Franziska Wigger (links) und Nadja Räss freuen sich über ihr gemeinsames Werk «Jodel – Theorie & Praxis». Foto: Karl Hensler
Franziska Wigger (links) und Nadja Räss freuen sich über ihr gemeinsames Werk «Jodel – Theorie & Praxis». Foto: Karl Hensler

Volkskultur

Nachschlagewerk zum Jodelgesang

Auf den letzten Donnerstag luden die beiden Autorinnen Nadia Räss und Franziska Wigger zur Vernissage ihres schulbuchähnlichen Werkes «Jodel – Theorie & Praxis». Das Fachpublikum erschien zahlreich.

«Soll das Jodeln geschult werden?» Wer dieser Frage auf den Grund gehen will, hat die Möglichkeit darüber im Buch «Jodel – Theorie – & Praxis» nachzulesen. Am 20. Mai wurde das schulbuchähnliche Werk von den Autorinnen Nadja Räss und Franziska Wigger im Theatersaal des Klosters Einsiedeln erstmals präsentiert. Eine Antwort auf die Frage deutete der bekannte Jodelkomponist Robert Fellmann 1943 an: Nicht nur der Kunstgesang bedarf der Weiterbildung, der Ausbildung der Stimme und der Vortragskunst, auch unser volkstümliche Gesang – der Jodelgesang. Zudem ist er der Meinung, dass die Stimmbildung das Jodeln keinesfalls verfälschen soll.

Jodler an der Buchpräsentation

Mit einem Jodellied wurde ein Abend eröffnet, der mit gut verständlichem Fachwissen, vom Nidwaldner Alois Gabriel in seinem heimeligen Dialekt amüsant vorgetragen, geschmückt war. Er wies gleich zu Beginn darauf hin, dass das vorliegende Werk, von einer CD begleitet, ein Lehrbuch darstelle, das an die Diplomarbeit von Nadja Räss «Jodeln im Unterricht» anschliesse. Die Autorinnen, dazu gehört auch Franziska Wigger, betrachten ihre fachkundige, präzise Arbeit am Lehrbuch als eine Reise. Nadja Räss bezeichnet in ihrer Begrüssung das nun vorliegende Buch als ein Nachschlagewerk zum Jodelgesang.

Sachlich und fundiert

Mit Franziska Wigger zusammen leerte sie ab 2006 den Rucksack, der bereits viel Wissen enthielt. Dazu hätten sie Ergebnisse von Begegnungen und Gesprächen, betreffs Fragen zum Jodeln, gelegt. Scheinbar wollten die Autorinnen eine gut abgestützte Arbeit vorlegen. Bei der Betrachtung der im Buch aufgeführten Dankesliste fällt auf, dass viel Fachwissen organisiert wurde. Ein sachkundlich fundiertes Werk ist daraus geworden.

Tradition und Neuzeit

Verschiedene Jodelformationen wirkten dagegen, dass an diesem Abend nicht nur trockene Texte zu hören waren. Trug einerseits der einheimische Jodlerclub Alpenrösli den Chorgesang vor, so waren andererseits auch originelle Solojodel zu hören. Sei das durch den Entlebucher Rudolf Bieri mit seinem klassischen «Äs Chnächtli», oder Nadja Räss mit der musikalischen Begleitung von Rita Gabriel in den Spuren des neueren Jodels. «Ausgangs-Juzer vom Muotathal», ist nicht nur der urchige Name einer sich unter der Leitung von Kurt Gwerder dem Naturjuz verschriebenen Gruppe. Auch ihre Vorträge klangen dementsprechend.

Vielfältiger Jodelgesang

Dass der Jodelgesang in der Schweiz die Vielfältigkeit unseres Landes zu dokumentieren versteht, bewies nebst den vorerwähnten Vorträgen das «Herschechörli» aus dem Appenzellerland. Wenn sein Gesang vordergründig auch etwas schwermütig anmutet, so weist er doch auf viel Herz und Gemüt hin. Von berechtigtem Stolz getragen trug Nadja Räss mit vier Schülerinnen einen Klassiker von Hans Walter Schneller «Jödele, bödele» vor.

Nicht in die Quere gekommen

Im Wechsel zu den Jodelvorträgen pickte Alois Gabriel Teile aus dem Buch. In solcher Weise machte er beispielsweise Hinweise auf Abschnitte zur Funktionalität des Kehlkopfs, der Stimmbildung, der Atmung, der Zungengeschicklichkeit. Was, kurz gesagt, die Stimme das werden lässt, zu was sie geschaffen wurde, dem Klang. Bekanntlich lernt man über das Ohr leichter, darum liegt dem Buch eine CD bei. Nicht alle Jodlerkreise akzeptieren die neuen Gesangsformen im Jodelgesang. Um allzu heftige Diskussionen zu vermeiden, gilt es eine Art Wegweiser bei Auslegungen und bei Auftritten zu beachten. Unterscheidet man zwischen althergebrachtem, traditionellem Jodel einerseits und dem neuzeitlicheren, etwas anders aufgebauten Gesang andererseits, so kommen sich die zwei unterschiedlichen Richtungen nicht in die Quere.

Kostprobe mit Variationen

Dass auch neue Versuche mit jodelähnlichen Variationen gelingen können, zeigte die bemerkenswerte Kostprobe von Franziska Wigger zusammen mit der instrumentalen Begleitung einer xylophonähnlichen Marimba. Den Abend aber schlossen der Jodlerclub Alpenrösli mit einem gewohnt traditionellen Jodellied und die Moutathale

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

26.05.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/93LGdm