Markus Bamert informierte über die Gnadenkapelle. Bild Karl Hensler
Markus Bamert informierte über die Gnadenkapelle. Bild Karl Hensler
Ein Geschenk an das Kloster Einsiedeln, aufgrund des Gewichtes auch «Panzer» genannt.
Ein Geschenk an das Kloster Einsiedeln, aufgrund des Gewichtes auch «Panzer» genannt.
So sah die Gnadenkapelle im 15. Jahrhundert aus. Bilder: Archiv Karl Hensler
So sah die Gnadenkapelle im 15. Jahrhundert aus. Bilder: Archiv Karl Hensler

Volkskultur

Vortrag über die Gnadenkapelle: Das Haus der Schwarzen Madonna

Manchem Einsiedler fällt bei diesem Titel unweigerlich unsere Gnadenkapelle ein. Dies mag auch der Auslöser gewesen sein, dass am vergangenen Montag gegen fünfzig interessierte Besucher dem Aufruf des aktiven Kulturvereins Chärnehus
Folge leisteten.

In ihrer Begrüssung wies Historikerin Susanna Bingisser darauf hin, dass seit dem 21. Januar bis am 8. Oktober die zwischen 1815 und 1817 von den Architekten Br. Jakob Natter und Luigi Cagnola neu erstellte Kapelle gefeiert wird. Historischen Kreisen ist bekannt, dass die Franzosen dieses Gebetshaus zwischen dem 26. und 31. Mai 1798 in ihrem Übermut abgebrochen hatten.

Gnadenkapelle und das Kloster

Die ganze Überschrift des von Kunsthistoriker lic. phil. Markus Bamert gehaltenen Referats lautete «Das Haus der Schwarzen Madonna. Die Einsiedler Gnadenkapelle, Ursprung und Geschichte». Seinen Vortrag illustrierte der Referent mit historischen Bildern zum geschichtlichen Ablauf. All die interessanten Ausführungen hier umfänglich wiederzugeben, würde zu weit führen. Es seien mittels dieser Zeilen ein paar Besonderheiten herausgepickt. Allgemein wird die Verkleidung der Gnadenkapelle als Marmor aus südlichen Steinbrüchen betrachtet. Untersuchungen ergaben aber, dass es sich hier um Alpenkalk handelt. Dieser wurde in Alpthal und Wollerau abgebaut. Heute steht die Kapelle mitten in der Klosterkirche. Goethe bezeichnete diese Situation anlässlich einer seiner Schweizer Reisen als «Kirchlein in der Kirche». Es wird angenommen, dass im 10. Jahrhundert an der Stelle der Zelle des heiligen Meinrads die Kapelle gestanden haben soll. Zum heiligen Meinrad verweist Markus Bamert auf das sogenannte Blockbuch von 1460, in dem auf illustrative Weise die Geschichte des Eremiten aufgezeigt werde. Eberhard von Strassburg, aus dem schwäbischen Adel stammend, gilt als Gründer der hiesigen Benediktinerabtei. Dies wird auf das Jahr 934 datiert. Dank der intensiven Verflechtung mit dem schwäbischen Adel kam das Kloster zu verschiedenen Besitztümern in und um den Zürichsee. So die Ufnau und mancher fruchtbare Boden am Ufer des Sees. Dieser war dem Kloster hochwillkommen, lag doch das Kloster selbst im rauen Klima auf rund 1000 Meter über Meer.

Stifter, ihre Gaben und die Wallfahrt

Die beiden Figuren ob den Arkaden zeigen zwei wichtige Wohltäter des Klosters. Die auf der linken Seite mit dem Schwert deutet Otto I. an. Während die andere Heinrich II. zeigt. Als im Zusammenhang mit der Engelweihe von 130’000 verkauften Pilgerabzeichen im Jahre 1466 zu erfahren war, löste dies breites Erstaunen unter den Vortrags- Besuchern aus. Verwunderung löste auch eine besondere Erwähnung aus. Die Markgräfin von Baden-Baden, Sybilla Augusta, war eine grosse Stifterin des Klosters. Nebst anderen Gaben findet sich im Fundus des Klosters ein von ihr geschenktes Messgewand. Es ist geschmückt mit Silberapplikationen, einem emaillierten Familienwappen und 1000 in die Ornamente eingelassenen kleinen Edelsteinen, Diamanten, Rubinen und Smaragden. All die Schmuckstücke ergeben ein immenses Gewicht, sodass dieses Geschenk despektierlich «Panzer» genannt wird und kaum getragen werden kann.

Ausstellung ab September

Zum Thema Kloster und Wallfahrt kann ab September 2017 eine grosse Ausstellung, von Markus Bamert initiiert, im Landesmuseum in Zürich besucht werden.

Einsiedler Anzeiger (heka)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

19.05.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/N6smq2