firmen zusätzlich unterstützt. So wurden meterweise LED-Streifen für die Beleuchtung der tollen Sujets montiert sowie die ganze Elektronik für die Bildschirme eingebaut und installiert. Bis spät in die Nacht wurde durchgearbeitet, doch die Freude war umso grösser, als die Einsiedler Arbeit zusammen mit der Kreativität der Revoluzer 56 als Ganzes bestaunt werden konnte. Über eine Tonne wiegt das Schmuckstück mit fahrbarem Untersatz.


Eine lange Nacht


Mit der Installation der technischen Infrastruktur war die Arbeit für die Einsiedler jedoch noch nicht getan. Wochenlang haben die Revoluzer an dem Filmmaterial für das Videodisplay gearbeitet und so kam es, dass dieses erst in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag vor dem Morgenstreich in Einsiedeln eintraf. Nun lag es an der AVC-Systems AG, das Filmmaterial so zu konvertieren, dass es einwandfrei auf der Kugel funktionierte. Der Schreckmoment kam in der Nacht auf Montag, als der Ton nicht mit dem Bild zusammen funktionierte. Für die Profis von AVC wurde so die Nacht zum Tag. Vor Ort installierten sie ein neues Abspielgerät und retteten so den Revoluzern den Morgenstreich. Um Punkt 4 Uhr setzten sich die maskierten Revoluzer 56 pfeifend und trommelnd mit dem digitalen «Googlehopf» in den dunkeln Gassen der Basler Altstadt in Bewegung. Das Staunen der Zuschauer und ein grosses Medieninteresse waren die Belohnung für die harte Arbeit der Basler Fasnächtler und der Einsiedler Unternehmer. Patrick Steiner und Raphael Kälin sind sich einig; «Es isch en cooli Sach gsie, gern wieder mal so öppis Speziells.»


Einsiedler Anzeiger / lsc

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

23.02.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/8Lha4r